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Kinderpolitik rückt im Kanton Luzern in den Fokus

Menznau ist die jüngste kinderfreundliche Gemeinde im Kanton Luzern. Das Label tragen schweizweit 35 Gemeinden. Die Menznauer Sozialvorsteherin sieht die Auszeichnung vor allem als Verpflichtung.
Roseline Troxler
Gemeinderätin Helen Schurtenberger setzt sich in Menznau für Kinder und Jugendliche ein. Bild: Pius Amrein (Menznau, 9. Oktober 2018)

Gemeinderätin Helen Schurtenberger setzt sich in Menznau für Kinder und Jugendliche ein. Bild: Pius Amrein (Menznau, 9. Oktober 2018)

Menznau darf sich seit kurzem damit schmücken: Mit dem Label einer kinderfreundlichen Gemeinde von Unicef. Mit demselben Label zertifiziert sind bloss drei andere Gemeinden im Kanton Luzern. Schweizweit gesehen ist dies sogar viel. National gibt es 35 kinderfreundliche Gemeinden – wenn es nach Unicef geht.

Die Organisation schreibt in einer Mitteilung zu Menznau: «Bereits heute ist in der Gemeinde ein hohes Engagement im Bereich Kinder- und Jugendfreundlichkeit spürbar.» Um das Label zu erreichen, hat Menznau eine Standortbestimmung durchgeführt. Die Schule hat die Schüler befragt. Diese konnten mittels Zeichnungen ihre Wünsche für die Gemeinde Menznau gestalten. Dazu gehören zum Beispiel sichere Schulwege, in jedem Dorf ein Raum für die Kinder oder ein Skaterpark. Die Resultate flossen dann in eine Zukunftswerkstatt ein. «Die Ergebnisse dienen dazu, die Gemeinde attraktiv zu gestalten», sagt Helen Schurtenberger, Sozialvorsteherin der Gemeinde.

«Label zwingt uns, am Ball zu bleiben»

Auf Anfrage betont sie: «Das Label ist eine Bestätigung, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Wir haben schon viel in die Kinder- und Jugendarbeit investiert.» Seit 2010 gibt es in der Gemeinde die Arbeitsgruppe Sensor. Entwickelt hat diese etwa einen Bewegungspass, der Minderjährige animieren soll, an Vereinsanlässen teilzunehmen. Die Gruppe organisiert auch Grümpelturniere gegen Littering und nimmt sich Themen an, die von aussen herangetragen werden und den Jugendlichen wichtig sind.

Das Label verpflichtet aber auch: «Es zwingt uns, am Ball zu bleiben», sagt Schurtenberger. So gilt es, nach zwei Jahren einen Zwischenbericht zu verfassen. Und nach vier Jahren ist eine Rezertifizierung möglich. Schurtenberger, welche für die FDP im Kantonsrat sitzt, weiss, was derzeit gut läuft, aber auch, wo der Schuh noch drückt: «Die Partizipation von Kindern wird in der Schule schon jetzt stark gelebt. Dieses Prinzip müssen wir nun aber auf das ganze Gemeindeleben anwenden.»

Laut der Sozialvorsteherin kann das Label vor allem auch für die Vermarktung genutzt werden. «Es zeigt, dass eine Gemeinde fortschrittlich ist.» Der Anteil der unter 19-Jährigen ist auch in Menznau rückläufig und lag 2017 bei 23,7 Prozent (Kanton: 20,4 Prozent).

«Wauwil übernahm eine Vorreiterrolle»

Im Kanton Luzern sind nebst Menznau auch Wauwil, Triengen und Hitzkirch zertifiziert. Doch weshalb sind es im Kanton Luzern bereits vier Gemeinden, während anderswo noch keine Gemeinde das Label trägt? Jürg Keim, zuständig für die Kommunikation bei Unicef Schweiz und Lichtenstein, sieht zwei Gründe. Zum einen sei dies die Finanzierung. «Der Kanton Luzern übernimmt seit 2015 einen Grossteil der Kosten für das Label.» Beträge bis zu 10 000 Franken trägt der Kanton ganz, an den Kosten darüber beteiligt er sich mit 80 Prozent. Für Gemeinden mit einer Grösse von maximal 10 000 Einwohnern kosten Evaluation und Label 10 000  Franken.

