KATHOLIKEN: «Früher war Kirche kein Thema»

Evelyne Huber aus Willisau ist neu die oberste Kirchgemeindepräsidentin im Kanton. Die besten Ideen kommen ihr beim Bügeln.

Mirjam Weiss
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Evelyne Huber (55) in der katholischen Kirche Willisau. (Bild Dominik Wunderli)

Evelyne Huber (55) in der katholischen Kirche Willisau. (Bild Dominik Wunderli)

Sie ist das neue Oberhaupt der 85 Kirchgemeinden im Kanton Luzern: Ende Mai wurde Evelyne Huber aus Willisau zur neuen Präsidentin des Verbandes der Präsidentinnen und Präsidenten der römisch-katholischen Kirchgemeinden des Kantons Luzern gewählt. Die 55-Jährige ist seit vier Jahren Kirchgemeindepräsidentin in Willisau.

Sie freut sich auf Diskussionen

Soll eine Handyantenne im Kirchturm gestattet werden? Was tun, wenn das Kirchengeläut die Anwohner stört? Wie soll man den Personalmangel in den Kirchgemeinden angehen? Und vor allem: Wie sollen die Pastoralräume umgesetzt werden? Mit diesen und ähnlichen Fragen wird sich die neue Präsidentin des Kantonalverbandes künftig beschäftigen. «Mehrmals pro Jahr treffen sich alle Kirchgemeindepräsidenten, um sich über brennende Themen auszutauschen», sagt Evelyne Huber. Einmal jährlich steht zudem ein Treffen mit dem Synodalrat, der Exekutive der Römisch-katholischen Landeskirche, auf dem Programm. Sie freue sich auf die Diskussionen mit den anderen Kirchgemeindepräsidenten, sagt die Willisaue­rin. Sie sei ein sehr impulsiver Mensch, könne aber auch gut zuhören und andere Meinungen gelten lassen.

Blauäugig an Amt herangegangen

Völlig neu sind die Aufgaben im Kantonalverband nicht für Evelyne Huber, die in den letzten zwei Jahren bereits im Kantonalvorstand tätig war. Anders als vor vier Jahren, als sie das Amt als Kirchgemeindepräsidentin von Willisau antrat. Ganz schön blauäugig sei sie damals an diese Aufgabe herangegangen, bekennt Evelyne Huber. «Ich hatte nicht damit gerechnet, dass ich so stark unter Beobachtung stehen würde.» Vielleicht nicht zuletzt deshalb, weil sie die erste Frau in Willisau ist, die dieses Amt ausübt. «Ich werde oft auf der Strasse in meiner Funktion als Kirchgemeindepräsidentin angesprochen», erzählt sie und ergänzt lachend: «Dieses Amt ist offenbar fast so hoch angesehen wie das der Stadtpräsidentin.» Ihre Aufgaben als Kirchgemeindepräsidentin übt Evelyne Huber tagsüber in einem 10- bis 20-Prozent-Pensum aus. Sie nimmt Anliegen aus der Bevölkerung entgegen, trifft sich regelmässig mit dem Pfarrer, der Kirchmeierin und den übrigen Kirchenratsmitgliedern und vertritt die katholische Kirche Willisau bei öffentlichen Anlässen. Die besten Ideen für ihre Arbeit in der Kirche kämen ihr jeweils beim Bügeln, erzählt sie mit einem Schmunzeln. Deshalb liegen auch immer ein Stift und ein Notizblock neben dem Bügelbrett.

Nachts arbeitet Evelyne Huber als Pflegemitarbeiterin in einem Willisauer Altersheim. Am Anfang habe sie grosse Mühe damit gehabt, ihre Person und ihr Amt zu trennen, erinnert sie sich. «Jede Kritik habe ich sehr persönlich genommen.» Aber inzwischen möchte sie ihr Amt nicht mehr missen. «Ich bin mit Herz und Seele Kirchgemeindepräsidentin.» Obwohl sie in den letzten vier Jahren auch schwierige Situationen erlebt hat, insbesondere den Amoklauf von Menznau vom letzten Jahr. Dieses Ereignis habe sie geprägt, sagt Evelyne Huber. «Es hat mir aber auch eindrücklich die starke Solidarität unter den Mitarbeitern in unserer Kirche gezeigt.»

Städtliführung für Asylbewerber

Zum Dienst in der Kirche fühlte sich Evelyne Huber früher ganz und gar nicht berufen. «Als Jugendliche war die Kirche für mich kein Thema.» Durch die kirchliche Heirat und die Taufen ihrer drei Töchter habe sie sich der Kirche dann aber angenähert. «Obwohl ich bis dahin nicht mehr so oft in die Kirche gegangen war, war ich dort gleich wieder willkommen. Das hat mich sehr beeindruckt.»

Sie begann bei Kindergottesdiensten mitzuwirken und wurde später erst Mitglied im Pfarrei- und dann im Kirchenrat. Daneben bietet die 55-Jährige seit einigen Jahren regelmässig für Willisau Tourismus Städtli- und Kirchenführungen an. Erst kürzlich habe sie im Rahmen einer Asylwoche eine solche Führung für 50 Asylbewerber gemacht, erzählt Evelyne Huber. «Sie waren sehr erstaunt, dass man bei uns Wasser aus allen Brunnen trinken darf.»