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KINO: Bruno Ganz: «Ich muss das so machen, dass Sie weinen»

Schauspieler Bruno Ganz gibt nicht gern Interviews. Im Open-Air-Kino Luzern stellte er sich trotzdem unseren Fragen – und redete über Segantini und Emotionen.
Hugo Bischof
Schauspieler Bruno Ganz (links) und Regisseur Christian Labhart am Mittwochabend beim Open-Air-Kino am Alpenquai in Luzern. (Bild Eveline Beerkircher)

Schauspieler Bruno Ganz (links) und Regisseur Christian Labhart am Mittwochabend beim Open-Air-Kino am Alpenquai in Luzern. (Bild Eveline Beerkircher)

Zum 25-Jahr-Jubiläum des Open-Air-Kinos Luzern waren am Mittwoch, vor dem Dokumentarfilm «Giovanni Segantini – Magie des Lichts» als Ehrengäste Regisseur Christian Labhart und Schauspieler Bruno Ganz anwesend. Ganz wirkt im Film als Segantini-Sprecher mit. Die «Neue Luzerner Zeitung» moderierte vor den rund 500 Zuschauern ein Gespräch mit den beiden, das wir hier in gekürzter Version wiedergeben.

Bruno Ganz, kamen Sie als Fan von Giovanni Segantini zur Mitwirkung bei diesem Film? Oder war es umgekehrt: Wurden Sie durch die Mitarbeit an diesem Film zum Segantini-Fan?

Bruno Ganz: (lacht) Als Fan einfach sagen, da will ich mitmachen – so einfach geht das nicht. Ich kannte schon Sachen von Segantini. Das ist ein Maler, den ich sehr schätze. Es ging aber den normalen Weg. Christian Labhart fragte mich, ob ich das mache. Ich sagte ihm, ja gern, aber ich wolle wissen, wie die Texte sind. Er hat mir die dann geschickt, und es gefiel mir sehr, vor allem weil Segantini das selber geschrieben hat. Kurz nach der Mitarbeit beim Film sah ich eine grosse Segantini-Ausstellung im Beyeler-Museum in Basel. Das hat mich darin bestärkt, dass ich da mitgemacht habe.

Im Film sind Sie nicht zu sehen, sondern «nur» als Sprecher der autobiografischen Texte von Segantini zu hören. Was war dadurch anders für Sie?

Ganz: Na ja, man sitzt halt in einem Studio, man muss nicht anfangen zu spielen. Man konzentriert sich auf das Lesen der Texte. Statt einer Kamera ist da ein Mikrofon. Man muss sich trotzdem sehr konzentrieren und alles, was man bei so einem Text hat, da hineinlegen. Natürlich ist es in gewissem Sinn einfacher, als wenn man auch visuell beobachtet wird. Aber so einen Text zu lesen, ist auch nicht einfach. Es ist Arbeit.

Segantini schrieb diese Texte vor über 100 Jahren. Gab es auch Passagen, wo Sie dachten, das kann man einem heutigen Publikum nicht zumuten?

Ganz: Ich gehöre nicht zur Fraktion jener, für die alles auf heute bezogen sein muss. Ich habe – auch durch meine lange Theaterarbeit – Respekt vor alten Texten, sie müssen für mich nicht modern sein oder etwas anklingen in mir, von dem ich denke, das ist heutig. Ich habe Lust, mich in den Raum zu versetzen, in dem diese Texte geschrieben wurden.

Christian Labhart, war für Sie von Anfang an klar, dass Sie Bruno Ganz für diesen Film wollten?

Christian Labhart: Bruno Ganz war mein Favorit. Es ist aber nicht einfach, an ihn heranzukommen. Ich begann, seiner Agentin Mails zu schreiben. Zuerst kam keine Antwort. Dann hiess es, er sei sehr beschäftigt. Ich blieb hartnäckig. Schliesslich kam eine Antwort von Bruno Ganz. Er habe mal ein Bild gesehen von Segantini im Kunsthaus Zürich – «Alpweiden», das im Film auch zu sehen ist. Seine Zusage freute mich sehr.

Wie wars mit Bruno Ganz im Studio?

Labhart: Toll. Es kam alles wie aus einem Guss. Wir hatten drei bis vier Stunden im Studio, bis die Texte gelesen waren.

Bruno Ganz, ich lese aus den Bildern von Segantini eine gewisse Melancholie heraus. Auch in vielen Ihrer Filmfiguren, die Sie verkörpern, ist oft eine starke Melancholie zu spüren. Gibt es eine Seelenverwandtschaft?

Ganz: Ich kümmere mich da nicht sehr drum. Früher habe ich mir darüber schon ab zu den Kopf zerbrochen, weil man das oft so als Vorwurf hört: Das passe nicht in unsere Zeit. Menschen haben eine gewisse Disposition. Vielleicht bin ich eher melancholisch als lustig. Man muss das als Mensch auf sich nehmen und dazu stehen.

Vor kurzem waren Sie hier im Open- Air-Kino Luzern im Film «Heidi» als Alpöhi zu sehen. Und da muss ich Ihnen jetzt schon einen Vorwurf machen: Als Alpöhi hatten Sie so einen wunderschönen Vollbart. Den haben Sie jetzt einfach abrasiert. Warum?

Ganz: (lacht, und mit ihm das Publikum) Weil ich den Bart nicht mag. Er ist zwar schön, wenn er fertig ist. Aber am Anfang kratzt er. Und wenn er etwas grösser wird, ertappt man sich dabei, dass man mit den Fingern in den Barthaaren rummacht.

Ich gestehe, dass ich bei einigen «Heidi»-Szenen vor Rührung weinte, etwa dort, wo Sie und Heidi sich nach langer Trennung auf der Alp richtiggehend in die Arme fliegen. Wie erleben Sie als Schauspieler solche Momente? Gehen da auch bei Ihnen die Emotionen hoch?

Ganz: Ja, schon. Aber ich muss es ja herstellen. Und ich muss das so machen, dass Sie weinen. In diesem Fall war es auch einfach, weil ich Anuk, die Heidi-Darstellerin, unheimlich mag. Ich bewundere Anuk, weil sie mir auch über Schwierigkeiten mit der Regie und so hinweghalf. Es war mir schon klar, worum es in dieser Szene geht, und natürlich sind die eigenen Emotionen beteiligt. Aber wie gesagt, als Schauspieler darf man nicht in den eigenen Emotionen versinken.

Hugo Bischof

Hinweis

Das Open-Air-Kino Luzern läuft noch bis 21. August. www.open-air-kino.ch

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