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KINDESENTFÜHRUNG: «Gericht muss Rückführung anordnen»

In den Jahren 2009 bis 2014 wurden in der Schweiz 281 Anträge auf Rückführung von Kindern ins Ausland behandelt. Dies geht aus Zahlen des Bundesamtes für Justiz hervor. In 45 Prozent der Verfahren wurde die Rückführung angeordnet. In 20 Prozent der Fälle wurde das Gesuch abgewiesen. Die übrigen Verfahren wurden auf andere Weise erledigt. «Wenn die Voraussetzungen einer Kindesentführung gegeben sind, muss das zuständige Gericht grundsätzlich die Rückführung anordnen», sagt Joëlle Schickel-Küng, Leiterin der Bundeszentralbehörde beim Bundesamt für Justiz. Das sind die Voraussetzungen:

  • Das Kind hat das 16. Altersjahr noch nicht vollendet.
  • Vor der Entführung hatte das Kind seinen Aufenthalt in einem der 88 Vertragsstaaten des Haager Kindesentführungsübereinkommens.
  • Der antragstellende Elternteil hatte bis zum Zeitpunkt der Entführung zumindest ein Mitsorgerecht, das er tatsächlich ausübte.
  • Seit der Entführung ist weniger als ein Jahr verstrichen.

Kind muss autonom entscheiden

Es gibt aber Ausnahmen: Ein Gericht kann von einer Rückführung absehen, wenn der antragstellende Elternteil das Sorgerecht nicht ausgeübt hat oder wenn die Rückführung eine schwerwiegende Gefahr eines körperlichen oder seelischen Schadens für das Kind bedeutet. Die Rückkehr kann auch dann abgelehnt werden, wenn sich das Kind widersetzt. Der Widerstand ist aber nur dann relevant, wenn die Richter das Kind als alt und reif genug beurteilen. «Es ist an den Gerichten, darüber zu entscheiden, ob und in welcher Weise sie den Kinderwillen berücksichtigen», so Schickel. «Die Fähigkeit zur autonomen Willensbildung ist dann gegeben, wenn das Kind in eigener Verantwortung, möglichst unbeeinflusst vom entführenden Elternteil, zu entscheiden vermag.»

Informationspflicht

Wolle man ein Kind auf legalem Weg in die Schweiz holen, seien die Gesetze jenes Landes zu beachten, in dem das Kind lebt, erklärt Joëlle Schickel. Hierbei ist insbesondere die Sorgerechtsregelung ausschlaggebend. Eine Informationspflicht gegenüber dem anderen Elternteil besteht aber immer.

bev.

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