Kind klagt gegen Mutter

Eine 34-Jährige muss sich wegen Kindsmisshandlung verantworten. Sie streitet alle Taten ab.

Sandra Monika Ziegler
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Die Misshandlungen des Jungen haben im Zeitraum von Oktober 2015 bis Ende April 2016 stattgefunden, der Bub war damals neun Jahre alt. Er wirft als Privatkläger der heute 34-jährigen Mutter vor, ihn mit Vorhangstange, Staubsaugerrohr, Kabeln und erwärmtem Rüstmesser geschlagen und verletzt zu haben. Für die Schläge habe er sich jeweils ausziehen müssen, gab der Bub bei den Befragungen an.

Die Misshandlungen flogen auf, weil sich der Bub eine Zyste am Kopf operieren lassen musste. Dabei wurden über ein Dutzend tiefe Rissquetschwunden in verschiedenen Abheilungsstufen entdeckt. Nach Gesprächen mit Opfer, Mutter und Vater wurde von der Kinderschutzgruppe des Kinderspitals die Kesb eingeschaltet und eine Gefährdungsmeldung gemacht. Knapp sechs Tage nach der Operation meldete sich am Abend der Lehrer des Buben bei der Luzerner Polizei und berichtete, dass sich der Bub aus Angst vor Schlägen nicht nach Hause wagen würde und er deshalb bei ihm sei. Der nun Zehnjährige wurde abgeholt und sofort fremdplatziert. Er will seither nicht mehr zu Hause leben. 

Er sei ein schwieriges Kind

Die erste Verhandlung fand im September 2018 statt. Erstinstanzlich wurde die Frau der einfachen Körperverletzung sowie der Verletzung der Fürsorge- und Erziehungspflicht schuldig gesprochen und zu einer Geldstrafe von 180 Tagessätzen zu je 30 Franken mit zwei Jahren Probezeit verurteilt. Die Verletzungen seien eindeutig durch die Mutter verursacht worden, so das Gericht. Die Beschuldigte konnte diese wiederholt nicht plausibel erklären und hatte sich in ihren Aussagen in Widersprüche verstrickt. Während des gesamten Strafverfahrens zeigte sie weder Einsicht noch Reue. Gegen dieses Urteil wurde Berufung eingelegt. Deshalb fand gestern eine weitere Verhandlung vor dem Luzerner Kantonsgericht statt.

Die fünffache Mutter blieb auch gestern dabei, den Sohn nie geschlagen zu haben. Die Verletzungen habe er sich selber zugeführt oder sie seien durch Rangeleien auf dem Pausenplatz entstanden. Er sei eben ein schwieriges Kind und sorge immer für Ärger, so die Mutter. Auf wiederholtes Fragen der Richter gab sie unpräzise oder keine Antworten. Sie wiederholte unablässig, dass sie eine «gute Mutter» sei. Die Staatsanwaltschaft glaubt ihr nicht und spricht von «grober Kindsmisshandlung». Die Aussagen des Jungen indes seien glaubhaft und stringent.

Die Verteidigerin der Frau hielt fest, dass ihre Mandantin bei der Befragung sehr nervös gewesen sei und gibt zu bedenken: «Hätte sie ihr Kind verletzt, so hätte sie es sicher nicht noch in die Schule geschickt, sondern krankgemeldet.» Sie plädiert auf Freispruch. Die Verteidigerin des Buben folgt der Staatsanwaltschaft. Sie betont, dass der Bub nicht mehr nach Hause wolle. Zwar sei er in den Herbstferien wieder dort gewesen, dies aber wegen seiner Brüder, die er sehen wollte. Auch bei diesem Aufenthalt sei es zu Schlägen gekommen, so die Verteidigerin des Buben. Das Besuchsrecht wurde deshalb sistiert. Das Urteil wird im Januar mündlich eröffnet.

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