Kein Gehör für Tieflohnjobs: Luzerner Putzfirmen und Mensen bleiben ausgelagert

Der Kantonsrat will die Auslagerung von Reinigungsbetrieben und Mensen nicht rückgängig machen. Ein Vorstoss der Grünen war chancenlos.

Reto Bieri
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Blick in die Mensa der Kantonsschule Beromünster.

Blick in die Mensa der Kantonsschule Beromünster.

Dominik Wunderli (21. Januar 2017)

In den vergangenen Jahren hat der Kanton Luzern gewisse Reinigungsdienste sowie Mensen in der kantonalen Verwaltung und an Schulen an externe Firmen ausgelagert. «Dies auf dem Rücken von Menschen, die am wenigsten verdienen. Fast 80 Prozent sind Frauen in ganz tiefen Löhnen. Dabei sollte der Kanton eine Vorbildrolle einnehmen sollte», sagte Monique Frey (Grüne, Emmen). Per Postulat wollte sie das Outsourcing rückgängig machen und künftige Auslagerungen verhindern.

Die Regierung habe die Auslagerungen sorgfältig geprüft, sagte Claudia Wedekind (Ermensee) namens der CVP. «Die Folgen federt er mit einer dreijährigen Lohngarantie ab.» Darüber sei im Kantonsrat schon mehrmals diskutiert worden.

Dies veranlasste Franz Räber (FDP, Emmenbrücke), von einem «Buebetrickli» zu sprechen. Er wies darauf hin, dass Reinigungskräfte einem Gesamtarbeitsvertrag unterstehen, dank welchem die Löhne in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen seien. Die Tieflohnvorwürfe zielen gemäss Claudia Wedekind ins Leere, würden sie doch im Schweizerischen Durchschnitt liegen und im Bereich des Mindestlohns von 4000 Franken. Ein Bericht zur Lohnanalyse von 2016 zeigte, sagte Angela Lüthold (SVP, Nottwil), dass keine Lohndiskriminierung stattfinde.

Reto Wyss: «Wir nehmen das Thema ernst»

Anderer Meinung war Anja Meier (SP, Willisau). «Die Auslagerungen haben nachweislich zu schlechteren Bedingungen geführt.» Sie spreche aus eigener Erfahrung. Alle Angestellten einer von ihr regelmässig besuchten Mensa hätten aufgrund der Arbeitsbedingungen die Stelle gewechselt. In den Augen der SP sei der Kanton verpflichtet, Stellen auch im Tieflohnbereich anzubieten. «So verhindert man, dass nur noch Akademiker beim Kanton arbeiten.»

«Bitte reden Sie den Kanton Luzern als Arbeitgeber nicht schlecht», appellierte Regierungsrat Reto Wyss (CVP). «Im Vergleich mit anderen Kantonen und der Privatwirtschaft brauchen wir uns nicht zu verstecken.» 2016 habe der Kanton eine Lohncharta unterschrieben. «Und 2021 führen wir nächste Lohngleichheitsstudie durch. Wir nehmen das Thema ernst.» Die bürgerlichen Parteien folgten dem Antrag der Regierung und lehnten das Postulat ab.

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