KINDERKRIPPEN: Braucht Luzern 24-Stunden-Kitas?

In einigen Städten gibt es Kitas, die rund um die Uhr geöffnet haben. In Luzern könnte es 2018 so weit sein. Für die meisten Luzerner Krippen sind längere Öffnungszeiten aber nicht rentabel.

Beatrice Vogel
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Eltern müssen mehr für die Kita zahlen. Im Symbolbild: Spielzeug in einer Kita. (Archivbild Maria Schmid)

Eltern müssen mehr für die Kita zahlen. Im Symbolbild: Spielzeug in einer Kita. (Archivbild Maria Schmid)

Beatrice Vogel

beatrice.vogel@luzernerzeitung.ch

Es kommt regelmässig vor: Die Kollegin übergibt vor 18.30 Uhr den Abschluss ihrer Arbeit an jemand anderen und geht, weil sie ihre Kinder aus der Kindertagesstätte holen muss. Dies, obwohl ihr Dienst bis 19 Uhr geht. Auch andere – insbesondere alleinerziehende – Arbeitnehmer, die beispielsweise im (Abend-)Verkauf oder in der Pflege arbeiten, dürften diesbezüglich ein Problem haben.

Im Raum Bern, Zürich oder St. Gallen gibt es 24-Stunden-Kitas, wo die Kinder sogar übernachten können. In Luzern könnte es ab nächstem Jahr so weit sein: Seit September 2016 führt Leila Polak die Kita Neverland in Reussbühl. Sie hat regulär bis 20 Uhr, auf Anfrage gar bis 22 Uhr geöffnet. «Das Angebot ist sehr gefragt, viele Eltern haben ein Problem, wenn Kitas früh schliessen», sagt Polak.

Ab 2018 will sie einen 24-Stunden-Betrieb anbieten. Die Kita Neverland könnte eigentlich 14 Kinder aufnehmen. Momentan darf Polak aber nur fünf Kinder als Tagesmutter betreuen, da sie von der Stadt Luzern noch keine Bewilligung erhalten hat. Bei der Stadt heisst es auf Anfrage, die Ideen von Polak seien gut, die Bewilligung sei aus anderen Gründen nicht erteilt worden. Für Leila Polak ist aber klar, dass sie die Kita bald richtig eröffnen will und damit vielen Eltern helfen kann.

Die meisten Kitas schliessen zwischen 18 und 19 Uhr

Andere Luzerner Kitas sehen jedoch keinen Bedarf für längere Öffnungszeiten. Der Grossteil der Tagesstätten schliesst zwischen 18 und 19 Uhr. Zwar seien längere Betreuungszeiten «immer wieder ein Thema», sagt ­Fabian Haindl, Geschäftsführer der Small Foot AG, die zahlreiche Filialen in der Zentralschweiz hat. «Wir werden sehr oft angefragt, ob wir bis 20 Uhr offen ­haben könnten. Doch bis jetzt konnten wir uns nicht zu einer Verlängerung der Öffnungszeiten durchringen», so Haindl. Dafür sei die Nachfrage doch noch zu klein, um nur einigermassen wirtschaftlich arbeiten zu können. Auch den Personalschlüssel einzuhalten, sei mit längeren ­Öffnungszeiten schwierig. «Es müsste sich schon einigermassen lohnen, dass wir diesen Schritt machen.» Small Foot handhabt es deshalb so, dass Kinder in Ausnahmefällen ein wenig länger bleiben können, was geschätzt werde.

Die Kita Müsliburg in der Luzerner Citybay hat die Öffnungszeiten am Abend sogar verkürzt. «Früher hatten wir die Citybay bis 19 Uhr offen, das hat sich aber nicht gelohnt, weil höchstens ein Kind so lange geblieben ist», sagt Geschäftsführer Claudio Conrad. Deshalb schliesst die Müsliburg in der Citybay nun um 18.30 Uhr, an den übrigen drei Standorten um 18 Uhr.

Conrad glaubt, dass die Nachfrage nach längeren Öffnungszeiten von der Zielgruppe und deren Wohnort und sozialer Schicht abhängt. «Unsere Eltern sind nicht auf lange Öffnungszeiten angewiesen.» Komme hinzu, dass viele Eltern den Schlafrhythmus ihres Kindes beibehalten wollen: Wenn das Kind normalerweise um 20 Uhr ins Bett geht, soll es das auch am Kita-Tag tun. «Für Abende gibt es ausserdem Babysitter-Services», so Conrad.

Seiner Meinung nach lohnt sich auch eine 24-Stunden-Kita nicht: «Die längeren Öffnungszeiten wären zwar ein kurzer Marketingvorteil, aber die Kostenberechnung in den Griff zu bekommen, ist sehr schwierig, und auch für das Personal ist es eine grosse Herausforderung.»

Mitarbeiter werden am Abend zu Babysittern

Auch kleinere Kitas sagen auf Anfrage, längere Öffnungszeiten würden selten gefordert – wenn, dann eher am Morgen – und abends sei man in Notfällen flexibel. Bei der Kita Kiriku im Löwencenter übernehmen auch mal Mitarbeiter auf privater Basis ein Babysitting am Abend.

Luzerner Politiker sehen eine Zukunft für längere Kita-Öffnungszeiten. Die SP Stadt Luzern etwa befürwortet einen Ausbau der familienergänzenden Kinderbetreuung abends und nachts. Die Partei biete gerne Hand, die politischen Rahmenbedingungen zu schaffen, damit 24-Stunden-Kitas gefördert werden, sagt Präsident Claudio Soldati auf Anfrage. «Eine wichtige Rolle spielen dabei die Unternehmen, die von den flexiblen Arbeitsnehmenden profitieren. Modelle wie in der Romandie, wo Arbeitgeber die Kinderbetreuung mit unterstützen, sind unserer Ansicht nach zeitgemäss und wünschenswert.»

Auch die CVP befürwortet «jede Initiative, welche die Vereinbarkeit von Beruf und Familie verfolgt», sagt Andrea Gmür, Präsidentin CVP Stadt Luzern. Es sei zu hoffen, dass längerfristig genügend Nachfrage bestehe, sodass sich Abendbetreuung etablieren könne.