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Keine Förderung von Homeschooling und Privatschulen: Regierungsrat Reto Wyss widerstrebt die freie Bildungswahl

Juristin Martina Amato aus Oberkirch fordert gleich lange Spiesse für Volksschule und alternative Angebote. Diesem Ansinnen erteilt Bildungsdirektor Reto Wyss eine Absage – und kündet ein neues Schulangebot für Hochbegabte an.
Interview: Ernesto Piazza
Bildungsdirektor Reto Wyss bei einem Besuch einer Primarklasse in Hildisrieden. (Bild: Nadia Schärli, 18. August 2017)

Bildungsdirektor Reto Wyss bei einem Besuch einer Primarklasse in Hildisrieden. (Bild: Nadia Schärli, 18. August 2017)

Die in Oberkirch wohnhafte Martina Amato (42) setzt sich für eine freie Bildungswahl ein. Die Juristin, die im Vorstand des Vereins Elternlobby Schweiz sitzt, plädiert auch für gleich lange Spiesse – gerade was die finanzielle Unterstützung des Kantons und der Gemeinden bei Modellen wie Privatschule oder Homeschooling betrifft.

Jetzt nimmt Bildungsdirektor Reto Wyss Stellung. Der CVP-Regierungsrat setzt sich vehement für die Volksschule ein.

Reto Wyss, die Forderung nach freier Bildungswahl steht zur Debatte. Welche Chancen geben Sie ihr?

Eine solche Forderung finde ich unrealistisch und falsch, und zwar aus diversen Gründen. Unsere Volksschule ist eine einzigartige Klammer der Gesellschaft. Sie ist der einzige Ort, wo sich alle treffen: Kinder und Eltern aus ganz unterschiedlichen Verhältnissen. Die freie Schulwahl würde die öffentliche Volksschule «als Schule für alle» gefährden, beziehungsweise zu einer Qualitätseinbusse bei vielen Schulen führen. Mir ist es wichtig, dass es keine Mehrklassengesellschaft gibt, in der die Qualität des Schulangebots je nach finanziellen Verhältnissen der Eltern unterschiedlich ist.

Welche Lösungen sehen Sie für Früh- und Hochbegabte, die sich in einem solchen System nicht zurechtfinden?

Die Volksschule ist sehr flexibel beim Schuleintritt. Kinder können früher als mit vier Jahren – wenn sie schulfähig sind – in den Kindergarten oder in die Basisstufe gehen. Es ist aber auch möglich, dass sie später als im Alter von fünf Jahren eintreten. Für Hochbegabte gibt es ebenfalls Förderangebote. Ein besonderes dieser Art werden wir im nächsten Schuljahr zusätzlich regional anbieten.

Was können Sie dazu konkret sagen?

Wir haben ganz wenig hochbegabte Schülerinnen und Schüler im Kanton. Diesen wollen wir auf freiwilliger Basis an den beiden Standorten Luzern und Sursee eine Möglichkeit anbieten. Das könnte als Beispiel im sprachlichen Segment Russisch oder Chinesisch sein. Varianten sehen wir aber auch auf den Gebieten Kultur/Philosophie sowie der Mint-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik, Anm. der Red.). Diese Angebote sind für Lernende mit hohen Fähigkeiten und werden sie entsprechend fordern und fördern.

In der öffentlichen Volks­schule gibt es also Förder- und Unterstützungsangebote. Welche Varianten sehen Sie, wenn diese trotzdem nicht in genügendem Mass greifen?

Da gibt es verschiedene Möglichkeiten, welche für hochbegabte Kinder zur Verfügung stehen: so beispielsweise das Überspringen einer Klasse – oder der Besuch einzelner Fächer in höheren Klassen.

Überfordert sind nicht nur die Kinder, sondern auch die Lehrpersonen. Wie sehen Sie die Situation dort?

Den Lehrpersonen stehen zahlreiche Unterstützungs- und Beratungsvarianten zur Verfügung. So gibt es bei der Dienststelle Volksschulbildung die Möglichkeit der Schulberatung mit verschiedenen Coaching- und Gruppenangeboten. Wenn es in einer Klasse zu grossen Problemen kommt, besteht die Möglichkeit auf die sogenannte SOS-Variante zuzugreifen. Diese bietet Lehrpersonen in kürzester Zeit zusätzliche Unterstützung.

Dann funktioniert die Volksschule in Ihren Augen also zur vollen Zufriedenheit.

Aus den regelmässigen Rückmeldungen der Schulevaluation entnehme ich bei den Erziehungsberechtigten eine grosse Zufriedenheit mit der Volksschule. Das bestätigen auch die Gespräche bei meinen regelmässigen Schulbesuchen oder Rückmeldungen der verschiedenen Verbände im Volksschulbereich.

Trotzdem: Die Anforderungen an die verschiedenen Entscheidungsträger im Bildungswesen sind zweifelsohne gestiegen.

Es ist feststellbar, dass die Erwartungen der Eltern und die Anforderungen der Gesellschaft zugenommen haben – und sich zum Teil auch widersprechen. Doch der sehr tiefe Anteil Lernender, die eine Privatschule besuchen, zeigt: Die Zufriedenheit mit der Volksschule in unserem Kanton ist sehr hoch.

Sie sprechen von einem tiefen Anteil an Privatschülern. Dieser liegt für das Schuljahr 2017/18 bei 1,4 Prozent, beziehungsweise aktuell bei 1,3 Prozent. Wie ist diese Zahl zu verstehen, respektive zu werten?

Die genannte Zahl ist im Leistungsauftrag der Dienststelle Volksschulbildung – AFP 2019 bis 2022 – als Indikator für den Zielschwerpunkt «Die Volksschulen haben im Kanton Luzern ein hohes Ansehen» aufgeführt. Dabei haben wir allerdings keine fixierte Obergrenze.

Eine Umfrage von Martina Amato bei den Luzerner Gemeinden zeigte, dass diese kaum dazu bereit sind, alternative Bildungsangebote mitzufinanzieren. Auch der Rückfluss auf die Umfrage war mit rund 20 Prozent sehr bescheiden. Haben Sie eine Erklärung dafür?

Mir ist diese Umfrage namentlich nicht bekannt. Ich gehe aber davon aus, dass die Gemeinde- und Schulbehörden mit der Volksschule insgesamt zufrieden sind und keine neuen Angebote wünschen.

2015 waren die Beiträge des Kantons an Privatschulen noch rund 580'000 Franken pro Jahr. Seit 2016 gibt es hier vom Kanton keine finanzielle Unterstützung mehr. Basiert dieser Entscheid ausschliesslich auf Spargründen?

Das ist so. Die Beiträge wurden im Rahmen der kantonalen Sparmassnahmen gestrichen. Andere Überlegungen standen jedoch nicht hinter diesem Entscheid, da die Privatschulen aktuell keine Konkurrenz für die öffentlichen Volksschulen sind. Gemäss schweizerischer Bildungsstatistik hat der Kanton Luzern nämlich eine der tiefsten Privatschulenquoten.

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