KAPELLBRÜCKEN-BRAND: Zeugen erinnern sich: «Plötzlich gab es einen Knall»

Am Montag vor exakt 15 Jahren brannte die Luzerner Kapellbrücke lichterloh. Zwei Zeitzeugen erinnern sich an die verhängnisvolle Nacht.

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Diese Bild ging um die Welt: Die Kapellbrücke im Vollbrand. (Bild Keystone)

Diese Bild ging um die Welt: Die Kapellbrücke im Vollbrand. (Bild Keystone)

Feuer unter der Kapellbrücke auf Seite Stadttheater. Es ist die Sommernacht auf den Mittwoch, 18. August 1993. Eine Zigarettenkippe wars wohl, die das Boot auf Liegeplatz Nummer 13 zum Brennen brachte.
 
Susanna Bertschmann-Schmid bemerkt auf dem Sofa sitzend gegen 0.30 Uhr einen hellen Schein. Sie tritt ans Fenster ihrer Wohnung am Rathausquai und sieht das brennende Boot unter der Brücke. Rasch greift die damals 29-Jährige zum Telefonhörer und alarmiert die Polizei. Sie ist die erste Anruferin in Sachen Kapellbrückenbrand. 

Susanna Bertschmann fühlt sich vom Beamten nicht recht ernst genommen. Darum wählt sie wiederholt die Notrufnummer 118. Auch ihr damaliger Mann und die im oberen Stock wohnenden Eltern alarmieren die Polizei.

Heftige Kritiken
«Das Feuer griff zuerst auf weitere Boote über. Dann gab es plötzlich einen Knall und die Brücke brannte. Die Zeit bis zum Eintreffen der Feuerwehr kam uns wie eine Ewigkeit vor», erinnert sich Susanna Bertschmann. Diese «Ewigkeit» war es auch, die im Nachhinein für grosse Kontroversen sorgte. Bertschmann ist nach wie vor überzeugt, dass zwischen ihrem Anruf und der Alarmauslösung um 0.50 Uhr wertvolle Zeit verstrichen war und dass bei der Aufarbeitung nicht alles hundertprozentig sauber gelaufen ist. 

Für diese Haltung und ihren offensiven Umgang damit musste sie sich damals «heftige Kritiken» gefallen lassen. «Irgendwann einmal wurde mir dann unmissverständlich klargemacht, dass ich nun Ruhe geben solle», erzählt Susanna Bertschmann. Heute hat sie die Sache abgehakt.

150 Mann
Wenige Minuten nach dem Alarm rast der damalige Feuerwehrkommandant Peter Frey im Einsatzfahrzeug über die Seebrücke. Die Brücke brennt bereits massiv. «Ich hatte nicht in den kühnsten Träumen gedacht, dass eine Holzbrücke ein so gewaltiges Feuer verursachen kann», blickt er heute auf die Brandnacht zurück, die sich just an seinem Geburtstag ereignete. 

150 Feuerwehrleute bekämpfen den Gewaltsbrand. Eine Gruppe verhindert vom Ufer aus, mit Wasserkanonen und via Drehleiter, das Übergreifen der Flammen auf den Wasserturm. Frey sagt: «Um den Turm hatten wir eine Riesenangst.»

Jérôme Martinu