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KINDERGARTEN: 38 Gemeinden sind nicht parat

Noch nicht die Hälfte der in der Pflicht stehenden Gemeinden bieten den zweijährigen Kindergarten an. Jetzt drängt die Zeit: In einem halben Jahr läuft die fünfjährige Übergangsfrist aus.
Yasmin Kunz
Noch nicht alle Gemeinden sind bereit für die Einführung des Zwei-Jahres-Kindergarten. Im Archivbild: Eine Kindergärtnerin während dem Unterricht im Kindergarten Houelbach in Kriens am 19. März 2015. (Bild: Eveline Beerkircher (Neue LZ))

Noch nicht alle Gemeinden sind bereit für die Einführung des Zwei-Jahres-Kindergarten. Im Archivbild: Eine Kindergärtnerin während dem Unterricht im Kindergarten Houelbach in Kriens am 19. März 2015. (Bild: Eveline Beerkircher (Neue LZ))

Yasmin Kunz

Ab dem kommenden Schuljahr 2016/17 müssen die Luzerner Gemeinden einen zweijährigen Kindergarten anbieten. Heisst: Ein Jahr im Kindergarten ist freiwillig und eines ist obligatorisch. Das haben zwei Drittel der Stimmberechtigten 2011 so entschieden. Den Gemeinden wurde dann eine Übergangszeit von fünf Jahren gewährt. Diese läuft im Sommer 2016 aus, und es gibt keinen Aufschub, da das Gesetz die Frist abschliessend geregelt hat.

Grafik Kindergaertenangebote im Kanton LUzern

Grafik Kindergaertenangebote im Kanton LUzern

Es mangelt an Räumlichkeiten

Ein Blick auf die Kantonskarte zeigt, dass erst 30 der 83 Gemeinden das zweijährige Modell bereits anbieten. 38 Gemeinden haben das Angebot noch nicht umgesetzt. 15 Gemeinden bieten ausschliesslich das altersgemischte Modell Basisstufe an. Dieses vereint zwei Kindergartenjahre und die ersten zwei Primarschuljahre – hier muss also nicht umgestellt werden.

Charles Vincent, Leiter der Dienststelle Volksschulbildung des Kantons Luzern, kennt den Hauptgrund für die Verzögerung: «In vielen Gemeinden hapert die Umsetzung wegen fehlender Räumlichkeiten oder aufgrund finanzieller Überlegungen.» Doch er ist optimistisch, dass bis zum nächsten Schuljahr die 38 Gemeinden das zweijährige Angebot führen werden.

Auch Annamarie Bürkli vom Luzerner Lehrerinnen- und Lehrerverband (LLV) ist überzeugt, dass «die Gemeinden die Umstellung grossmehrheitlich fristgerecht schaffen werden». Dennoch räumt sie ein, dass es möglicherweise Härtefälle geben könnte. «Dann muss im Einzelfall beurteilt werden, wie es weitergeht», so Bürkli.

Finanzen geraten ins Wanken

Hochdorf ist eine der 38 Gemeinden, die das Angebot bis dato noch nicht anbieten. Daniela Ammeter, Ressortleiterin Bildung und Wirtschaft der Gemeinde, sagt: «Wir sind gut vorbereitet und können die Frist einhalten. Nächstes Schuljahr bieten wir den zweijährigen Kindergarten an.» Eine frühere Einführung sei für die Gemeinde kein Thema gewesen. «Wir haben ein sehr gutes Angebot für Vorschulkinder im Regionalzentrum Hochdorf.» Zudem räumt Ammeter ein, dass die Einführung den finanziellen Haushalt der Gemeinde etwas ins Wanken gebracht habe, dies aber mit der Fünfjahresfrist aufgefangen werden konnte. Ab dem neuen Schuljahr muss die Gemeinde zwei zusätzliche Kindergärten eröffnen. Das bedeutet gemäss Ammeter einen jährlichen Aufwand von etwa 250 000 Franken sowie zusätzliche Investitionen. Weiter sagt sie: «Der Klassenausbau im Kindergarten hat nicht nur mit der Umstellung auf das zweijährige Angebot zu tun. So kommen jetzt auch geburtenstarke Jahrgänge nach, und zudem verzeichnen wir einige Neuzuzüge.»

Voraussetzung: Selbstständigkeit

Gemäss Rektorat der Schule Hochdorf wird man etwa 50 Eltern anschreiben, deren Kinder zwischen dem 1. August 2011 und dem 31. Januar 2012 geboren sind und das freiwillige Kindergartenjahr besuchen könnten. Schätzungen, wie viele von den zirka 50 Kindern das Angebot wahrnehmen, gibt es nicht. Jüngere Kinder könnten auf ein Gesuch hin aufgenommen werden, sofern sie die Voraussetzungen mitbringen. So müssen Kinder unter anderem selbstständig zur Toilette gehen können, fähig sein, sich selber an- und ausziehen und Blockvormittage von vier Lektionen bewältigen können.

