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Kesb entzieht Vater das Besuchsrecht für den Sohn – zu Unrecht

Ein Mann verliebt sich im Puff in eine Frau. Sie heiraten, kriegen einen Sohn. Bloss: Das Glück währt nicht lange. Um das alleinige Sorgerecht zu erhalten, zieht die Domina alle Register. Doch der Vater kämpft gerichtlich um das Kind – und gewinnt.
Yasmin Kunz
Läuft ein Strafverfahren, ist ein von der Kesb verhängtes Besuchsverbot die Regel – bis der Fall mit der Justiz geklärt ist. (Symbolbild: Keystone/Urs Flüeler)

Läuft ein Strafverfahren, ist ein von der Kesb verhängtes Besuchsverbot die Regel – bis der Fall mit der Justiz geklärt ist. (Symbolbild: Keystone/Urs Flüeler)

Alles begann 2013 im Puff. Dort lernte Rolf*, wohnhaft in einer Luzerner Gemeinde, eine Frau kennen. Sie verliebten sich, heirateten, zogen zusammen. Anfang 2015 schien das Glück perfekt: Sie wurden Eltern eines Buben. Doch die Beziehung gestaltete sich für beide Seiten schwierig. Die Trennung wurde veranlasst. Rolf zog aus, zahlte Unterhalt für Frau und Kind. Rund 3500 Franken pro Monat, wie er sagt. Für den IT-Fachmann blieb Ende des Monats nicht viel übrig, zumal er für ein weiteres Kind aus einer früheren Beziehung Unterhalt zahlen muss.

Bis auf die Tatsache, dass sich die beiden im Sex-Milieu kennengelernt haben, gleicht die Situation einer normalen Trennungsgeschichte. Der Mann sieht seine Kinder regelmässig an den Wochenenden. Bis zu dem Tag, vor ungefähr einem Jahr, als seine Ehefrau Gabrielle* ihn bezichtigt, das Kind sexuell zu missbrauchen. Eine Kinderärztin aus der Region habe ihr dies bestätigt. «Diese Anschuldigung war haltlos und hat mich zutiefst getroffen», sagt der Mann im Gespräch mit unserer Zeitung.

Seine aus Deutschland stammende Frau erwirkte dadurch bei der zuständigen Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (Kesb) die Sistierung des Besuchsrechts. Fortan – und ganze sieben Monate – durfte Rolf den Buben nicht sehen. Er beteuerte gegenüber der Kesb mehrfach, er würde seinem Sohn niemals was antun. Dass der Po seines Sohnes beim Arztbesuch – der gemäss Rolf mehr als einen Monat nach der letzten Begegnung stattfand –, wund war, führt er darauf zurück, dass die Mutter dem Jungen die Windeln teils nur einmal täglich wechselt.

Wilde Partys auf Kokain gefeiert

Aufgrund des Verdachts auf sexuellen Missbrauch hat die Kesb ein Verfahren eröffnet – ein übliches Vorgehen. Es kommt zu einer Anhörung beider Parteien. Die Mutter des Buben sagt gemäss Protokoll, welches unserer Zeitung vorliegt, sie fände es gut, wenn ihr Mann den Sohn nicht mehr sehen kann. Sie sei der Meinung, dass er ihn psychologisch manipuliere. Sie räumt auch ein, mit der Situation überfordert zu sein – und vollzieht mit Blick auf die ursprüngliche Anschuldigung einen Kurswechsel: «Ich würde die Hand ins Feuer legen, dass kein sexueller Übergriff von Seiten des Vaters geschehen ist ...»

Dem Attest der Kinderärztin zufolge, besteht aber «schwerster Verdacht auf sexuelle Übergriffe». Die Ärztin beteuert, sich dessen 99 Prozent sicher zu sein, beschuldigte aber nicht direkt den Vater. Sie wies jedoch darauf hin, «diesen zu durchleuchten, da er Alkoholiker und drogenabhängig sei». Dies obwohl die Ärztin Rolf gar nicht kennt, wie er sagt. Der Vater des Kindes dementiert die Anschuldigungen. Seine Frau habe die Kinderärztin manipuliert, glaubt der 48-Jährige. «Wir haben, bevor der Bub auf der Welt war, ab und zu wilde Partys gefeiert, wozu auch viel Alkohol und Kokain gehörte. In Anwesenheit meines Sohnes mache ich so etwas aber nicht.»