Einen weiteren Grund für die Verbreitung im Kanton Luzern sieht er in der Gemeinde Wauwil. «Sie war schweizweit die erste ‹Kinderfreundliche Gemeinde› und übernahm damit eine Vorreiterrolle.» Wauwil ist seit 2009 zertifiziert. «Für uns ist das Label eine grosse Ehre, bedeutet aber auch eine Verpflichtung», sagt Gemeindepräsidentin Annelies Gassmann. Sie unterstreicht die Fortschritte in der Kinder- und Jugendarbeit in den letzten Jahren.

Jugendparlament: Schwierige Suche nach Mitgliedern

«Die Partizipation von Kindern und Jugendlichen wurde durch das Label institutionalisiert.» Die Sicht dieser Altersgruppe habe man deshalb bei jedem Vorhaben im Hinterkopf. Laut Gassmann gibt es auch konkrete Resultate: «Aufgrund von Inputs von Kindern haben wir ein Beachvolleyballfeld gebaut, am Schulhaus wurden Schliessfächer installiert, Jugendliche konnten an der Neugestaltung des Pausenplatzes partizipieren und teilweise die Farbgebungen beim Schulhausneubau mitbestimmen.» Ausserdem gebe es auf allen Stufen einen Schülerrat. Gassmann sieht aber auch Schwierigkeiten, wenn eine Gemeinde kinderfreundlich sein will: «Die stetige Weiterentwicklung ist ein aufwendiger Prozess und es ist teils eine Herausforderung, dass sich genügend Jugendliche im Jugendparlament engagieren.»

«Aufgrund von Inputs von Kindern haben wir ein Beachvolleyballfeld gebaut.»

Annelies Gassmann, Gemeindepräsidentin Wauwil

Doch das Label lohne sich fürs Gemeindemarketing. «Es spricht sich herum, dass wir uns für die Kinder in Wauwil engagieren. Das kann auch Familien anziehen.» In Wauwil ist der Anteil der Kinder und Jugendlichen ebenfalls rückläufig.

Derzeit bemüht sich Wauwil um die zweite Rezertifizierung. Ob sich dieser finanzielle Aufwand lohnt, ist laut Gassmann schwierig zu messen. «Doch das Label ist eine Möglichkeit, die kinderfreundliche Haltung weiter zu verankern.»

Kinder und Jugendliche als Experten in eigener Sache

Unicef stellt fest, dass «Kinder und Jugendliche in vielen Gemeinden in der Schweiz und in Liechtenstein vermehrt auf der politischen Agenda stehen», wie Keim sagt. «In vereinzelten Gemeinden keimt teils die Forderung auf, Kinder und Jugendliche gar ins Zentrum des politischen Handelns zu rücken.» Sie seien schliesslich Experten in eigener Sache, deren Ressourcen Gemeinden nutzen können.

Weitere Gemeinden wollen sich für die Kinder- und Jugendpolitik auszeichnen. Laut Unicef befinden sich unter anderem Kriens, Sursee und Wolhusen auf dem Weg zur Zertifizierung. Angestrebt wurde das Label auch in Emmen. Doch laut Thomas Lehmann, als Gemeinderat verantwortlich für Soziales und Gesellschaft, wurde der Prozess aufgrund der Finanzlage auf Eis gelegt. Viele Grundlagen wie die Mitsprache seien aber vorhanden. «Zu einem späteren Zeitpunkt könnte das Label wieder ein Thema werden.» Abgelehnt wurde laut Unicef noch kein Gesuch. Jürg Keim: «Ein Dossier wird erst vor die Jury gebracht, wenn alle Prozessschritte erfüllt sind.»

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