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Katholische Kirche bietet in der Stadt Luzern neu Gottesdienste auf Englisch an

Expats, Migranten aus Afrika und Asien sowie Touristen: Das sind die Zielgruppen eines neuen Angebots der katholischen Kirche. Die englischsprechenden Gottesdienstbesucher mögen es dabei eher traditionell – das ist zumindest die Vermutung der städtischen Kirchgemeinde.
Robert Knobel
Die neu renovierte Peterskapelle in Luzern. Hier finden künftig jeden Sonntag englische Gottesdienste statt. (Bild: Philipp Schmidli, 7. Dezember 2018)

Die neu renovierte Peterskapelle in Luzern. Hier finden künftig jeden Sonntag englische Gottesdienste statt. (Bild: Philipp Schmidli, 7. Dezember 2018)

Am 10. März ist Premiere: Dann findet in der Peterskapelle am Kapellplatz erstmals ein Gottesdienst auf Englisch statt. Damit wolle man einem zunehmenden Bedürfnis entsprechen, sagt Nicola Neider, Leiterin des Bereichs Migration und Integration bei der Katholischen Kirchgemeinde Stadt Luzern. «Gerade aus Expat-Kreisen wurden wir immer wieder gefragt, weshalb es keine katholische Messe auf Englisch gebe», sagt Neider. Bisher deckten vor allem Freikirchen die Nachfrage von englischsprachigen Gläubigen ab. In Luzern gibt es etwa die International Church of Lucerne, welche in der ehemaligen Methodisten-Kirche an der Zähringerstrasse Gottesdienste auf Englisch abhält.

Innerhalb der Katholischen Kirche gibt es zwar regelmässige englischsprachige Gottesdienste in der Kirche St. Karl. Doch dies ist in erster Linie ein Angebot der philippinischen Gemeinschaft in Luzern. Mit den englischen Messen in der Peterskapelle will man hingegen ein breites Publikum ansprechen – aufgrund der guten Passantenlage hofft die Kirchgemeinde auch auf Touristen als Gottesdienstbesucher. Hinzu kommen katholische Migranten aus Afrika und Asien, die Mühe haben, den deutschen Gottesdiensten zu folgen.

Priester doktoriert an der Theologischen Fakultät

Als Priester konnte ein indischer Karmelitermönch gewonnen werden, der zurzeit an der Theologischen Fakultät Luzern sein Doktorat absolviert. «Es war uns wichtig, dass die Messe von einem Priester mit englischer Muttersprache abgehalten wird», sagt Nicola Neider. Unterstützt wird der Geistliche von einer Begleitgruppe, die sich beispielsweise um die musikalische Umrahmung der Gottesdienste kümmert.

Die Gottesdienste in der Peterskapelle sollen sich an der traditionellen katholischen Liturgie orientieren. Alternative Gottesdienstformen, wie sie in Stadtluzerner Kirchen immer wieder zu finden sind, stehen nicht im Vordergrund. «Es soll eine einfache katholische Messe mit klarer Liturgie sein», sagt Nicola Neider. Es gehe dabei auch um den Wiedererkennungseffekt, der Vertrauen schaffe: «Migranten sind dankbar für Angebote, die ihnen von ihrem Heimatland her bereits vertraut sind.»

Migranten kompensieren Kirchenaustritte

Wie können Migranten und Neuzuzüger in die traditionellen Kirchgemeinden integriert werden – erst recht, wenn sie eine andere Sprache sprechen? Diese Fragen werden für die Schweizer Landeskirchen zunehmend zentral. Denn nicht selten sind die Einwanderer deutlich religiöser als die Schweizer Durchschnittsbevölkerung. Insbesondere die Katholische Kirche konnte bisher dank der Migration die Kirchenaustritte weitgehend kompensieren.

Im Kanton Zug mit seinen vielen Expats werden die englischsprachigen Katholiken seit 2003 durch die Good Shepherd's Catholic Community betreut. Good Shepherd’s ist eine eigenständige «Pfarrei», die der Pfarrei Gut Hirt angegliedert ist. Sie bietet neben dem sonntäglichen Gottesdienst die Feier aller Sakramente, Beerdigungen sowie Religionsunterricht in englischer Sprache an.

Noch weiter gehen wollten die Zuger Reformierten mit einem eigenen englischsprachigen Pfarramt. Doch diese Pläne sind inzwischen gescheitert.

Hinweis: Die englische Messe findet ab 10. März jeden Sonntagmorgen um 9.30 Uhr in der Peterskapelle in Luzern statt. Mehr Informationen finden Sie hier.

Französische Gottesdienste wurden eingestellt

Im Kanton Luzern kümmert sich die Abteilung Migrantenseelsorge um die fremdsprachigen Katholiken. Dabei wird jeweils nach Nationalitäten unterschieden. So unterhält die Katholische Kirche des Kantons Luzern eine eigene Seelsorge für Albaner, Italiener, Portugiesen, Polen, Kroaten, Spanier und Chinesen, welche jeweils auch Gottesdienste in ihrer Sprache abhalten. Allein im Kanton Luzern betrifft dies rund 40'000 Katholiken. Hinzu kommen weitere 14'000 Gläubige in Nachbarkantonen, welche ebenfalls die Angebote in Luzern nutzen. Nicht mehr speziell betreut werden die französischsprachigen Katholiken.

Die Gottesdienste in französischer Sprache in der Peterskapelle wurden im Herbst 2018 eingestellt. «Es gab dafür kein Bedürfnis mehr», sagt Hans-Peter Bucher, Leiter der Migrantenseelsorge bei der katholischen Kirche Kanton Luzern. Damit ging eine bewegte Ära zu Ende. Gegründet wurde die «Franzosen-Mission» 1942 für französische Kriegsflüchtlinge. Später wurden die französischsprachigen Gottesdienste vor allem von in Luzern lebenden Romands besucht. Heute hingegen würden frankophone Katholiken eher die regulären Gottesdienste besuchen oder entsprechende Angebote in ihrer Heimat nutzen, sagt Hans-Peter Bucher.

Im Aufwind befindet sich dafür die «Italiener-Mission» der Kantonalkirche. Das erstaunt – zumal man denken könnte, dass die meisten Italiener längst assimiliert sind. «Wir beobachten seit einiger Zeit eine vermehrte Zuwanderung aus Italien», sagt Bucher. Diese Einwanderer sind natürlich froh um Messen in italienischer Sprache, die jeweils im «Centro Papa Giovanni» in Emmenbrücke stattfinden. Die neuen englischen Gottesdienste in der Peterskapelle werden von der städtischen Kirchgemeinde angeboten und sind nicht von der kantonalen Migrantenseelsorge abhängig.

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