KAPELLBRÜCKE: Die Bilder-Kopien werden nicht aufgehängt

Der Luzerner Stadtrat will die Kopien der Kapellbrücken-Bilder nicht aufhängen. Die Qualität der Bilder genügt nicht.

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Xaver Kunz aus Luzern betrachtet im April 2009 die Kopien der Brückenbilder an der Luga. (Bild Manuela Jans/Neue LZ)

Xaver Kunz aus Luzern betrachtet im April 2009 die Kopien der Brückenbilder an der Luga. (Bild Manuela Jans/Neue LZ)

Der Stadtrat will an der bestehenden Hängeordnung der Bilder auf der Kapellbrücke festhalten und auch in Zukunft nur Originalbilder aufhängen lassen, heisst es in einer Mitteilung der Stadt Luzern.

Ein Gutachten der Eidgenössischen Kommission für Denkmalpflege (EKD)kommt zum Schluss, dass die Kopien der Bildtafeln den Qualitätsanforderungen in handwerklicher, maltechnischer und künstlerischer Hinsicht nicht genügen. Eine Ergänzung der vorhandenen Originale auf der Kapellbrücke mit den neuen Tafeln sei «undenkbar», befindet die EKD.

Originale für die Lesbarkeit abgeändert
Die EKD bemängelt, dass die Tafeln zum Teil unsorgfältig bearbeitet wurden. Kritisiert werden die Grundierung, die Oberflächenstrukturen, die Malschichtfolgen, die unterschiedlichen Maltechniken und das Verwenden von nicht genau spezifizierten Farben.

Zudem orientieren sich die dargestellten Szenen sehr frei an den erhaltenen Originalen und würden beliebig durch klarere Farben und andere Eingriffe zugunsten einer angeblich besseren Lesbarkeit geschärft. Dies widerspricht laut EKD den Regeln und Prinzipien, denen wissenschaftlich begründete und dem Original getreue Kopien genügen müssen.

«Mangel an Gefühl für Proportionen»
Die künstlerischen Aspekte der Originale seien von den Kopisten ungenügend erkannt und unbeholfen imitiert worden. Es zeige sich ein Mangel an Gefühl für Raum und Proportionen. Das Bundesamt für Kultur und die kantonale Denkmalpflege haben sich den Schlussfolgerungen der EKD angeschlossen.

Bereits im Januar 2009 hatte SP-Politiker Markus Elsener die «knalligen Farben und die zum Teil comic-artigen Figuren» auf einigen Kopien angeprangert (siehe Link » ).

Auf Eigeninitiative Kopien erstellt
Der Luzerner Rechtsanwalt und Kunstliebhaber Jost Schumacher hatte auf private Initiative alle 146 Kapellbrücken-Bilder rekonstruieren lassen – auch die bei der Brandkatastrophe vom 18. August 1993 zerstörten Gemälde. Im Herbst 2007 hat er den Stadtrat angefragt, ob seine Kopien zeitlich begrenzt auf der Kapellbrücke aufgehängt werden könnten.

Die Kapellbrücke mit ihrem Bilderzyklus ist im kantonalen Denkmalverzeichnis eingetragen. Dadurch ist die Stadt gesetzlich verpflichtet, Veränderungen der Hängeordnung durch die kantonale und eidgenössische Denkmalpflege bewilligen zu lassen.

ana