Die Gemeinde Rothenburg plant auf Beginn des neuen Schuljahres die Schaffung von Räumlichkeiten für zwei zusätzliche Kindergartenklassen, wie Roger Röösli, für die Bildung zuständiger Gemeinderat, sagt. Für die Umbaukosten sind 450 000 Franken budgetiert. Rund 80 Eltern, deren Kinder in der Zeit vom 1. August 2011 bis 31. Juli 2012 geboren sind, haben im November eine Einladung zu einem Informationsabend für das freiwillige zweite Kindergartenjahr erhalten. Röösli schätzt, dass etwa die Hälfte dieser Kinder für das freiwillige Angebot angemeldet werden.

Für die späte, aber fristgerechte Umsetzung nennt er diesen Grund: «Der für die Umsetzung zusätzlich benötigte Schulraum steht erst im Sommer 2016 zur Verfügung.»

750 Kinder mehr

Aktuell besuchen von rund 6300 Kindergärtlern im Kanton Luzern 41,8 Prozent das zweijährige Angebot, 9,5 Prozent die Basisstufe und 48,7 Prozent den einjährigen Kindergarten. Mit der flächendeckenden Einführung des zweijährigen Kindergartens sei davon auszugehen, dass zu Beginn rund 750 Kinder mehr den Kindergarten oder die Basisstufe besuchen würden, so Vincent. «Hat es sich erstmals eingependelt, dürften noch mehr Kinder das freiwillige Angebot besuchen», glaubt Charles Vincent. Er geht davon aus, dass «in ein paar Jahren bis zu 90 Prozent das Angebot nutzen werden». Dies zeigen die Erfahrungen in anderen Kantonen wie beispielsweise Nidwalden. Die Umstellung schlägt sich auch auf die Kantonskasse nieder. Gemäss Vincent zahlt der Kanton pro Kind 2700 Franken. Rechnet man mit einem Anstieg von 750 Kindergärtlern, ergibt das einen Betrag von zwei Millionen Franken.

Zu wenig Kindergärtnerinnen?

Der Systemwechsel bedingt, dass künftig auch mehr Kindergärtnerinnen eingestellt werden müssen. Charles Vincent räumt ein, dass sich die Rekrutierung in den vergangenen zwei Jahren eher schwierig gestaltet hat. «Insgesamt braucht es über die ganze Einführungszeit rund 90 Lehrer mehr, und in den vergangenen Jahren schlossen weniger als 90 Personen ein Studium der Basisstufe an der Pädagogischen Hochschule ab.» Rund 60 neue Lehrkräfte seien bis dato jedoch bereits eingestellt worden. «Ab kommendem Sommer wird es einfacher, die Stellen zu besetzen, weil mehr Studierende die Ausbildung abschliessen.»

Lehrerverbandspräsidentin Annamarie Bürkli ist überzeugt, dass sich die Stellensituation entschärfen wird, wenn Kindergärtnerinnen gleich besoldet werden wie Primarlehrpersonen. Wann das der Fall sein wird, ist derzeit offen.

Wichtig für Sozialisierung

Trotz finanziellen Herausforderungen sei der zweijährige Kindergarten sinnvoll, betont Bürkli. «Es ist wichtig, dass alle Kinder – egal, wo sie wohnen –, dieses Angebot nutzen können. Zudem kann der zweijährige Kindergarten zur gelingenden Sozialisierung beitragen.» Weiter würde das zweijährige Angebot auch positive Auswirkungen auf die Sprachförderung haben, unabhängig davon, ob das Kind Migrationshintergrund aufweist oder nicht.

Neues Eintrittsalter wegen Berufslehre

Für die Kinder soll der Besuch eines zweiten Kindergartenjahres freiwillig bleiben. In gewissen Gemeinden ist auch der halbjährige Eintritt, also auf das 2. Semester hin, möglich.
Die Teilrevision des Volksschulbildungsgesetzes sieht neu vor, den Stichtag für den Eintritt in den Kindergarten vorzuverschieben – vom 1. November auf den 31. Juli. So sind Kinder beim Start ins zweite, obligatorische Kindergartenjahr mindestens 5-jährig. Der Grund für die geplante Verschiebung: Viele Schulabgänger brauchen eine Sonderbewilligung, um ihre Lehre zu starten, weil sie dannzumal noch nicht 15 Jahre alt sind.

Bis dato starten die Kinder mit 43/4 Jahren den obligatorischen Kindergarten. Voraussichtlich wird im Januar die Neuregelung im Kantonsrat behandelt. Sagt dieser Ja, muss ein Kind, das vor dem 31. Juli den fünften Geburtstag feiert, ab dem gleichen Sommer in den Kindergarten.

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