Kommentar

Keine Zeit für Blockaden: Unser Kommentar zu den Luzerner Stadtratswahlen

Wie stark der zweite Wahlgang im Zeichen der Coronakrise stand, ist umstritten. Klar ist aber: Der Luzerner Stadtrat ist bürgerlicher geworden.

Robert Knobel
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Robert Knobel, Ressortleiter Stadt/Region.

Robert Knobel, Ressortleiter Stadt/Region.

Dominik Wunderli

Wenn die Welt verrückt spielt, soll nicht auch noch in der Politik alles auf den Kopf gestellt werden: Diese Deutung des Wahlresultats in der Stadt Luzern wurde am Wahlsonntag oft gehört. Inwiefern die Coronakrise die Wahl beeinflusst hat, bleibt Spekulation. Die Wahrheit ist möglicherweise viel profaner: Auch wenn die SP mit Judith Dörflinger eine durchaus starke Kandidatin präsentierte, sah eine Mehrheit schlicht keinen Grund, amtierende Stadträtinnen abzuwählen. Dies umso mehr, als die Luzerner Stadtregierung – und hier sind wir doch wieder bei Corona – während der turbulenten Lockdown-Phase Führungsstärke zeigte. Etwas, das man zu normalen Zeiten bisweilen vermisst hatte.

Das Scheitern der linken Kandidatin im zweiten Wahlgang hat aber sicher auch damit zu tun, dass sie durch die Jungen aus dem eigenen Lager konkurrenziert wurde.

Wohin steuert die Stadtluzerner Politik in den nächsten vier Jahren? Man kann wohl sagen, dass der «neue» Stadtrat trotz unveränderter Zusammensetzung bürgerlicher sein wird. Die GLP hat sich von den Linken abgewandt. Das erkennt man sowohl in den Debatten des Stadtparlaments als auch in den Aussagen Manuela Josts. Gleichzeitig haben die Wahlen vom 29. März einen Linksrutsch im Parlament gebracht. Der Graben zwischen Parlament und Stadtrat ist somit grösser geworden. Franziska Bitzi und Manuela Jost betonen aber beide, dass sie kein Interesse an einer Blockadepolitik haben. An diesem Versprechen muss man ihre Arbeit in den nächsten vier Jahren messen.

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