Kinder beleuchten im Stück «kindsköpfisch» frech und amüsant ihre Welt

Das neue Stück des «Kinderklubs» der Luzerner Spielleute inspiriert alle Generationen, einen anderen Blickwinkel einzunehmen.

Yvonne Imbach
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Das Stück startet digital: Per Videoleinwand kommen Kinder, Eltern und Grosseltern in kurzen Statements zu Wort, die mit dem Satz «ich verstehe nicht...» beginnen. Die Kids äussern ihren Unmut, weil die Erwachsenen immer Chef sein wollen – und Dinge verbieten, obwohl sie zugeben, das Verbot als Kind auch doof gefunden zu haben. Eine Mutter versteht nicht, dass ihr Kind ein Versprechen abgibt, um es sogleich wieder zu vergessen.

Der «Kinderklub» der Luzerner Spielleute bei der Hauptprobe.

Der «Kinderklub» der Luzerner Spielleute bei der Hauptprobe.

Bild: Pius Amrein
(Luzern, 8. September 2020)

Der Einstieg macht deutlich: Kinder bewegen sich immer in einem Spannungsfeld zwischen sich und Eltern, Grosseltern, Lehrpersonen.

Zweite Eigenproduktion des «Kinderklubs»

Genau dieses Spannungsfeld beleuchtet der «Kinderklub» der Luzerner Spielleute in seiner zweiten Eigenproduktion «kindsköpfisch». Dieser Titel ist durchaus wörtlich zu verstehen, kann der Zuschauer doch fast ein bisschen in den Kopf der Rollen schauen und sich darauf einlassen, einen anderen Blickwinkel einzunehmen. Dies hilft bei so manchem Generationenkonflikt, den alle Eltern und ihr Nachwuchs kennen.

In der Geschichte treffen sich drei Familien zu einem gemeinsamen Abendessen. Während die Eltern Spass haben, langweilen sich die Kids. Da an diesem Abend Handys verboten sind, werden die Kinder zum Spielen nach draussen geschickt. Durch eine Entdeckung im Garten wird die Abenteuerlust der sieben Buben und Mädchen geweckt und sie stellen dabei fest: Kind sein ist gar nicht so doof!

Kinder durften Rollen mitentwickeln

Der «Kinderklub» besteht aus zwölf Kindern, alle jünger als 12 Jahre. Co-Regie führten die beiden Theaterpädagoginnen Fiona Limacher und Mélanie Reber. «Uns war wichtig, das Vorurteil ‹Kinder können nicht mehr frei spielen, sondern hängen nur am Handy› zu thematisieren. Die Kinder durften bei der Entwicklung ihrer Rolle und der Geschichte mitarbeiten», erzählt Mélanie Reber. Das Resultat sind freche und amüsante Szenen, die dem volljährigen Publikum den einen oder anderen Spiegel vorhalten, die Erwachsene animieren, bestehende Regeln zu überdenken, und sie in eigenen Kindheitserinnerungen schwelgen lassen.

Eine Handvoll selbst arrangierter Songs verleiht dem Stück zusätzlichen Schmiss. Der Blues «Mir esch langwiilig, ha kei Blasse, was ech söll mache» etwa zeigt eindrücklich die Nöte der Jugend auf, wenn sie nichts mit sich anzufangen weiss. Doch das ist zum Glück nur im Stück so. «Die Gruppe ist sehr kreativ, da wurde es niemandem langweilig, im Gegenteil», sagt Mélanie Reber lachend.

Hinweis
Aufführungen: 11. und 12. September, je um 19.30 Uhr. Theater Pavillon Luzern, Spelteriniweg 6.
Reservationen: lisa.bachmann@bluewin.ch. Wegen des Coronaschutzkonzepts ist eine Reservation zwingend.