Die Frau wolle mit dem Kind nach Deutschland

Aussage gegen Aussage also. Trotzdem bleibt das Besuchsverbot. Zu Recht, denn: Ein Verdacht auf sexuellen Missbrauch löst in der Regel ein Strafverfahren aus. Das Wohl des Kindes steht im Vordergrund und die Kesb hat die Aufgabe, dies sicherzustellen. Die Besuche für die Dauer des Strafverfahrens zu sistieren, ist folglich die Regel – bis mit der Justiz die Sache geklärt ist, wie es bei der zuständigen Kesb auf Anfrage heisst.

Rolf befürchtete insbesondere, dass seine Ehefrau – das Trennungsverfahren läuft noch – nur eins im Schilde führt: Mit dem Kleinen nach Deutschland auswandern. Das sagte sie gemäss Protokoll auch gegenüber der Kesb. Für Rolf eine schreckliche Vorstellung, zumal er weiss, dass sie dort weiter im Sexbusiness arbeiten wird und ihre Verwandten zwecks Kinderbetreuung nicht gleich um die Ecke wohnen. Ausserdem gibt er an zu wissen, dass Gabrielle schon zu Hause Kunden empfangen hat, während der Bub sich in seinem Zimmer aufhielt. Auch stelle seine Ehefrau immer wieder Bilder und Videos auf eine Pornoseite, während sie sich eigentlich um ihren Sohn kümmern müsste. Sie hingegen sagt aus, ihrer Beschäftigung nie in Anwesenheit des Kindes nachgegangen zu sein. In der Regel miete sie dafür Räumlichkeiten.

Rolf fühlt sich von der Kesb nicht ernst genommen. Er nimmt sich einen Anwalt und kämpft weiter. Mit Erfolg: Zuerst wird ihm am 8. Januar 2018 vom Kantonsgericht Luzern das Besuchsrecht jeweils für Samstag erteilt. Dies solange bis der Vorwurf des sexuellen Missbrauchs von der zuständigen Staatsanwaltschaft abgeschlossen ist.

Medizinische Beweise fehlten

Seit März 2018 darf er seinen Sohn wieder dreimal im Monat von Freitagmittag bis Sonntagabend sehen, ohne Auflagen. Gemäss zuständiger Staatsanwaltschaft wurde die Strafuntersuchung gegen Rolf wegen sexueller Handlung mit Kindern am 16. März eingestellt.

Die Staatsanwaltschaft begründet das Urteil damit, dass die Ärztin die Diagnose des dringenden Verdachts auf sexuellen Missbrauch ohne aufschlussreiche medizinische Berichte und Befunde gestellt habe. Die Entwicklung des Kindes «ist bisher altersgerecht und das Verhalten unauffällig gewesen». Die Ärztin, so steht es in der Einstellungsverfügung, habe auf Wunsch der Mutter eine Untersuchung am Po des Kindes durchgeführt, «um festzustellen, ob er komisch reagiere». Das sei nicht der Fall gewesen, heisst es in der Einstellungsverfügung weiter. Sie habe keine Verletzungen feststellen können.

Ein Jahr lang hat Rolf nun gekämpft, sich gegen Vorwürfe gewehrt, um das Besuchsrecht wieder zu erhalten. Via Kantonsgericht ist ihm das gelungen.

Er reicht Beschwerde gegen Kesb-Mitarbeiter ein

Das Ganze hat den grossen, stämmigen Mann sehr mitgenommen. Insbesondere die Tatsache, dass er bei der Kesb von Anfang an der Schuldige gewesen sei und man für ihn – ganz im Gegensatz zu seiner Frau – kein offenes Ohr hatte. Darum hat er gegen die involvierten Mitarbeiter der Kesb beim Amt für Gemeinden des Kantons Beschwerde eingereicht. Die ist nach Aussagen des zuständigen Gemeinderats die korrekte Anlaufstelle für eine Beschwerde. Das Amt für Gemeinden wiederum schreibt Rolf einen Brief, mit der Bitte, die Beschwerde an die Kesb zu richten. Rolf: «Da fragt man sich: Weiss die rechte Hand, was die linke macht?» Die Beschwerde sei noch hängig. Doch Rolf gibt auch hier nicht klein bei. «Ich will ein Zeichen setzen, dass wir Männer bei solchen Trennungssituationen gleich ernst genommen werden wie die Frauen.»

*Namen der Redaktion bekannt

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