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KKL: Damit die Orgel im KKL wieder königlich klingt

Zum ersten Mal seit ihrem Bau vor 16 Jahren wird die Orgel im Konzertsaal gereinigt und neu gestimmt. Wir werfen einen Blick über die Schulter der Orgelbauer.
Beatrice Vogel
Oben: Orgelbauer Christian Kubli beim Stimmen im Innern der KKL-Orgel. Unten: eine Zungenpfeife. (Bilder Pius Amrein)

Oben: Orgelbauer Christian Kubli beim Stimmen im Innern der KKL-Orgel. Unten: eine Zungenpfeife. (Bilder Pius Amrein)

Beatrice Vogel

16 Jahre alt ist die Königin der Instrumente, jung für ihresgleichen. Und doch ist sie buchstäblich verstaubt. «Stellen Sie sich vor, Sie würden auf Ihrem Kleiderschrank 16 Jahre lang nicht abstauben. In dieser Zeit sammelt sich viel Staub an – auch in den Orgelpfeifen», sagt Orgelbauer Christian Kubli. Er, Lukas Goll sowie weitere Kollegen revidieren derzeit die Orgel im KKL.

So eine Revision ist alle 15 bis 20 Jahre nötig. Dabei werden die Pfeifen und das Gebläse von Schmutz und Staub gereinigt sowie die Mechanik nachreguliert und das Instrument neu gestimmt. Jede Pfeife wird einzeln gereinigt – von der Kleinsten, die gerade mal 15 Millimeter gross ist, bis zur Grössten mit 7 Metern Höhe. «Im KKL ist es recht trocken, sodass wir das Meiste mit dem Staubsauger machen können», erklärt Christian Kubli. In Kirchen seien Orgelpfeifen oft vom Kerzenruss verklebt. «Dafür gehen hier viele Leute aus und ein, und durch den Lüftungskreislauf wird der Staub im ganzen Raum verteilt», sagt Lukas Goll.

Orgelbauer Christian Kubli beim Stimmen im Innern der KKL-Orgel. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)
Die Orgel im KKL Konzertsaal ist 16 Jahre alt. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)
Die beiden Orgelbauer Christian Kubli (links) und Lukas Goll stimmen die Orgel. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)
Blick aus dem Orgelinnern durch die Pfeifen hinaus in den Konzertsaal. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)
Staubablagerungen - hier auf den Vertikalpfeifen - welche unter anderm gereinigt werden müssen. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)
Der Test darf nicht fehlen: Christian Kubli drückt auf die Tasten. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)
Alle 15 bis 20 Jahre ist eine Revision nötig. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)
Lukas Goll begutachtet die Pfeiffen. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)
Bei der Revision werden die Pfeifen und das Gebläse von Schmutz und Staub gereinigt sowie die Mechanik nachreguliert und das Instrument neu gestimmt. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)
Eine Zungenpfeife (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)
10 Bilder

Revision der KKL-Orgel

Gutes Gehör ist gefragt

Lukas Goll ist ein Abkömmling des Orgelbauers und Firmengründers Friedrich Goll (1839–1911). Die Orgelbau Goll AG Luzern blickt auf eine lange Tradition zurück und ist eine der wenigen grossen Orgelbaufirmen der Schweiz. Sie beschäftigt 18 Mitarbeiter, inklusive der Geschäftsführer und Inhaber Simon Hebeisen und Beat Grenacher. Die KKL-Orgel wurde von der Firma Goll gebaut und am 17. August 2000 eingeweiht. Beim Bau der Orgel dabei war auch schon Christian Kubli. Er spielt selbst Orgel, allerdings nicht besonders oft. Es ist von Vorteil, wenn man als Orgelbauer das Instrument beherrscht. Gerade beim Stimmen der Pfeifen braucht es ein gutes Gehör.

Sieht man eine Orgel von innen, begreift man erst, wie komplex dieses Instrument ist. Die KKL-Orgel funktioniert rein mechanisch, nur die optionale Registerprogrammierung ist elektronisch. Schlägt man auf der Klaviatur einen Ton an, wird die Bewegung über einen Draht nach oben geleitet. Dadurch wird ein Ventil geöffnet, durch die Pfeife strömt Luft und ein Ton erklingt. Dafür muss aber das Register geöffnet sein – dieses steuert der Organist, indem er die Registerzüge genannten Knäufe zum Einschalten herauszieht und zum Abschalten wieder hineinschiebt.

