KIRCHE: Reiden erhält «neuen» Priester

Marco Vonarburg wird in Kürze zum Priester geweiht. Der Weg dahin war lang und führte auch über intensive Gespräche mit dem Bischof Felix Gmür.

Ernesto Piazza
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Marco Vonarburg vor der Kirche in Reiden. (Bild: Eveline Beerkircher / Neue LZ)

Marco Vonarburg vor der Kirche in Reiden. (Bild: Eveline Beerkircher / Neue LZ)

Sein kleines, silbernes Christuskreuz – eingesteckt im dunklen Anzug – ist ein Hingucker. Auch optisch scheint das kommende Ereignis bei Marco Vonarburg bereits deutliche Spuren zu zeichnen. «Ja, ich habe mich entschieden, diesen Weg weiterzugehen», sagt er dann mit klarer Stimme und einem unverrückbaren Blick. Am 9. Juni wird nun der Diakon der Pfarrei Reiden-Wikon – als einer von zwei Kandidaten des Bistums Basel – in der Kathedrale St. Urs und Viktor in Solothurn von Bischof Felix Gmür zum Priester geweiht.

Wurzeln in der Ostschweiz

Es sei eine freudige Nervosität, die ihn langsam, aber sicher befalle, sagt der 36-Jährige. Und wer ihn reden hört, stellt unschwer fest: Seine Wurzeln liegen in der Ostschweiz – in Riedt bei Erlen TG. Seit rund eineinhalb Jahren arbeitet Marco Vonarburg als Diakon in Reiden. Momentan sind dies 55 Prozent für die Pfarrei Reiden-Wikon und 45 Prozent für den Pfarreiverbund Langnau und Richenthal. Und diese Pensen werden bleiben – auch nach dem 9. Juni.

Kartoffelfelder und Wälder

Was nach der Priesterweihe konkret auf ihn zukommt, kann er jedoch nicht abschätzen. Was er hingegen mit Bestimmtheit weiss: Dieser Entschluss sei für ihn ein Lebensentscheid. Und einer, der in einem langen Prozess reifte.

So führte ihn die Suche nach seinen tatsächlichen Präferenzen auch an den Stadtrand von Berlin. 30 Tage lebte er in einem Altersheim für Jesuiten. Und zwar an einem abgeschiedenen Ort, wo es praktisch nur Kartoffelfelder, Wälder und den Fluss Havel gibt. Dort genoss er die Ruhe und die Stille. Diese wurde jeweils nur einmal täglich für ein Gespräch mit seinem Vorgesetzten unterbrochen. Diese «Auszeit» nahm sich Vonarburg, kurz bevor er in Reiden die Stelle als Diakon antrat.

Den Entscheid, einen nächsten beruflichen Schritt zu machen – und durch die Weihe zum Priester vom Diakon zum Vikar zu «mutieren» –, fällte er im letzten Sommer. Erstmals öffentlich kommuniziert, hatte er ihn am Ende eines Gottesdienstes in Wikon. Zunächst ohne Reaktion der Gläubigen, wie er hinterher mit einer gewissen Ernüchterung feststellte. «Die Leute klatschten nicht, was mich den ganzen Abend beschäftigte», sagt er. Diese Enttäuschung hat sich bei ihm aber mittlerweile in grosse Vorfreude verwandelt. Er spüre seither bei der Bevölkerung viel Resonanz. Bereits sind zwei Carfahrten nach Solothurn organisiert und die ersten Anmeldungen eingetroffen.

Jesuitische Begleitung

Auf seinem langen Weg der Vorbereitung holte sich Marco Vonarburg auch geistliche Begleitung bei einem Jesuiten. Diese Glaubensausrichtung stimme bei ihm, sagt er. «Vor allem spricht mich die Spiritualität der Jesuiten an.» Deshalb nahm er mit Freude von der Wahl des neuen Papstes Franziskus I. Kenntnis. Mit ihm habe die Kirche einen neuen Hoffnungsträger erhalten, glaubt er.

Die liturgischen Vorbereitungsübungen wie Messe lesen oder Einführung in das Beichthören hat er bereits hinter sich. Ebenfalls all die administrativen Aufgaben wie einen Apéro organisieren oder Einladungen verschicken. Auch die beiden Gespräche mit Bischof Felix Gmür gehören der Vergangenheit an. «Dieser sehr intensive Austausch», wie Vonarburg sagt, bildete letztlich noch das Tüpfelchen auf das «i» für den erhaltenen «Priestervorschlag».

Vikar in anderer Pfarrei

Was seine künftige Arbeit als Seelsorger in der Pfarrei betrifft: Hier wird sich vorläufig nichts ändern. Er werde wirken wie bisher, betont er. Auch den Befürchtungen aus seinem Umfeld, «jetzt ändert sich alles bei dir», will er widersprechen. «Ich hoffe sehr, dass ich so bleibe, wie ich bin, und von den Gläubigen auch weiterhin so wahrgenommen werde.» Denn: Er möchte weiter ein positiv denkender Mensch bleiben – und durchaus einer mit Ecken und Kanten. Jedoch schliesst er nicht aus, dass sein beruflicher Weg weitergeht. Und dass er in zwei bis drei Jahren – dann als Vikar – wieder eine andere Pfarrei kennen lernen wird.