Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

KAPELLBRÜCKE: Wahrzeichen wird zur Sackgasse

Fast zwei Monate bleibt die Kapell­brücke gesperrt. Und dies während der touristischen Hochsaison. Touristen, Souvenirverkäufer und Luzern Tourismus sind verärgert.
Kein Zutritt: Der Eingang zur Kapellbrücke auf der Bahnhofstrasse ist zurzeit gesperrt. (Bild Nadia Schärli)

Kein Zutritt: Der Eingang zur Kapellbrücke auf der Bahnhofstrasse ist zurzeit gesperrt. (Bild Nadia Schärli)

Raphael Gutzwiller

Sie ist für die meisten Touristen das Highlight ihrer Luzern-Reise: die Kapellbrücke. Zurzeit wirkt das weltbekannte Wahrzeichen allerdings alles andere als einladend. Auf der Theater-Seite versperrt ein Gitter den Eingang zur Brücke. Das Dach der Kapellbrücke wird nämlich komplett saniert – erstmals seit dem Wiederaufbau 1993. Dafür muss jeder Ziegel entfernt, gereinigt und bei Bedarf ersetzt werden. Alle rund 15 bis 20 Jahre sei diese Massnahme nötig, heisst es beim städtischen Tiefbauamt. Damit die Arbeiten ungestört ablaufen können, ist jeweils ein Teil der Brücke gesperrt. Auch die historischen Brückenbilder wurden vorübergehend abgehängt.

Noch bis 23. Oktober geschlossen

Die Sanierungsarbeiten laufen seit dem 31. August und dauern noch bis am 23. Oktober – also während der touristischen Hochsaison. Denn der Monat September gehört zu den erfolgreichsten Touristen-Monaten Luzerns. So wurden im September 2014 total 125 290 Logiernächte gezählt. Einzig Juni, Juli und August waren noch stärker, während es etwa im November nur noch 77 320 Logiernächte waren. Der Zeitpunkt der Bauarbeiten an der Kapellbrücke sei ungünstig, findet Tourismusdirektor Marcel Perren. «Bis Mitte September ist unter anderem auch wegen des Lucerne Festivals noch Hochsaison. Im Interesse der Gäste wäre es wünschenswert gewesen, wenn man die Sanierung erst nach dem Festival oder sogar erst im Oktober gestartet hätte», so Perren.

Für Ärger sorgen die Bauarbeiten auch beim Souvenirshop im Wasserturm. Dieser ist weiterhin geöffnet, ist aber schwieriger erreichbar, da man nur von einer Seite auf die Brücke gelangen kann. «Wir haben durch den Umbau deutlich weniger Einnahmen», sagt Geschäftsführerin Eva Widmoser. Sie spricht von 30 Prozent Einbussen. «Gerade im September schreiben wir gewöhnlich gute Zahlen. Mit der Sanierung haben wir jetzt hingegen zwei Monate lang weniger Umsatz.» Widmoser befürchtet, dass es bald noch schlimmer wird. Wenn die Arbeiten auf der Theater-Seite beendet sind, wird der Zugang bei der Altstadt-Seite geschlossen. Da die meisten Touristen gewöhnlich von dieser Seite her auf die Brücke kommen, wird die Zahl der Brückenbesucher wohl weiter abnehmen. Deshalb wird der Souvenirshop für den Rest der Bauzeit Personal reduzieren. «Die Sanierung wäre besser im Oktober oder im Frühling angesetzt worden», findet Eva Widmoser. «Mitten im Touristenmonat September die grösste Sehenswürdigkeit von Luzern umzubauen und nur von einer Seite begehbar zu machen, macht wenig Sinn.»

Sanierung im Winter unmöglich?

Warum wird die Brücke nicht während der Nebensaison saniert? Projektleiter Markus Sigrist vom städtischen Tiefbauamt sagt: «Wir haben versucht, die Vorgaben und Wünsche von Luzern Tourismus zu berücksichtigen.» Die klimatischen Einschränkungen hätten aber ebenfalls Einfluss auf die Planung, sagt Sigrist. «Wenn die Sanierung im November gemacht worden wäre, hätte mit Frost und Eis gerechnet werden müssen. Die Arbeiten wären dann behindert worden.» Der gewählte Termin sei bereits im Januar 2015 den Beteiligten kommuniziert worden.

«Es ist sehr traurig»

Und wie nehmen die Touristen selber die Sperrung des Luzerner Wahrzeichens auf? «Es sind bisher nur sehr wenige Beschwerden eingegangen, da wir über die Sanierung proaktiv informiert haben», sagt Marcel Perren. «Klar ist die Kapellbrücke das wichtigste Wahrzeichen der Stadt Luzern. Dennoch bin ich überzeugt, dass Touristen Verständnis zeigen und wegen der Sanierung nicht gleich ihre Reise nach Luzern absagen.» Gemäss Perren auch deshalb nicht, weil die Kapellbrücke auch weiterhin zugänglich sei und mit dem Blumenschmuck auch jetzt noch als beliebtes Foto-Sujet dient. Das bestätigt ein Augenschein vor Ort. Trotz Umbauarbeiten werden rund um die Kapellbrücke fleissig Selfies und Bilder geknipst. Dennoch fällt auf, dass auf der Brücke selber eher wenige Touristen anzutreffen sind. Eine Engländerin, die für ein paar Tage in der Schweiz weilt, sagt: «Es ist sehr traurig, dass wir nicht über die Kapellbrücke können. Schliesslich ist sie die grösste Sehenswürdigkeit von Luzern.» Dennoch zeigt sie für den Umbau Verständnis: «Solche Umbauarbeiten sind hin und wieder fällig, das muss man akzeptieren.» Ein weiterer Engländer sieht es ähnlich: «Natürlich ist die Enttäuschung gross, dass die Kapellbrücke nicht überquert werden kann. Auch hätte ich die Bilder auf der Brücke sehr gerne gesehen.» Er lächelt aber: «Vielleicht komme ich deshalb in ein paar Jahren wieder nach Luzern.»

Nicht nur Touristen stören sich über die Schliessung der Brücke – schliesslich dient sie auch täglich Tausenden von Einheimischen als direkte Verbindung zwischen Theater und Schwanenplatz. «Es ist schon extrem mühsam», sagt eine Luzernerin, die zum Schwanenplatz wollte und nun vor verschlossenem Gitter steht.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.