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KIRCHE: Ein Duell der Gegensätze

Am 4. Dezember entscheiden die Mitglieder der Katholischen Kirchgemeinde Luzern über die Neubesetzung der freien Stelle im Kirchenrat. Zur Wahl stehen zwei Kandidaten, die unterschiedlicher kaum sein könnten.
Roger Amberg
Sibylle Lehmann Scherer und Philipp Wilhelm. Bilder: PD

Sibylle Lehmann Scherer und Philipp Wilhelm. Bilder: PD

Wahlen in der Kirchgemeinde Luzern sind eine Rarität. Anders als in der Politik gibt es bei der Besetzung des Kirchenrates in Luzern meistens nicht mehrere Bewerber für ein Amt, sodass es gar nicht erst zu einer Wahl kommt. Doch in diesem Jahr ist alles anders: Nachdem sich im vergangenen Juni die Präsidentin des Kirchenrats, Rita Cavelti, von ihrem Amt zurückzog, findet nun die Ersatzwahl für die frei gewordene Stelle im Kirchenrat statt. Analog zur politischen Ebene mit dem Stadtrat stellt der Kirchenrat die Regierung der Kirchgemeinde Luzern dar. Zur Wahl für die verbleibende Amtsperiode bis 2018 stehen Philipp Wilhelm und Sibylle Lehmann Scherer. Einer von beiden wird mit grösster Wahrscheinlichkeit das Amt des Kirchmeiers – sprich des Finanzverwalters – einnehmen, nachdem die bisherige Amtsinhaberin Susanna Bertschmann einstimmig als neue Präsidentin des Kirchenrats vorgeschlagen wurde.

Mit Philipp Wilhelm kandidiert eine Person, die durchaus für Gesprächsstoff sorgen kann. Wilhelm präsidiert neben der ökumenischen Vereinigung Christlicher Unternehmer in der Zentralschweiz (VCU) auch die Zentralschweizer Abteilung von Pro Ecclesia, einer konservativen katholischen Volksbewegung, die sich zum Ziel gesetzt hat, die Grundwerte der katholischen Weltanschauung wieder vermehrt in der Schweizer Bevölkerung zu verankern. Wilhelm erklärt die Ziele der Vereinigung so: «Wie die Diskussion über die Entfernung christlicher Symbole in der Abdankungshalle des Luzerner Friedhofs zeigte, sollten wir Christen wieder vermehrt Zeugnis über unseren Glauben geben. Pro Ecclesia wirkt über Aktionen, Gebet und Information an der Neuevangelisierung in der Zentralschweiz mit.»

Wilhelm will mit Finanzkompetenz punkten

Dass seine Tätigkeit bei Pro Ecclesia bei der Kirchenratswahl zum Problem werden könnte, glaubt Wilhelm nicht: «Es ist wichtig, dass im Kirchenrat vielfältige Perspektiven und auch kritische Ansichten vertreten sind, ich würde das Gremium sicher bereichern.» Punkten will Wilhelm vor allem mit seiner Erfahrung im Finanzbereich. Der gebürtige Bayer hat an der Universität St. Gallen Betriebswirtschaften studiert, den Doktortitel erworben und leitet heute bei der Suva die interne Revision.

Zu den Gründen seiner Kandidatur sagt der 42-Jährige: «Die Kirche liegt mir am Herzen. Sie ist nicht ein Verein wie jeder andere, sondern eine von Gott gegründete Gemeinschaft. Darum möchte ich in den Kirchenrat meine Kompetenzen im Finanzbereich einbringen.» Insbesondere möchte Wilhelm dafür sorgen, dass die Finanzen für die richtigen Zwecke eingesetzt werden: «Als Kirchensteuerzahler hätte ich gerne eine grössere Sicherheit, dass richtig mit meinen Steuern umgegangen wird und mit den verfügbaren Mitteln die richtigen Ziele erreicht werden», erzählt Wilhelm.

Lehmann steht für den offenen Weg

Eine gänzlich anderes Kirchenbild vertritt Wilhelms Konkurrentin, Sibylle Lehmann Scherer. Die ETH-Geografin und ehemalige Kantonsrätin (Grüne) steht für einen offenen Kurs der Kirche: «Ich möchte meine Kraft dafür einsetzen, dass die Katholische Kirche der Stadt Luzern weiterhin offen ist – offen gegenüber anderen Konfessionen, Andersgläubigen, Geschiedenen, Homosexuellen, Flüchtlingen. Auch Frauen verdienen in der Kirche eine andere Stellung, sie tragen heute faktisch den Grossteil des kirchlichen Alltags.»

Die 47-jährige Geschäftslei­terin der Agentur für Umwelt und Kommunikation «Umsicht» möchte sich vor allem im sozialen Bereich engagieren: «Ich möchte dazu Sorge tragen, dass die Kirche Luzern ihre Kraft und ihr Geld weiterhin dort einsetzt, wo es der Seelsorge, der Jugendarbeit und den Schwachen und sozial Benachteiligten zugutekommt.» Bei ihrer Kandidatur kann sich Lehmann auf die Unterstützung der Pfarreiratspräsidierenden aller städtischen Pfarreien verlassen. Bill Lischer, Leiter der Konferenz der Pfarreiratspräsidierenden, erklärt den Entscheid für Lehmann: «Frau Lehmann ist eine aufgeschlossene und fachkompetente Person, ihr fortschrittliches Kirchenbild ist bei uns sehr gut angekommen.»

Lischer kann die Chancen von Wilhelm nicht beurteilen, doch er meint: «Ich kann mir nicht vorstellen, dass dieser konservative Hintergrund das richtige für den Kirchenrat wäre.» Mit den Zielen und der Weltanschauung von Pro Ecclesia und Philipp Wilhelm kann auch Sibylle Lehmann nur wenig anfangen: «Die Pro Ecclesia scheint mir für einen konservativen Kurs in der Katholischen Kirche zu stehen. Das läuft dem von mir gelebten und von einem Grossteil der Luzerner Katholiken gewünschten offenen Kirchenverständnis entgegen.»

Hinweis Am Donnerstag um 19.30 Uhr findet im Pfarreisaal St. Anton eine Podiumsdiskussion mit den Kandidaten statt.

Roger Amberg

Philipp Wilhelm. (Bild: pd)

Philipp Wilhelm. (Bild: pd)

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