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KKL: Bei diesem Konzert darf das Publikum mitreden

Vor 50 Jahren wurde die Kantonsschule Alpenquai Luzern eröffnet: Zum Jubiläum gibt es nun ein spezielles Konzerterlebnis. Eine Rolle spielt dabei auch ein Musical, das gleich alt ist wie die Schule.
Der amerikanische Komponist David Lang probt mit den Luzerner Kantischülern. (Bild: Pius Amrein (Luzern, 12. März 2018))

Der amerikanische Komponist David Lang probt mit den Luzerner Kantischülern. (Bild: Pius Amrein (Luzern, 12. März 2018))

Wenn 1800 Menschen gleichzeitig das glücklichste Ereignis ihrer Kindheit erzählen, ergibt sich ein besonderer Moment. Vielleicht gar Magie. Morgen Mittwoch und am Donnerstag ist es im Kultur- und Kongresszentrum Luzern (KKL) um 19.30 Uhr so weit. Dann führen Schülerinnen und Schüler der Kantonsschule Luzern mit dem Luzerner Sinfonieorchester ein Werk von US-Komponist David Lang auf, in dem das Publikum aktiv mitmacht.

Das Konzert ist der Haupt-Event zum Jubiläum «50 Jahre Kantonsschule Luzern am Alpenquai». Die Schülerinnen und Schüler bereiten sich seit Monaten auf das aussergewöhnliche musikalische Ereignis vor. Gestern Nachmittag trafen sie sich in der Kanti-Aula zur Hauptprobe mit David Lang und dem Dirigenten André de Ridder.

Begegnungen – laut oder flüsternd

Die Spannung ist spürbar, die gegenseitige Begrüssung herzlich. Der 60-jährige David Lang, einer der weltweit renommiertesten zeitgenössischen Komponisten, Dozent an der Yale School of Music und Pulitzer-Preisträger, ist soeben aus New York eingeflogen. Er spricht kein Deutsch. De Ridder übersetzt, wenn nötig. Es ist fast nicht nötig, denn die Sprache der Musik ist international.

Dann beginnt die Probe. Zuerst müssen die Schülerinnen und Schüler die Buchstaben des Alphabets flüstern – nicht koordiniert, in willkürlichem Ablauf, «überlappend». Ein kurzes Innehalten. Hat es dem Komponisten gefallen? «This is good», sagt Lang. Dann gilt es gemeinsam laut oder flüsternd Fragen zu beantworten, eben nach der glücklichsten Kindheitserinnerung oder der «ersten Begegnung mit jemandem, der nicht Ihre Sprache sprach». Was sage ich? Wie laut und deutlich sage ich es? Will ich, dass es mein Nachbar hört? Nach anfänglicher Unsicherheit tauen die Schüler auf. Dirigent de Ridder dirigiert, fordert diesen und dann jenen Teil des Saals zum Lauter- und Leiserwerden auf. «Perfect», freut sich Lang.

In vier Gruppen, nach Klassenstufen getrennt, wurde die Performance gestern geübt. Über 1550 Schülerinnen und Schüler zählt die Kanti Alpenquai. Dazu kommen gut 200 Lehrerinnen und Lehrer. Total fast 1800 Personen. So viele, wie der grosse KKL-Konzertsaal Plätze hat. Alle werden im KKL dabei sein, eine Hälfte am Mittwoch, die andere am Donnerstag, sodass es immer auch Platz für andere Konzertbesucher hat. Denn auch diese können nach einer kurzen Einführung aktiv mitmachen.

Im zweiten Teil Dvoráks Achte

«Harmony and understanding for orchestra and audience» heisst die Komposition, die Lang für das Kanti-Jubiläum schuf und die in Luzern uraufgeführt wird. Es ist ein Zitat aus dem Song «Aquarius» des Musicals «Hair». Dieses feiert heuer ebenfalls sein 50-Jahr-Jubiläum, eine witzige Koinzidenz. Lang bezeichnet seine einsätzige Komposition als «kleine Utopie, in der die Welt für diesen kleinen Zeitabschnitt perfekt sein wird». Die Musiker des Luzerner Sinfonieorchesters erhielten eine fertig komponierte Partitur. Bei der Interaktion mit dem Publikum gibt es Variationsmöglichkeiten. Orchester-Intendant Numa Bischof-Ullmann ist begeistert von der Zusammenarbeit mit David Lang: «Er ist ein wirklicher Weltstar. Ich bin stolz, dass wir ihn für das gemeinsame Projekt gewinnen konnten.» Im zweiten Teil wird das Luzerner Sinfonieorchester die 1890 uraufgeführte Sinfonie Nr. 8 G-Dur von Antonín Dvorák aufführen.

«Ein Konzert, in dem das Publikum zum Akteur wird, ist ein Experiment», sagt Kanti-Prorektor Stefan Graber. «Die Kanti Alpenquai wagt das Experiment im Bewusstsein, dass sich darin eine zentrale Aufgabe gymnasialer Bildung manifestiert: der offene, neugierige Umgang mit Ungewohntem, mit Neuem.» Wie reagieren die Schüler auf das Projekt? «Es zeigt uns, was man mit Musik machen kann», sagt Fünftklässlerin Anouk Jans, «und zwar mit einer Musik, die bei uns Jungen eigentlich nicht populär ist.» Dass sie jetzt vermehrt solche Musik hören werde, glaubt sie aber nicht: «Es ist spannender, selber mitzumachen als nur zuzuhören.» Der 16-jährige Manuel Andergassen stimmt zu: «Es entsteht eine ganz andere Energie, wenn man selber beteiligt ist. Das ist etwas ganz Wichtiges.»

Die Kantonsschule Luzern ging aus dem 1574 gegründeten Jesuitengymnasium hervor. 1967/68 zügelte sie in den Neubau am Alpenquai. Zuvor hatte sie ihren Standort am Hirschengraben. Das 50-Jahr-Jubiläumsfest wird am Freitag, 28. September, stattfinden.

Hugo Bischof

hugo.bischof@luzernerzeitung.ch

Hinweis

Tickets: www.sinfonieorchester.ch oder Abendkasse.

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