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KAPELLBRÜCKE: Sie zeigen Herz für Behinderte

Die Suche nach dem Schlüssel für den Rollstuhllift kann zu einem Spiessrutenlauf werden. Ein aufmerksamer Bürger schafft nun unbürokratisch Abhilfe.
Alt Grossstadtrat Louis Baume (links) übergibt Hugo Kurmann von der Confiserie Kurmann den Schlüssel, der für den Rollstuhllift bei der Kapellbrücke benötigt wird. (Bild: Dominik Wunderli / Neue LZ)

Alt Grossstadtrat Louis Baume (links) übergibt Hugo Kurmann von der Confiserie Kurmann den Schlüssel, der für den Rollstuhllift bei der Kapellbrücke benötigt wird. (Bild: Dominik Wunderli / Neue LZ)

Simon Bordier

Seit Mitte Juni läuft der Rollstuhllift der Kapellbrücke am rechten Reussufer wieder, nachdem ihn Vandalen Mitte Mai stark beschädigt hatten. Rund 10 000 Franken habe die Reparatur gekostet, ist bei der Stadt auf Anfrage zu erfahren. Für alt Grossstadtrat Louis Baume (CVP), der sich seit Jahren für eine behindertengerechte Stadt starkmacht, sind damit aber nicht alle Probleme gelöst: «Die Stadt investiert viel Geld in den Kauf und Unterhalt von Rollstuhlanlagen. Das Problem ist, dass die teure Technik wegen organisatorischer Probleme teils gar nicht genutzt werden kann.»

Konkret geht es um den Eurokey: ein Universalschlüssel, mit dem Rollstuhlfahrer schweizweit 1500 Anlagen Lifte wie bei der Kapellbrücke, Garderoben oder WCs – benutzen können. Der Schlüssel ist auch in anderen Teilen Europas gebräuchlich, aber längst nicht alle Rollstuhlfahrer besitzen einen Schlüssel – von Touristen aus anderen Kontinenten ganz zu schweigen. Deshalb gibt es in der Stadt sieben Abgabestellen, an denen man gegen ein Depot von 25 Franken einen Eurokey ausleihen kann; etwa beim Tourismusbüro an der Zentralstrasse, beim Naturmuseum oder bei der Confiserie Kurmann gleich beim Kapellbrücken­eingang am linken Reussufer. Doch bei der Confiserie klopften Rollstuhlfahrer bis vor kurzem vergeblich an.

Von der Stadt angefragt

«Anfang 2014 wurden wir von den Stadtbehörden gefragt, ob wir bereit wären, als Abgabestelle zu dienen», sagt Margrit Kurmann, die mit ihrem Mann Hugo die Confiserie führt. «Wir sagten zu, denn das Engagement für ­Behinderte erscheint uns sinnvoll und wichtig», sagt sie. Darauf wurde die Confiserie beim Kapellbrückeneingang als offizielle Abgabestelle aufgelistet. «Seitdem fragt etwa ein-, zweimal pro Woche jemand nach dem Schlüssel», sagt Kurmann. Doch ein Eurokey wurde den Kurmanns von der Stadt nie ausgehändigt. Auf Nachfrage beim zuständigen Strasseninspektorat erfuhr das Ehepaar, dass es bei der Beratungsstelle Pro Infirmis selber einen Schlüssel für 25 Franken besorgen sollte. Die Organisation der Schlüssel sei Sache der Abgabestellen und nicht der Stadt.

Seit letzter Woche ist Schlüssel da

Als alt Grossstadtrat Louis Baume davon Wind bekam und erfolglos bei den Behörden reklamierte, organisierte er schlussendlich den Eurokey für die Confiserie bei Pro Infirmis. Am letzten Wochenende fand nun die Schlüsselübergabe statt. «Ich finde es sehr bedauerlich, wenn die Infrastruktur für Rollstuhlfahrer nicht genutzt werden kann, nur weil ein Schlüssel fehlt», erklärt Baume seine Motivation. Doch er sieht eigentlich die Stadt in der Pflicht. «Die Stadt hat ihre organisatorische Rolle aber bisher teilweise vernachlässigt», sagt Baume.

Auch Martina Bosshart, Geschäftsleiterin von Pro Infirmis Luzern, Ob- und Nidwalden, kritisiert: «Es gibt immer wieder organisatorische Probleme, so auch bei der Spreuerbrücke. Die Beschriftung dort ist anders als auf der Kapellbrücke nur auf Deutsch und nicht auf dem aktuellen Stand. Unsere diesbezüglichen Hinweise werden von der Stadt nicht umgesetzt.» Damit das System der Abgabestellen funktioniere, brauche es eine bessere Koordination und ruhig auch mal ein Dankeschön an die freiwilligen Abgabenstellen. Der technische Unterhalt allein genüge nicht.

Stadt will Praxis ändern

Bei der Stadt zeigt man sich gewillt, den Ball aufzunehmen. «Wir werden die Schlüssel künftig selber organisieren, wenn dies gewünscht wird», sagt Rolf Stocker, Leiter Unterhalt und Betrieb beim Strasseninspektorat. «Das Strasseninspektorat ist in erster Linie für Unterhaltsarbeiten zuständig», erklärt er. Der Kauf und die Koordination von Schlüsseln gehöre nicht direkt in seinen Kompetenzbereich. «Doch wir werden versuchen, diese Aufgaben verstärkt wahrzunehmen», sagt Stocker. «Wir erachten es keineswegs als selbstverständlich, dass sich Institutionen und private Geschäfte als Abgabestelle zur Verfügung stellen.»

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