Brand der Luzerner Kapellbrücke: Dieses Bild ging um die Welt

Heute vor 25 Jahren ist das Luzerner Wahrzeichen abgebrannt. Bestürzung und Trauer waren riesig. Dass der Kapellbrückenbrand zum globalen Ereignis wurde, daran hat auch eine Luzerner Fotografin ihren Anteil.

Hugo Bischof
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Gespenstischer Anblick: Die brennende Kapellbrücke mitten in der Nacht – die Löscharbeiten sind noch im Gang. Es ist das meist abgedruckte Bild des Brandes. (Bild: Ruth Tischler (Luzern, 18. August 1993))

Gespenstischer Anblick: Die brennende Kapellbrücke mitten in der Nacht – die Löscharbeiten sind noch im Gang. Es ist das meist abgedruckte Bild des Brandes. (Bild: Ruth Tischler (Luzern, 18. August 1993))

Die Nacht vom 17. auf den 18. August 1993 hat sich tief ins Gedächtnis vieler Luzerner eingebrannt. Damals fiel die aus dem 14. Jahrhundert stammende Kapellbrücke einem Grossbrand zum Opfer. Der Brandalarm wurde um 0.51 Uhr ausgelöst – nach Ansicht einiger Anwohner zu spät. 150 Feuerwehrleute kämpften gegen das Feuer. Das explosionsartig ausbreitende Feuer zerstörte zwei Drittel der 200 Meter langen Holzbrücke. Nur die beiden Brückenköpfe und der Wasserturm konnten gehalten werden. Die Brücke wurde schon bald wieder originalgetreu aufgebaut. Die beim Brand grösstenteils ebenfalls zerstörten historischen Giebelbilder sind jedoch bis heute nicht ersetzt.

Der Brand der Kapellbrücke war auch ein riesiges Medienereignis. Nicht nur die Lokalpresse, sondern auch Zeitungen in der ganzen Welt berichteten darüber. Die Luzerner Fotografin Ruth Tischler hat das wohl berühmteste und weltweit am meisten abgedruckte Bild vom Brand der Luzerner Kapellbrücke fotografiert (siehe unser Hauptbild oben).

Wer wars damals? Falls es ihn gab, würde der Brandstifter heute wegen Verjährung straflos bleiben

Was genau zum Brand der Kapellbrücke 1993 führte, konnte nie geklärt werden. Bis heute halten sich jedoch Gerüchte, wonach es sich um Brandstiftung handelte. Die Untersuchung wurde weniger als ein Jahr nach dem Brand, mit Entscheid vom 20. Juli 1994 eingestellt. Das bestätigt auf Anfrage Daniel Burri, Oberstaatsanwalt des Kantons Luzern. «Nach Abschluss der Untersuchung stand nicht eine vorsätzliche Brandstiftung im Vordergrund», so Burri. Die zuständige Amtsstatthalterin sei damals zum Schluss gekommen, «dass eher von einer Fahrlässigkeit ausgegangen werden muss – zum Beispiel infolge Wegwerfens brennender Rauchwaren». Eine achtlos weggeworfene Zigarette, welche die Plane eines der damals unter der Kapellbrücke vertäuten Boote in Brand setzte, gilt seither als wahrscheinlichste Brandursache. Was aber wäre, wenn jetzt nachträglich doch noch ein Brandstifter ermittelt werden könnte oder sich der Polizei stellen würde? Der Täter oder die Täterin würde auf jeden Fall straflos bleiben, sagt Burri, da Straftaten wie Brandstiftung, eventualvorsätzliche oder fahrlässige Verursachung einer Feuersbrunst nach fünfzehn Jahren verjähren. (hb)

Die heute 65-Jährige erzählt, wie es dazu kam: «Ein Bekannter rief mich kurz nach Mitternacht an.» Von ihrem damaligen Wohnort Emmenbrücke sei sie per Auto relativ schnell vor Ort gewesen, «kurz vor 1 Uhr», schätzt sie. Mit dabei war ihr inzwischen verstorbener Ehemann Sigi Tischler, ebenfalls Fotograf. «Als wir um die Ecke beim Luzerner Theater bogen, erkannten wir sofort, dass es sich um ein Grossereignis handelte. Es war nichts abgesperrt, es hatte viele Schaulustige, die Feuerwehr war ebenfalls schon da.»

Auch immer mehr Fotografen hätten sich versammelt. «Der Brand war schwer zu löschen, aber auch schwer zu fotografieren, da die ganze Kapellbrücke brannte», sagt Tischler. Ihr berühmtes Foto machte sie vom Rathaussteg her. «Das Foto zeigt die Dimension des ganzen Ereignisses auf ruhige, nicht voyeuristische Art. Darauf bin ich noch heute stolz.» Sie sei froh, dass beim Brand niemand verletzt worden sei.

Andere Fotografen arbeiteten noch in Schwarz-Weiss

Tischler arbeitete damals für die Fotoagentur Keystone, ihr Mann für Reuters. «Keystone hatte das weltweit grösste Verbreitungsnetz, deshalb war mein Bild am schnellsten auf allen Redaktionen und wurde schon kurz nach dem Brand überall publiziert.» Ein Vorteil war auch, dass sie ein Farbfoto machte. Einige andere Fotografen arbeiteten damals noch in Schwarz-Weiss.

Sie habe in der Brandnacht weitere Fotos gemacht, etwa von der Seebrücke her, auch Nahaufnahmen von den Löscharbeiten. Ihr sei es aber schnell klar gewesen, dass die Gesamtaufnahme am eindrücklichsten war. Ihr Mann Sigi machte ähnliche Fotos. War er nie neidisch auf ihr Bild? «Nein, im Gegenteil», sagt Ruth Tischler, «er hat sich zusammen mit mir gefreut.»

Das Copyright für das Bild hat Ruth Tischler für sich behalten. Jedes Mal, wenn es irgendwo veröffentlicht wird, erhält sie einen kleinen Betrag. Reich geworden sei sie damit aber nicht.

Ruth Tischler war 1995 bis 2006 Foto­chefin der «Luzerner Zeitung». Sie arbeitete unter anderem auch für Keystone und AP und als freie Fotografin zusammen mit ihrem Ehemann Sigi Tischler für diverse Zeitungen in der ganzen Schweiz. Auch ihr Sohn Randy Tischler ist Fotograf.