Pfeifen aus Fichtenholz

Die KKL-Orgel besitzt 4387 Pfeifen, die in 66 Register (Pfeifenreihen mit gleicher Klangfarbe) geordnet sind. Die meisten Pfeifen sind aus Metall – Zinn und Blei –, einige grosse sind aus Holz. Im KKL wurde Fichtenholz verwendet.

Wie Lukas Goll und Christian Kubli erklären, gibt es zwei Pfeifentypen: Labialpfeifen, bei denen wie bei Blockflöten der Ton durch die Brechung des Luftstroms erzeugt wird, und Zungenpfeifen, die wie Klarinetten ein Plättchen besitzen, durch dessen Schwingung und den Aufschlag auf sein Gegenstück, die Kehle, der Ton erzeugt wird. Die Zungen sind aus Messing, die Dünnste ist nur 0,06 Millimeter dick. «Zungenpfeifen sind sehr heikel», sagt Christian Kubli. «Gerät Staub zwischen Zunge und Kehle, kann sich der Klang völlig verändern.» Bei Kirchenorgeln komme es ab und zu vor, dass eine Fliege in einer Zungenpfeife verendet. «Dann gibt die Pfeife keinen Ton mehr von sich.» Im KKL wird die Luft allerdings so gefiltert, dass keine Insekten in den Saal eindringen können.

Zauberer am Werk

Wenn Kubli und Goll die Orgel nach der Reinigung stimmen, hören sie sich jede Pfeife genau an. Ist der Klang zu hoch oder zu tief oder hört man Vibration im Ton, muss die Pfeife gestimmt werden. Labialpfeifen stimmt man, indem wie bei einer Sardinenbüchse am oberen Ende der Pfeife ein Stück Metall ab- oder aufgerollt wird, sodass sich die Länge der Pfeife verändert. Bei Zungenpfeifen kann reguliert werden, wie gross der Teil der Zunge ist, der schwingt. Wird er verkürzt, ist der Ton höher.

Schaut man den beiden Männern beim Stimmen einer Zungenpfeife zu, kommen sie einem vor wie Zauberer. Da wird die Pfeife auseinandergebaut, die Zunge mit einem runden Metallwerkzeug leicht gebogen, die Pfeife wieder zusammengebaut, eingesetzt und dann während des Spielens die richtige Zungenlänge eingestellt. Für Laien ist es ein Rätsel, wie dies alles so schnell und präzise funktioniert. «Vieles ist Erfahrungssache», schmunzelt Christian Kubli. Und Orgelbauer sind handwerkliche Allrounder: «In der Lehre lernt man hobeln, sägen, löten, schweissen, aber auch elektrotechnische Arbeiten.» Dies, weil die Firma Goll praktisch alles intern herstellt – von Holz- und Metallpfeifen bis hin zu den filigranen Teilen in der Mechanik. Die vielseitige Arbeit mache denn auch den Reiz des Berufs aus, so Kubli, und fügt an: «Man muss infiziert sein.»

«Jede Orgel ist besonders»

Und was ist für die beiden aussergewöhnlich an der KKL-Orgel? «Jede Orgel ist etwas Besonderes», sagt Christian Kubli. Etwas Seltenes seien die sogenannten Chamaden, die Pfeifen, die horizontal in den Raum ragen und klingen wie imposante Fanfaren. «Und auch der Arbeitsort ist besonderes», ergänzt Lukas Goll.

Die KKL-Orgel wurde letzte Woche revidiert, und auch in den nächsten Wochen finden noch Arbeiten statt. Da aber der Saal oft genutzt wird, ist das Zeitfenster für die Revision sehr klein. Deshalb wird dieses Jahr nur ein Teil gemacht. Die ganze Revision wird in Etappen drei bis vier Jahre dauern.

Weitere Impressionen von der KKL-Orgel auf www.luzernerzeitung.ch/bilder

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