KAPO LUZERN: Sondereinheit Luchs wird schwer belastet

Mitarbeitern der Sondereinheit Luchs droht ein Strafverfahren: Ein Polizeivideo zu einer umstrittenen Verhaftung ist möglicherweise manipuliert worden.

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Beat Hensler, Luzerner Polizeikommandant. (Bild Philipp Schmidli/Neue LZ)

Beat Hensler, Luzerner Polizeikommandant. (Bild Philipp Schmidli/Neue LZ)

Nach einer wilden Verfolgungsjagd verhafteten Innerschweizer Elitepolizisten vor drei Jahren mit aller Härte zwei Jugendliche. Die Fahnder waren auf der Suche nach einem Mörder. Doch sie nahmen die Falschen fest. Die unschuldigen Jugendlichen sind noch heute in psychiatrischer Behandlung und arbeitsunfähig.

«10vor10» liegt jetzt eine Kopie des fünfminütigen Polizeivideos vor, das die Sondereinheit Luchs dem Untersuchungsrichter abgeben musste, wie es in einer Medienmitteilung zur Sendung vom Mittwoch heisst. Die Analyse eines Video-Experten zeigt nun, dass im Polizeivideo eine Sequenz fehlt – ausgerechnet dort, wo der harte Zugriff der Polizisten erfolgt. Christian Iseli, Dozent für Film und Video an der Zürcher Hochschule der Künste, sagt: «Im zeitlichen Ablauf findet ein Unterbruch statt. Das ist nicht die Echtzeit von A bis Z, man hat einen Schnitt zwischendrin.»

«Manipulation nicht auszuschliessen»
Der zuständige Schwyzer Untersuchungsrichter Georg Boller gibt ein Gutachten zum Polizeivideo in Auftrag. «Eine Manipulation ist nicht auszuschliessen», bestätigte er schriftlich gegenüber «10vor10». Den Verantwortlichen für das Polizeivideo droht möglicherweise ein Strafverfahren wegen Amtsmissbrauch und Begünstigung.

Die Innerschweizer Polizei-Sondereinheit Luchs ist dem Luzerner Polizeikommandanten Beat Hensler unterstellt, dem obersten Polizisten der bevorstehenden Fussball-EM. Dieser sagt, er könne zu der vermuteten Manipulation nicht Stellung nehmen, weil das Verfahren noch laufe.

scd

Der SF-Beitrag von «10vor10» vom 21. Mai 2008: