KIRCHE: Malters wollte hoch hinaus

Die Kirche St. Martin in Malters hat den höchsten katholischen Kirchturm der Schweiz. Die Gemeinde verdankt ihre Kirche auch der Hilfe eines Willisauers.

Tamara Lipp
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Hoch, höher, am höchsten: Mit seinen 97,56 Metern ist der Kirchturm von Malters unübersehbar. Bild Pius Amrein

Hoch, höher, am höchsten: Mit seinen 97,56 Metern ist der Kirchturm von Malters unübersehbar. Bild Pius Amrein

Unverkennbar erhebt sich der Turm der St.-Martins-Kirche in Malters mit seiner nadelscharfen Turmspitze. Der 97,56 Meter hohe Kirchturm ist der höchste Turm der katholischen Kirchen in der Schweiz. Doch nicht nur der Turm ist eine Besonderheit: Zwar entspricht das Bauschema jener von Luzerner Landkirchen des 18. Jahrhunderts, doch Baumeister Fidel Obrist ging erstmals in wesentlichen Teilen vom damaligen barocken Kirchenschema ab. So erbaute er zwischen 1833 und 1835 eine der wenigen Sakralbauten einer klassizistischen Stilrichtung des Kantons Luzern. «Von Fachleuten wird unsere Kirche als eine der eindruckvollsten im Kanton bezeichnet. Sie hat einen klaren und eigenen Stil», sagt Diakon Kurt Zemp.

Grosszügiger Spender

Als Malters Ende des 18. Jahrhunderts die baufällige Kirche vergrössern und neu bauen wollten, fehlte das nötige Geld. So stiftete der Kaplan Urs Kreyen­bühl 1795 sein gesamtes Vermögen von rund 37 000 Gulden der Kirchgemeinde und finanzierte so die Hälfte der Baukosten. Grund: Er stammte aus Willisau, wo ihm die Altersfürsorge für Geistliche verweigert wurde. So ersuchte er Malters um diese Zusicherung, und die Gemeinde entsprach seinem Wunsch. «Der Kaplan wollte aus Dankbarkeit sein ganzes Leben lang sparen und lebte von der Hand in den Mund. Man kann sagen, dass wir den Willisauern unsere Kirche verdanken», erzählt Zemp. Doch nicht alle waren der Pfarrkirche dermassen wohlgesinnt. 1999 erschütterte ein Diebstahl die Kirchgemeinde. Vor dem rechten Seitenalter, der die liegende Skelettreliquie des Katakombenheiligen Jucundus enthält, war das Blumengesteck nicht am richtigen Ort. «Als ich die Blumen wieder geraderücken wollte, bemerkte ich, dass sein Haupt und das Herz fehlten», erzählt Sakristan Pius Fallegger. Der Dieb wurde zwar geschnappt, aber die gestohlenen Reliquien hat Malters nie zurückerhalten.

Ein Symbol der Macht

«Einer Erzählung nach wollten die Malterser sogar einen zweiten Kirchturm wie die Hofkirche in Luzern, dieser wurde jedoch nicht bewilligt», sagt Kurt Zemp. Mit der Grösse der Kirche und dem hohen Kirchturm wollte sich Malters klar gegenüber der Stadt und der Umgebung positionieren und Macht demonstrieren. Die Kirche hatte bei der Einweihung im Jahre 1835 1200 Sitzplätze. «Doch die Einwohner von Malters wollten eine mit 1800 Sitzplätzen», sagt der Diakon. Diese wurde jedoch von der Luzerner Regierung nicht bewilligt. «Damals zählte das Dorf ungefähr 3500 Einwohner, man wollte also für die Hälfte eine Kirche bauen. Im Vergleich zu heute müssten wir folglich eine Kirche mit 3500 Plätzen haben», sagt Zemp. Heute bietet die Kirche Platz für rund 900 Besucher.

Lichtdurchfluteter Innenraum

Bei der Restaurierung von 1975 bis 1977 wollte man «das Bauwerk von störenden jüngeren Zutaten befreien», wie es im Bericht der Denkmalpflege heisst. «Die Denkmalpflege wollte auf den ursprünglichen Zustand zurück, deshalb verzichtete man auf die farbigen Fenster, und die Deckengemälde wurden weiss übermalt», sagt Fallegger. Der lichtdurchflutete Innenraum erstrahle deshalb wieder in seiner Grossräumigkeit. «Wir werden oft auf die Helligkeit angesprochen», sagt Fallegger.

Im Zuge der Renovation wurde auch der liturgische Bereich gestaltet. «Die gemeinschaftsstiftende Anordnung mit den Querbänken so tief im Schiff vorne ist einmalig», sagt der Sakristan. Dort steht auch eine Statue des St. Martins, dem die Kirche geweiht ist. Der Soldat sitzt auf einem Pferd und teilt seinen Mantel mit dem Schwert für einen Bettler. «Er setzte sich stark für die Armen ein, und die Gemeinschaftsordnung unserer Kirche steht ganz in seinem Sinne», sagt Zemp.

Die bereits erschienenen Artikel der Serie finden Sie unter www.luzernerzeitung.ch/serien