Keine Spur von Ferien, jetzt wird daheim gebüffelt! Luzerner Rektoren erklären, wie das funktioniert

Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren: Während die Schulen geschlossen sind, suchen sich Rektorate und Lehrpersonen Wege, ihre Klassen auf Distanz zu unterrichten. Ihre Lösungen sind dabei vielseitig.

Robert Knobel & Flurina Valsecchi
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Sechs Wochen schulfrei – darauf dürfen sich die Schülerinnen und Schüler normalerweise nur im Sommer freuen. Doch auch wenn das Corona-Virus sie zwingt, jetzt zu Hause zu bleiben, sollen sie doch nicht ganz untätig bleiben – genauso wenig wie die Lehrpersonen.

Gemäss Weisungen des Kantons sollen die Schulen nach Möglichkeit Fernunterricht anbieten. Doch wie soll das überhaupt gehen? Viel Zeit, diese Frage zu beantworten, haben die Schulleitungen und Rektorate nicht.

Kriens denkt über Videokonferenzen nach, in Willisau sollen Drittklässler 4 Stunden pro Woche für die Schule aufwenden

Kriens: «Wir werden am Montag zusammen mit den Schulleitungen das weitere Vorgehen beraten», sagt etwa Markus Buholzer, Rektor der Schulen Kriens. Bei diesem Treffen wird auch der IT-Verantwortliche der Stadt Kriens dabei sein. So sollen Möglichkeiten ausgelotet werden, einzelne Unterrichtselemente über digitale Kanäle durchzuführen, etwa per Videokonferenz. Doch allzu hoch dürfe man die Erwartungen nicht setzen, so Buholzer – die bestehende IT-Infrastruktur sei schlicht nicht für so einen Fall ausgelegt.

Willisau: Die Primarschüler der unteren Klassen erhalten bis spätestens am Mittwoch Arbeitsaufträge per Post. Die älteren Schüler empfangen diese per Email. Dieses Selbststudium hat in erster Linie das Ziel, den bekannten Stoff zu repetieren. Die Einführung von neuen Stoffen ist nicht vorgesehen. Und auch die «Präsenzzeit», welche die Willisauer Schule von ihren Schülern erwartet, ist weit entfernt von einem normalen Schulbetrieb: So sollen die 3./4.-Klässler ungefähr vier Stunden pro Woche für die Schule aufwenden. Bei den 5./6.-Klässlern sind es sechs Stunden, und auf Sekundarstufe zehn. Die Schüler, welche ihre Bücher zum Lernen benötigen, dürfen diese am Montag im Klassenzimmer abholen. Gemäss Rektor Pirmin Hodel handelt es sich dabei um erste grobe Leitplanken. In den nächsten Wochen werde man weiter konkretisieren, wie die unterrichtsfreie Zeit im Detail gestaltet werden kann.

Lehrpersonen werden zu Schülerbetreuern

Der Schulstoff ist das eine – doch was passiert, wenn die Kinder den ganzen Tag alleine zu Hause bleiben müssen, weil die Eltern arbeiten?

Für diesen Fall sind die Schulen verpflichtet, Betreuungsangebote zur Verfügung zu stellen. Wer beispielsweise in Kriens im Schülerhort/Mittagstisch angemeldet ist, darf diesen weiterhin besuchen. Rektor Markus Buholzer geht aber davon aus, dass dieses Angebot nicht genügt. Er rechnet damit, dass – je nach Bedarf – auch Lehrpersonen zur Betreuung eingesetzt werden müssen. Welche Aufgabe diese genau haben, muss erst noch geklärt werden. Fest steht jedenfalls, dass sie keinen Unterricht durchführen, sondern in erster Linie eine Aufsichtsfunktion wahrnehmen.

Die meisten Schulen betonen derweil, dass nur diejenigen Kinder in die «Spezialbetreuung» kommen sollen, die wirklich keine andere Betreuungsmöglichkeit haben. Buholzer:

«Ich gehe davon aus, dass die Familien die Situation ernst nehmen und die Kinder wenn immer möglich zu Hause betreuen.»

Stadt Luzern setzt bei Härtefällen auf bestehende Betreuungsstrukturen 

Eindringlich hat der Luzerner Stadtpräsident Beat Züsli (SP) an einer Medienkonferenz am Samstag an die Verantwortung der Eltern appelliert. Sie sollten ihre Kinder selber oder durch eine nachbarschaftliche Lösung betreuen. Nur in Notsituationen bietet die Stadt Luzern eine Betreuung an. Etwa dann, wenn die Eltern im Gesundheitsberufen tätig sind.

Der Notfallplan setzt bei den bereits bestehenden Betreuungsstrukturen an: In der Stadt Luzern werden am Montag alle 14 bestehenden Betreuungsangebote geöffnet sein. Kinder, die vor der Tür stehen, werden aufgenommen. Bei allen werde jedoch genau abgeklärt, ob ihre Eltern nicht eine Möglichkeit hätten, die Kinder selber oder nachbarschaftlich zu betreuen. Nur in Härtefällen will die Stadt Kinder länger aufnehmen. 

In diesem Schuljahr nehmen rund 1600 Kinder (das entspricht einem Drittel aller Volksschüler) ein Betreuungsangebot in Anspruch. Wie viele Härtefälle nun aufgenommen werden müssen, ist noch offen.

Das Rektorat hat hierfür auf seiner Website Informationen und für dringende Fälle eine Telefonnummer aufgeschaltet. Interessant: Bislang haben nur wenige Eltern beim Rektorat angerufen und um eine Betreuungslösung gebeten, sagt Rektorin Vreni Völkle an der Medieninformation. Sie führt dies darauf zurück, dass alle Lehrpersonen in der Zwischenzeit ihre Lernenden beziehungsweise deren Eltern direkt detailliert informiert haben. 

Wie die Lehrpersonen ihre Schülerinnen und Schüler auf Distanz unterrichten wollen, dazu werden sich am Montag die Schulleitungen beraten. Völkle erklärt: «Auf Sekundarschulstufe sind wir auf eine solche Situation sehr gut vorbereitet.» Lehrpersonen und Lernende würden bereits heute mit Laptops und digitalen Lernprogrammen arbeiten und hätten deshalb schon viel Übung. Auf Primarschulstufe ist geplant, dass die Klassenlehrpersonen regelmässig mit ihren Schülern in Kontakt treten und ihnen altersgemässe Aufgaben zustellen. «Gute Ideen sind bei unseren Lehrpersonen bereits vorhanden, jetzt setzen wir alles daran, dass wir koordiniert vorwärts gehen.» Von Ferien ist also keine Rede. Völkle betont:

«Der Unterricht findet zwar nicht im Schulhaus statt, aber der Schulapparat steht deswegen nicht still.»

Keine Ferien für die Lehrpersonen

Die Corona-Pause ist nicht mit Ferien gleichzusetzen. Die Lehrpersonen sind grundsätzlich zur Arbeit verpflichtet und erhalten auch weiterhin ihren vollen Lohn.

Gerade noch Glück gehabt haben all diejenigen Kinder, die vor einem Schul-Übertritt stehen – also die Sechst- und Neuntklässler. Ihre Promotionsverfahren wurden wie geplant Mitte März abgeschlossen. Sie müssen also nicht fürchten, dass sich die Schulausfälle auf den übertrittsrelevanten Notenschnitt auswirken. Die schulergänzenden Dienste – etwa die Schulpsychologie oder die Sozialarbeit – stehen weiterhin für Abklärungen von Schulkindern offen. Allerdings dürfen zurzeit keine Therapien mehr stattfinden. Auch die Musikschulen bleiben geschlossen.

Ebikon: Wer sich zuhause langweilt, darf immerhin in die Bibliothek

Die Luzerner Stadtbibliothek hat ihren Betrieb ebenfalls eingestellt. Nicht so in Ebikon: Gerade weil jetzt soviele Kinder soviel Freizeit haben, sind sie dankbar um jede Ablenkung: «In Zeiten, in denen Kinder und Familien vermehrt zu Hause sind, will die Gemeinde Ebikon ihr Bibliotheksangebot aufrechterhalten», schreibt die Gemeinde in einer Mitteilung. Von Normalbetrieb ist man aber auch in der Bibliothek Ebikon weit entfernt. So sind längere Aufenthalte untersagt, und es dürfen maximal 20 Personen gleichzeitig anwesend sein. Auch die Gemeindeverwaltung Ebikon arbeitet unverändert weiter. Wer einen Schalter aufsuchen will, ist allerdings gebeten, den Besuch vorgängig anzumelden.

Wird die Corona-Krise der Digitalisierung der Volksschule allgemein zusätzlichen Schub verleihen?

Es werden sicher noch viele technische Neuerungen auf die Schule zukommen, sagt Alex Messerli, Präsident des Luzerner Lehrerinnen- und Lehrerverbands (LLV). «Ich glaube aber nicht, dass das Home-Office nun vermehrt Einzug halten wird. Denn die Volksschule legt den Fokus auf das soziale Lernen. Dieses bedingt, dass man sich trifft und physisch präsent ist.»

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