Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

KIRCHENREFORM: Luzerner Katholiken finden orthodoxe Ehe attraktiv

In orthodoxen Kirchen darf man bis zu dreimal heiraten. Die katholische Kirche der Stadt Luzern findet dies vorbildlich.
Simon Bordier
Bei den Katholiken darf man nur einmal kirchlich heiraten. Dies möchte die katholische Kirche Stadt Luzern ändern. (Bild: Getty)

Bei den Katholiken darf man nur einmal kirchlich heiraten. Dies möchte die katholische Kirche Stadt Luzern ändern. (Bild: Getty)

Simon Bordier

Reformorientierte Katholiken blicken in letzter Zeit öfters nach Osten zu den christlich-orthodoxen Kirchen. Diese leben seit über einem Jahrtausend vor, was man sich künftig in der eigenen Kirche wünscht: dass sich Eheleute scheiden lassen und wieder heiraten dürfen, ohne als kirchenrechtliche «Sünder» dazustehen. Die katholische Kirche der Stadt Luzern findet, man solle «von den Orthodoxen lernen», wie dem Abschlusspapier des Synodengesprächs der städtischen Pfarreien zu entnehmen ist. Das Papier wurde für die von Papst Franziskus einberufene Bischofssynode im Herbst verfasst, wo unter anderem der künftige Umgang mit Wiederverheirateten und das orthodoxe Modell Thema sein werden.

«Reue und Busse erwartet»

«Das starre Kirchenrecht wird den Problemen von Geschiedenen und Wiederverheirateten nicht gerecht», sagt Urban Schwegler, Kommunikationsverantwortlicher der Katholischen Kirche Stadt Luzern. Die Kirche müsse den Menschen in ihrer Not Hand bieten. «Stattdessen verlangt das Kirchenrecht, sie von der Kommunion auszuschliessen und ihren künftigen Partnerschaften den Segen zu verweigern», sagt Schwegler. Er würde es befürworten, wenn beispielsweise wie bei den Orthodoxen bis zu drei Eheschliessungen erlaubt wären. Es gehe dabei nicht um den rein rechtlichen Aspekt: «Die orthodoxe Tradition ist insofern eindrücklich, als sie Reue und Busse von den Geschiedenen erwartet, ihnen aber auch barmherzig entgegenkommt und Perspektiven aufzeigt.» Schwegler weist darauf hin, dass die römisch-katholische Kirche dogmatisch und kirchenrechtlich gesehen mehr Gemeinsamkeiten mit den orthodoxen Kirchen aufweise als mit der evangelisch-reformierten Tradition. So auch in der Auffassung der Ehe: Für Katholiken zählt sie als ein von Gott geschaffener Bund zu den sieben Sakramenten, während die evangelisch-reformierte Kirche in ihr primär «ein weltlich Ding» (Luther) sieht. Das Jawort auf dem Standesamt ist daher die Voraussetzung für die Trauung in der reformierten Kirche.

Augustin Sokolovski ist orthodoxer Theologe an der Universität Freiburg und Diakon der russisch-orthodoxen Kirche. Er sagt: «Ähnlich wie in der katholischen Kirche, gilt die Ehe in den orthodoxen Kirchen als Sakrament.» Der Kirchenalltag der Katholiken sei stark durch theologische Sichtweisen geprägt, die über Jahrhunderte systematisch entwickelt worden seien. «In der Geschichte der Ostkirchen hat es keine vergleichbare Tradition gegeben.» Regeln würden daher «flexibel» gehandhabt, so Sokolovski.

Auch die Vorstellung der «Unauflöslichkeit der Ehe» sei in den Ostkirchen nicht so stark ausgeprägt wie bei Katholiken. «Natürlich glaubt und hofft man, dass die Ehe für immer hält», sagt Sokolovski. Allerdings gebe es die Formulierung «bis dass der Tod euch scheidet» bei orthodoxen Trauungen gar nicht. Scheidungen und neue Eheschliessungen seien in allen orthodoxen Kirchen möglich. «In manchen Kirchen braucht man bloss die zivilrechtlichen Scheidungspapiere vorzuweisen, um wieder heiraten zu können, andere Kirchen fragen nach Gründen und stellen hohe moralische Anforderungen», sagt er.

Gemeinsame Wurzeln

Dass katholische Reformer die orthodoxe Tradition zum Vorbild nehmen, findet er aufgrund der gemeinsamen Geschichte nachvollziehbar. Das Recht auf dreimalige Eheschliessung gehe bis auf den Kirchenvater Basilius von Caesarea (330–379) und auf den byzantinischen Kaiser Leo den Weisen (866–912) zurück. «Das war in der Zeit, als Ost- und Westkirche in Lehre und Praxis noch weitgehend verbunden waren», so Sokolovski. Das Beispiel der orthodoxen Kirchen zeige, «dass Scheidungen nicht erst eine Herausforderung der Gegenwart sind, sondern in einer über 1500-jährigen christlichen Tradition zu finden sind.»

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.