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KIRCHE: Kreuzdebatte soll auf nationale Bühne

Der Kreuzstreit in der Stadt Luzern ist soeben abgeklungen. Nun will eine Vereinigung auf nationaler Ebene dafür sorgen, dass Kreuze in der Öffentlichkeit erhalten bleiben.
Guy Studer
Der Neue Rütlibund setzt sich dafür ein, dass christliche Symbole wie Kreuze weiterhin öffentlich sichtbar bleiben. (Bild: Keystone/Arno Balzarini)

Der Neue Rütlibund setzt sich dafür ein, dass christliche Symbole wie Kreuze weiterhin öffentlich sichtbar bleiben. (Bild: Keystone/Arno Balzarini)

Guy Studer

Der Luzerner Stadtrat sowie die Mehrheit des Stadtparlaments wollten die Einsegnungs- und Abdankungshallen im Friedhof Friedental «konfessionsneutral» gestalten. Kreuze sowie christliche Wandmalereien sollten aus den Räumen verbannt beziehungsweise hinter einer Gipswand versteckt werden. Es folgte ein Sturm der Entrüstung. Die CVP lancierte ein Referendum mit dem Ziel, dass christliche Symbole explizit im Friedhofsreglement erwähnt werden. Sogar die muslimische Gemeinde teilte öffentlich mit, dass sie mit den christlichen Symbolen keine Probleme habe.

Volk hat das letzte Wort

Die Reaktionen führten schliesslich zu einem Umdenken bei den Parteien – CVP und SVP hatten sich bereits in der ersten Debatte gegen die Vorlage gewehrt – und auch beim Stadtrat. Die Symbole sollen nur noch bei Bedarf, etwa durch Vorhänge, verhüllt werden können. Dennoch wird das Volk am 25. September über das von der CVP mit 1700 gültigen Unterschriften eingereichte Referendum abstimmen.

Auch sonst wirkt die Diskussion nach. Recherchen unserer Zeitung zeigen, dass der Neue Rütlibund (siehe Kasten) sich auf die Fahne geschrieben hat, die Diskussion aufs nationale Parkett zu hieven. Präsident Pirmin Müller, der für die SVP im Luzerner Kantonsrat sitzt, sagt: «Uns ist es wichtig, dass man nicht nur regional aktiv wird, sondern in der ganzen Deutschschweiz ein Zeichen setzt.» Er möchte verhindern, dass sich ein Entscheid, wie er in der Stadt ursprünglich gefällt wurde, wiederholt. «Wir sind ein christlich geprägtes Land, und das soll erkennbar bleiben durch Symbole im öffentlichen Raum. Der öffentliche Raum gehört nicht dem Staat oder einem Gericht, sondern der Gesellschaft.»

Ermuntert worden ist Müller durch zahlreiche Reaktionen auf den Luzerner «Kreuzstreit». Viele Leute seien auf ihn zugegangen «und haben mir gesagt: ‹Hier muss man Gegensteuer geben.›» Von der nun lancierten Petition erhofft er sich deshalb einiges: «Als Minimalziel haben wir uns 20 000 Unterschriften vorgenommen.» Diese sollen im November dem Bundesrat übergeben werden. Allerdings enthält die Petition keine konkrete Forderung, ein Gesetz oder gar die Verfassung anzupassen: «Das wäre zum jetzigen Zeitpunkt zu weit gegriffen. Uns geht es in erster Linie darum, auch Politiker auf nationaler Ebene zu ermuntern, eine breite und demokratische Diskussion anzustossen.» Müller will damit auch erreichen, dass die Bevölkerung bei diesem Thema das letzte Wort hat. «Wir sind überzeugt, dass eine Mehrheit der Bevölkerung hinter den christlichen Symbolen steht.»

Verein unter Müller moderater

Doch ist der Neue Rütlibund der richtige Absender für eine solche eher moderate Forderung? Die Vergangenheit zeigt, dass der Verein nicht viel Spass versteht, wenn Religion humoristisch dargestellt wird. So wurde unter Müllers Vorgänger vor mehreren Jahren der «Tages-Anzeiger» verklagt wegen einer Karikatur von Papst Johannes Paul II. «Uns ist der Respekt vor der Religion und dem Glauben sehr wichtig», sagt Müller dazu. Die Aktivität des Neuen Rütlibunds hänge aber auch ziemlich stark vom jeweiligen Präsidenten ab. Müller engagiert sich seit 2012 im Verein, seit 2015 ist er Präsident. Er gibt zu verstehen, dass neue Schwerpunkte gesetzt wurden: «Wir fokussieren uns inhaltlich auf die christliche Soziallehre.»

Kirche unterstützt Anliegen

Eine Umfrage bei Bistümern und Landeskirchen zeigt, dass der Neue Rütlibund auf Unterstützung zählen kann. So sagt Giuseppe Gracia, Sprecher des Bistums Chur: «Es ist gut, wenn diese Petition unterscheidet zwischen Staat und öffentlichem Raum.» Solange in dieser Gesellschaft viele Christinnen und Christen lebten, sei es auch richtig, wenn sich das im öffentlichen Raum spiegle in Form christlicher Symbole.

Beim Bistum Basel sieht man die Sache ähnlich, wenn auch offener: «Grundsätzlich gilt die Religionsfreiheit, deshalb macht ein Verbot von religiösen Symbolen keinen Sinn», sagt auf Anfrage Bistumssprecher Hans­ruedi Huber. Dies gelte natürlich für alle Religionen.

«Gesellschaft erträgt den Anblick»

Die Römisch-Katholische Landeskirche Luzern hat eine klare Haltung, was christliche Symbole im öffentlichen Raum betrifft: «Wir leben aus unseren christlichen Wurzeln und sind überzeugt, dass Glaube auch öffentlich sichtbar bleiben muss», teilt Synodalverwalter Edi Wigger auf Anfrage mit. Er ist zudem überzeugt: «Eine liberale Gesellschaft erträgt den Anblick religiöser Symbole.»

In ihrer Stellungnahme schreibt die Reformierte Kirche Kanton Luzern: «Als Kirchen stehen wir zu unseren Wurzeln und sind überzeugt, dass Glaube auch öffentlich sichtbar und in politischen Fragen vernehmbar bleiben muss», teilt sie unter anderem auf Anfrage mit.

Dezidiert für das Anliegen des Neuen Rütlibunds spricht sich Harald Rein, Bischof der Christkatholischen Landeskirche, aus: «Ich halte diese Petition für sinnvoll, da sich zurzeit auch ein militanter Säkularismus breitmacht. Die Leute ziehen in eine Wohnung neben einer Kirche ein und klagen dann direkt gegen das Glockengeläute oder das Kreuz auf dem Turm.»

Stramm christlich-konservativ

Der Neue Rütlibund ist ein 1990 gegründeter Verein mit knapp 400 Mitgliedern und Sitz in Zug. Er versteht sich selber als Verfechter der christlichen Soziallehre. In der Vergangenheit ist er etwa durch seinen Kampf gegen die Abtreibung wie auch gegen als Gotteslästerung empfundene Darstellungen in der Kunst und in den Medien aufgefallen. Ein Blick auf die Chronik auf der Website des Vereins offenbart eine stramm religiös-konservative Haltung.

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