Karate
Kursleiter Bruno Romano sagt: «Es ist ein grosser Fehler, wenn man erst noch in der Tasche nach dem Pfefferspray suchen muss»

Beim diesjährigen Mastercamp der Karateschule Taisho in Kriens wird neben den Grundlagen auch Selbstverteidigung geübt. Die Teilnehmern lernen dabei, wie man mit Pfefferspray umgeht.

Jule Seifert
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Vor einem Einsatz von Pfefferspray ist es hilfreich, die Bewegungsmuster zu schulen.

Vor einem Einsatz von Pfefferspray ist es hilfreich, die Bewegungsmuster zu schulen.

Bild: Pius Amrein (Kriens, 22. Mai 2021)

Zunächst scheint der Schwerpunkt des Camps ein Widerspruch zu sein. Karate heisst übersetzt «mit leeren Händen». Das bedeutet, dass normalerweise waffenlos gekämpft wird. Von einigen Mitgliedern der Krienser Karateschule Taisho weiss Kursleiter Bruno Romano, dass diese im Besitz von einem Pfefferspray sind. In der Schweiz werden unterschiedliche Produkte angeboten. Einige sind frei erschwinglich, andere fallen unter das Waffengesetz. Sollte man sich ein Pfefferspray zulegen, rät der Sicherheitsexperte und ehemalige Polizist Romano, auch die Bewegungsmuster zu schulen. Die meisten Menschen würden nicht wissen, wie man mit einem Pfefferspray umgehen solle. Viele kennen die Kampfdistanz nicht, übersehen die Gefahr einer Eigenkontamination, beispielsweise bei Gegenwind, oder haben den Pfefferspray schlichtweg nicht parat. In Situationen, in denen man sich unwohl fühlt, sollte der Spray griffbereit sein. Bruno Romano sagt:

«Es ist ein grosser Fehler, wenn man erst noch in der Tasche oder im Handschuhfach nach dem Pfefferspray suchen muss.»

Ein einmaliger Selbstverteidigungskurs führt zu falschen Sicherheitsgefühl

Karate sei eine der effizientesten Massnahmen für die Selbstverteidigung, vor allem bei heftigen Angriffen, so Romano. Um sich selbst zu schützen, sind bereits einfache Techniken äusserst wirksam. Jedoch reiche es nicht aus, einmalig einen Kurs zu belegen, denn das schaffe ein falsches Sicherheitsgefühl, so Romano. Er empfiehlt deswegen ein regelmässiges Karatetraining, um die Bewegungen schnell und instinktiv abrufen zu können. Das Karatetraining hilft ausserdem, Situationen und Personen besser einzuschätzen. In Partnerübungen wird gelernt, das Gegenüber aufmerksam zu studieren. So werden die Antennen geschärft, falls jemand nichts Gutes im Schilde führt. Ein weiterer Pluspunkt: «Im Karate geht man in die Tiefe, das macht uns auch intelligenter und lässt uns kreativer werden», sagt Romano.

Mastercamp

Das Mastercamp der Karateschule Taisho fand vom 22. bis 24. Mai zum 13. Mal an Pfingsten statt. Seit 35 Jahren organisiert Taisho-Schulleiter Toni Romano das jährliche Treffen, bei dem normalerweise auch internationale Teilnehmer und Trainer teilnehmen. In diesem Jahr machten coronabedingt nur Mitglieder der Schule mit. Den knapp 100 Teilnehmern im Alter von 7 bis 67 Jahren wurden über Pfingsten drei Trainings pro Tag angeboten. Neben Techniktraining standen auch Fitness- und Funktionstraining zur Verbesserung der koordinativen Fähigkeiten auf dem Programm. Die Karateschule Taisho bietet neben dem traditionellen Karate auch den Wettkampfsport an. Mitglieder der Schule werden an den bevorstehenden Schweizer Meisterschaften am 5. und 6. Juni 2021 in Sursee teilnehmen. Die Ergebnisse können unter http://www.karate.ch/ eingesehen werden.

Sicherheitsexperte Bruno Romano leitete den Selbstverteidigungskurs.

Sicherheitsexperte Bruno Romano leitete den Selbstverteidigungskurs.


Bild: Pius Amrein (Kriens, 22. Mai 2021)

Achtsamkeit hilft auch bei der Selbstverteidigung

Bruno Romano gibt auch ausserhalb des Mastercamps Selbstverteidigungskurse und war Instruktor bei der Polizei. Ein bedeutender Aspekt ist für ihn die mentale Einstellung. «Achtsamkeit ist das Wichtigste. Dazu zwei gesunde Hände und einen gesunden Kopf. Das reicht aus, um sich zu verteidigen, alles andere ist Supplement.»

Karate dient als Ganzes immer der Selbstverteidigung. Die Kampfkunst ist entstanden, um sich wehren zu können. Es gibt eine riesige Auswahl an Techniken. Romano sieht vor allem die Schlagtechniken, bei denen mit den Fingerspitzen und Handkanten gekämpft wird, und die Blocktechniken als die gängigsten Selbstverteidigungsmethoden und effektivsten Abwehrmassnahmen. Diese Techniken kommen auch im regulären Karatetraining am häufigsten vor. Auch im Mastercamp hatte das Grundlagentraining oberste Priorität, um sie dann mit der Selbstverteidigung zu verknüpfen.

Schulleiter Toni Romano (Mitte) beim Technikkurs während des Mastercamps in Kriens.

Schulleiter Toni Romano (Mitte) beim Technikkurs während des Mastercamps in Kriens.

Bild: Pius Amrein (Kriens, 22. Mai 2021

Bruno Romanos Bruder Toni, der Leiter der Karateschule, sagt: «Selbstverteidigung fängt beim Selbstschutz an. Wer Angst hat, strahlt diese auch aus. Im Karate sei die Haltung sehr wichtig, mit der man dem anderen gegenübertritt:

«Wir sind offen, aber gleichzeitig signalisieren wir die Linie, die nicht überschritten werden darf.»

Toni Romano empfiehlt ausserdem, bei einem Angriff zu schreien. In extremen Situationen wird die Atmung oft ausgesetzt, dies versetzt den Körper in eine Schockstarre. Hier kann ein Schrei helfen. Auch wenn der Angreifer nicht in die Flucht geschlagen wird, ist der Körper wieder in der Lage, besser zu reagieren.

Auch der soziale Austausch kam im Mastercamp nicht zu kurz: Die Junioren konnten sich über einen Grillabend freuen, die Erwachsenen über ein Nachtessen.