Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Katholische Kirche der Stadt Luzern verliert mehr Mitglieder denn je

Zuwanderer haben den Mitgliederschwund bei den Katholiken in der Stadt Luzern eine Zeit lang gebremst. Im letzten Jahr spielte dieser Effekt weniger: Die Kirche verzeichnete bei ihren Mitgliedern einen Rückgang von drei Prozent – ein neuer Höchstwert.
Julian Spörri

Im Jahr 2018 verlor die katholische Kirche des alten Luzerner Stadtgebiets (ohne Littau und Reussbühl) so viele Mitglieder wie noch nie – 970 waren es an der Zahl. Gemäss dem Jahresbericht der Kirche ist dies ein Rückgang von drei Prozent (siehe Grafik). Nebst Todesfällen und Wegzügen schlagen vor allem die Austritte zu Buche: 543 Personen haben die Kirche verlassen – auch das ist ein Höchstwert. Per Ende 2018 zählten die acht Stadtluzerner Pfarreien zusammen 31'785 Katholiken und Katholikinnen.

«Der Bedeutungsverlust der Kirche ist eine allgemeine gesellschaftliche Entwicklung, die wir nicht aufhalten können», sagt Peter Bischof, Geschäftsführer der katholische Kirchgemeinde der Stadt Luzern.

«Die Leute beschäftigen sich zwar auch heute mit Lebens- und Glaubensfragen. Sie wollen sich dafür aber nicht an grosse Institutionen wie die Kirchen binden.»

Die Religiosität werde vermehrt in kleineren Gruppen und beispielsweise mit spirituellen Angeboten ausgelebt.

Zuwanderer kompensierten den Mitgliederschwund

Für die Rekordwerte des letzten Jahres gibt es eine weitere Erklärung: die Migration. «Zuwanderer aus katholisch geprägten Ländern wie Spanien, Portugal und Italien haben den Mitgliederschwund lange gebremst», sagt Bischof. «Weil die Zuwanderung sinkt, werden die Kirchenaustritte weniger kompensiert – das ist sicher ein Grund für den hohen Rückgang.» Mittlerweile würden auch Zuwanderer aus der Kirche austreten, die sich bei ihrer Ankunft vor einigen Jahren als katholisch angemeldet hatten. Bischof vermutet, dass dies mit den Kirchensteuern zu tun habe.

Für die städtische Kirche bilden fremdsprachige Gruppierungen aber weiterhin einen Schwerpunkt. Sie kommen aus dem ganzen Kanton in die Stadt und treffen sich in Räumen, die ihnen die Kirche zur Verfügung stellt. Bischof sagt:

«Katholiken aus anderen Ländern gehen häufiger in die Kirche als die Schweizer.»

Als Beispiel nennt er die rund 800 Kroaten, die jeden Sonntag in der St.-Karli-Kirche einen Gottesdienst feiern.

Dass oftmals jüngere Menschen aus der Kirche austreten, hat eine logische Konsequenz: Die Anzahl der Taufen sinkt in der Stadt Luzern. Im Jahr 2014 wurden 251 Kinder getauft – im vergangenen Jahr noch 190. Umgekehrt verläuft der Trend bei den Trauungen: Deren Zahl stieg nach dem Tiefpunkt im Jahr 2015 auf 46 Hochzeiten an – und hat sich damit seither mehr als verdoppelt. «Eine Zeit lang war es in Mode, in einer Kapelle auf dem Land zu heiraten», mutmasst Bischof. «Heute gehen Paare wieder zurück in die grossen Stadtkirchen. Insbesondere die Trauungen in der Franziskanerkirche haben zugenommen.»

«Die Kirche nimmt eine neue Position ein»

Immer weniger Mitglieder führen die städtische Kirche zu einer neuen Strategie: «Die Kirche soll nicht nur für Gottesdienste da sein, sie ist Begegnungsort für alle Menschen«, sagt Bischof. Dies habe man bei der Sanierung des Pfarreizentrums Maihof stark mitbedacht. Die Kirche nehme in der heutigen Zeit eine neue Position ein – sie sei weniger Volkskirche: «Den Menschen, denen es gut geht, ist die Kirche im Alltag weniger wichtig. Wir fokussieren uns auf Menschen in schwierigen Lebenssituationen.» Beispiel dafür seien das Engagement für Geflüchtete oder die seelsorgerische Arbeit in Betagtenzentren.

Die Hofkirche ist eine der neun katholischen Kirchen in der Stadt Luzern. (Bild:Corinne Glanzmann, 2. August 2019)

Die Hofkirche ist eine der neun katholischen Kirchen in der Stadt Luzern. (Bild:Corinne Glanzmann, 2. August 2019)

Schwindende Mitgliederzahlen bei der katholischen Kirche gibt es im ganzen Kanton Luzern: Der Anteil der Katholiken an der Gesamtbevölkerung sank 2018 um 1 Prozent auf 59,6 Prozent. «In den letzten Jahren ist ein stetiger Rückgang zu verzeichnen, wobei die Zahlen in der Stadt markanter sind als auf dem Land», kommentiert Annegreth Bienz-Geisseler, Synodalratspräsidentin der Landeskirche Luzern. Und weiter:

«In der Stadt und in den Agglomerationen stellen wir eine schwindende Bindung der Menschen zur Kirche fest. Auf dem Land ist die Bindung oft noch eine andere.»

Doch es gibt nicht nur schlechte Nachrichten – eines gehe in der Diskussion um Kirchenaustritte gerne vergessen, sagt Bienz Geisseler: «Wir verzeichnen laufend eine erhebliche Anzahl von Zuzügen, auch weil die Bevölkerung im Kanton Luzern wächst», sagt Bienz Geisseler. «Zudem gibt es jährlich rund 100 Wiedereintritte. Das entschärft die Situation ein klein wenig.»

Reformierte verzeichnen ein Minus von zwei Prozent

Auch bei der reformierten Kirche ist die Mitgliederzahl rückläufig – im Jahr 2018 sank sie in der Stadt Luzern um 170 auf 8047 Personen. Das entspricht einer Abnahme von rund 2 Prozent. In der Stadt sei der Rückgang damit grösser als in anderen Teilkirchgemeinden im Raum Luzern, sagt Daniel Zbären, Geschäftsführer der Reformierten Kirche Luzern. Ein erheblicher Anteil des Mitgliederrückgangs in der Stadt entfalle dabei auf Kirchenaustritte. Zbären sagt:

«Die reformierte Kirche versucht diesen Trend zu verlangsamen – ihn zu stoppen wird schwierig.»

«Wir wollen unser Profil zu schärfen und setzen gerade auch in der Stadt Luzern verschiedene Schwerpunkte: In der Matthäuskirche mit kulturellen, in der Lukaskirche mit spirituellen und im Weinbergli mit traditionellen Angeboten. Dabei gehen wir bewusst auf die Eigenheiten des Quartiers ein – etwa darauf, dass das Weinbergli besonders auf Familien ausgerichtet ist.»

Zuwanderer helfen der reformierten Kirche jedenfalls nicht, um Austritte zu kompensieren: «Die Migration hat keinen Einfluss auf unsere Mitgliederzahlen, da die Zuwanderer meist aus südlichen Ländern stammen», sagt Zbären. «Eine Zeit lang haben wir mitgliedermässig von deutschen Zuzügern profitiert, die zahlreicher in die Schweiz kamen. Mittlerweile ist das wieder abgeflaut.»

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.