Kein Schnee in Sicht: Die Luzerner mussten sich erst zwei Mal so lange gedulden wie in diesem Jahr

So spät wie in diesem Jahr kam der erste Schnee in der Stadt Luzern bisher in nur zwei Wintern seit dem Messbeginn vor 89 Jahren. Fällt bis zum 11. Februar kein Schnee, wird 2020 zum Rekordjahr des spätesten ersten Schneefalls.

Chiara Stäheli
Hören
Drucken
Teilen

«Der Winter wird mit dem Schnee sehr geizig sein.» So hat es der Schwyzer Wetterschmöcker Alois Holdener Ende Oktober des letzten Jahres prophezeit. Seine Vorhersage – er trifft sie anhand der genauen Beobachtung der Tannzapfen – scheint sich zu bestätigen. Die Wiesen bleiben grün, kein Schnee weit und breit.

Leserbild: Peter Bumbacher,
Brigels, 24. Januar 2020

Diese Tatsache ist auch historisch gesehen interessant: Seit Messbeginn im Jahr 1931 hat es in der Stadt Luzern nur in zwei Wintern später zum ersten Mal geschneit als in dieser Saison. Und zwar am 10. Februar 1973 sowie am 11. Februar 1990. Um von Meteo Schweiz als Schnee registriert zu werden, muss eine Neuschneedecke von mindestens einem Zentimeter liegen.

Erster Schnee in der Stadt Luzern (1931 bis 2019)

Anzahl der Winterperioden, in denen der erste Schnee im zugeordneten Monat fiel
OktoberNovemberDezemberJanuarFebruar010203040

Ob der Rekord in diesem Jahr gebrochen wird, kann Stephan Bader vom Bundesamt für Meteorologie nicht vorhersagen: «Wir müssen uns noch zwei Wochen gedulden. In dieser Zeit kann die Witterung auch noch umschlagen.»

Für Schneefälle fehlten Kälte und Niederschlag

Beeinflusst wird der Zeitpunkt des ersten Schneefalls insbesondere von zwei Grössen: So braucht es einerseits Niederschlag, andererseits muss die Temperatur rund um den Gefrierpunkt oder tiefer liegen. In Luzern hätten in diesem Winter beide Aspekte eine Rolle gespielt, sagt Stephan Bader: «Im Dezember gab es zwar Niederschlag, die Temperatur lag aber zu hoch. Im bisherigen Januar waren es vor allem die dominanten Hochdruckgebiete, welche den Niederschlag blockierten.»

Und auch der Klimawandel trägt seinen Teil bei: Dieser hat laut Bader in der Schweiz mildere Wintertemperaturen gebracht. In der Folge falle deshalb in den tieferen Lagen im Winter öfters Regen statt Schnee. Daran werde man sich gewöhnen müssen, ist Bader überzeugt:

«Diese Entwicklung wird gemäss den neuen Klimaszenarien weitergehen. Schnee im Flachland wird in Zukunft immer mehr zur Mangelware.»

Mit der allgemeinen Erwärmung in den letzten Jahrzehnten könnte man eine Tendenz zu immer späteren Zeitpunkten der ersten geschlossenen Schneedecke erwarten. Diese Annahme lasse sich aus den Daten vorderhand allerdings nicht ablesen, sagt Bader.

Der sonnigste Januar seit Messbeginn 1959

87 Stunden: So viel Sonne im Januar hat es in Luzern seit Beginn der Messungen vor 61 Jahren noch nie gegeben. Der bisherige Rekord stammt aus dem Jahr 1999 – und ist nun bereits erreicht, bevor der Monat zu Ende geht. Als Messstandort für diesen Rekordwert gilt die Wetterstation in der Stadt Luzern.

Klaus Marquardt von Meteo News spricht von einem «aussergewöhnlich sonnigen Monat» im Flachland: «Wir hatten in den vergangenen Wochen eine ruhige, stabile Hochdruckwetterlage. Es gab zwar oft Nebel, dieser hat sich allerdings häufig aufgelöst und der Sonne Platz gemacht.» Viel höher wird der Rekordwert allerdings nicht mehr steigen: Für die letzten Januartage rechnet Marquardt mit wenig Sonnenschein. (chi)

Nur noch halb so viel Schnee wie früher

Verändert hat sich in den letzten Jahrzehnten hingegen die Schneemenge: In der Normperiode von 1961 bis 1990 erreichte die winterliche Schneesumme in der Stadt Luzern im Durchschnitt zwischen 80 und 90 Zentimeter. 1991 startete eine weitere Normperiode, die noch bis Ende dieses Jahres läuft. Gemäss der Auswertung der bisher vorliegenden Daten aus dieser Periode, fiel im Mittel in Luzern in den letzten dreissig Jahren nur Schnee in der Höhe von 40 bis 50 Zentimetern. Die Menge des winterlichen Neuschnees hat sich in Luzern im Vergleich zur vorherigen Periode also praktisch halbiert.

Die Wetterprognose für die nächsten Tage legt den Schluss nahe, dass der Schnee weiter auf sich warten lässt. Doch bei den Meteorologen besteht Hoffnung, dass der Winter nächste Woche so richtig Einzug hält. Klaus Marquardt von Meteo News sagt: «Die Berechnungen, die uns heute vorliegen, weisen darauf hin, dass Mitte nächster Woche die Strömung auf Nord dreht und uns dann nachhaltig kältere Luft erreicht. Eventuell nimmt also der Winter einen späten Anlauf.» Bis dahin bleibe es aber mild, einzig heute Mittwoch seien Schneeflocken möglich – für eine Schneedecke in Luzern würden diese aber nicht reichen.

Glaubt man der Vorhersage des Schwyzer Wetterschmöckers Alois Holdener, gibt es keine Zweifel mehr, dass der Rekord aus dem Jahr 1990 heuer fällt: «Ich rechne damit, dass es erst um den 20.Februar herum, also am Schmutzigen Donnerstag, Schnee bis in tiefe Lagen gibt», sagt er. Es soll also eine weisse Fasnacht geben. So richtig viel Schnee werde allerdings nicht fallen. Und der Frühling zieht laut Holdener schon bald ins Land.