KAPELLBRÜCKE: Ein Museum für die Brückenbilder

Alle 146 Kopien werden auf der Kapellbrücke ohnehin nicht Platz haben. Sollen sie öffentlich ausgestellt werden? Zur Diskussion steht das Am-Rhyn-Haus.

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Die eingelagerten Kopien der Kapellbrücke-Bilder, die Anwalt Jost Schumacher erstellen liess (rechts Mediensprecher Reto Eicher). (Bild Marco Stalder/Neue LZ)

Die eingelagerten Kopien der Kapellbrücke-Bilder, die Anwalt Jost Schumacher erstellen liess (rechts Mediensprecher Reto Eicher). (Bild Marco Stalder/Neue LZ)

Originale oder Kopien auf der Kapellbrücke? Der Bilderstreit dauert an, die öffentliche Meinung steht diametral zu derjenigen von Stadtrat und Fachleuten. So oder so: Wenn alle Joche der Holzbrücke besetzt werden sollten, sind dennoch viele Gemälde überzählig. 63 Bilder sind derzeit zu sehen, 111 waren es vor dem Brand von 1993.  Anwalt Jost Schumacher liess aber für rund 2 Millionen Franken sämtliche 146 Gemälde aus den drei Bilderzyklen kopieren.

Soll man die überzähligen Bilder in ein Museum hängen und sie so öffentlich zugänglich machen? Soll man also ein Kapellbrücke-Museum realisieren (wobei vorderhand offen bleibt, ob man dort Kopien oder Originale ausstellen will)?

«Die Kopien sollten öffentlich zugänglich sein»
Neuen Auftrieb erhält der Museumsplan nun auch durch die Tatsache, dass in unmittelbarer Nähe der Brücke das stadteigene Am-Rhyn-Haus steht. Die Picasso-Sammlung ist dort ausgezogen, die Grünen möchten die Räume als Stadtmuseum nützen.

Grossstadtrat Markus Elsener, Fraktionschef der SP, möchte die Schumacher-Kopien nicht auf der Brücke sehen, es gelte, eine «Disneylandisierung» der Stadt zu verhindern. Elsener fände es aber schade, wenn man die 146 Gemäldekopien nicht öffentlich zugänglich machen würde. Support für Elsener gibts von Urs Wollenmann (SVP), der jedoch betont, dass sich seine Fraktion gegen ein Stadtmuseum im Am-Rhyn-Haus ausgesprochen habe: «Für mich persönlich wäre das geradezu logisch, wenn nach Picasso heimisches Schaffen ins Am-Rhyn-Haus käme.»

Vorbehalte gegenüber dem Am-Rhyn-Haus
Edith Lanfranconi von den Grünen hat gegenüber dem Am-Rhyn-Haus als Standort für die Kopien Vorbehalte: «Die Räumlichkeiten eignen sich von der Art und Grösse her nur bedingt als Ausstellungsort der Kopien.»

Auch die FDP ist offen für diese Diskussion, will aber zuerst die Ratsdebatte vom 11. September abwarten. «Die Idee ist grundsätzlich begrüssenswert – ohne jetzt aber schon konkret sagen zu können, wo so ein Museum einquartiert werden könnte», sagt FDP-Grossstadträtin Claudia Portmann. Der CVP-Fraktionschef Markus Mächler will sich der Museumsidee nicht verschliessen, sagt aber: «Das Am-Rhyn-Haus ist nicht ideal. Es liegt so zentral, das müsste eine höherwertige Nutzung haben.»

Wenn ein Museum, dann eines mit Originalen
Luzerns Tourismusdirektor Marcel Perren ist fest davon überzeugt: «Ein Kapellbrücke-Museum wäre eine weitere Attraktion für Luzern.» Ein solches Museum müsste möglichst nahe der Brücke zu stehen kommen, «von daher wäre das Am-Rhyn-Haus ideal».

Für Bernhard Furrer, Präsident der Eidgenössischen Kommission für Denkmalpflege, ist die Museumsidee nach wie vor «in jedem Fall eine interessante Möglichkeit». Aber was aus Sicht der Eidgenössischen Denkmalpflege für die Holzbrücke gilt, wäre auch in einem Museum nicht anders: «Wenn ein Museum Kopien zeigt, würde es sich selber disqualifizieren», sagt Furrer.

Jérôme Martinu

Den ausführlichen Artikel lesen Sie am Donnerstag in der Neuen Luzerner Zeitung.