Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

KKL: Das KKL als Initialzündung für Luzerns Postkarten-Image

Wie hat der architektonische Leuchtturm die Stadt verändert? Dieser Frage sind deutsche Forscher nachgegangen. Ihr Fazit: Das traditionelle Postkarten-Image ist an Luzern haften geblieben. Es wurde aber nicht das volle Potential ausgeschöpft.
Robert Knobel
Forscher haben den Einfluss des KKL auf die Stadt untersucht. (Archivbild: Roger Grütter)

Forscher haben den Einfluss des KKL auf die Stadt untersucht. (Archivbild: Roger Grütter)

Robert Knobel

robert.knobel@luzernerzeitung.ch

Der Bau des KKL 1998 war ein Meilenstein in der Luzerner Stadtgeschichte. Die Stadt leistete sich nichts weniger als einen kulturellen und architektonischen Leuchtturm, auf den andere Städte noch heute neidisch blicken. Kein Wunder, wurden immer wieder Parallelen zur spanischen Stadt Bilbao gezogen. Diese sorgte 1997 mit dem Bau des Guggenheim-Museums für weltweites Aufsehen. Das architektonisch spektakuläre Gebäude katapultierte die nordspanische Provinzstadt mit einem Schlag in die Liga der internationalen Top-Destinationen.

Ist Luzern wirklich mit Bilbao vergleichbar? Welchen langfristigen Einfluss hatte das KKL auf die Selbst- und Aussensicht der Stadt Luzern? Solche Fragen untersuchten Forscher der Technischen Universitäten München und Berlin sowie der HafenCity Universität Hamburg. Die Resultate der mehrjährigen Forschungsarbeit «Star-Architektur und ihr Einfluss auf die Stadt» wurden vor wenigen Tagen präsentiert. Das KKL ist dabei eines von drei untersuchten Beispielen – neben dem Kunsthaus Graz und dem Wissenschaftszentrum «Phaeno» in Wolfsburg.

Ein Gebäude allein reicht nicht

Eines vorweg: Ein eigentlicher «Bilbao-Effekt» ist in keinem der drei Fälle eingetreten. In Luzern ermöglichte das neue Kultur- und Kongresszentrum vor allem dem Lucerne Festival, sich definitiv in den illustren Kreis der weltgrössten Musikfestivals zu hieven. Eine umfassende Neupositionierung der ganzen Stadt blieb hingegen aus. «Der Bilbao-Effekt wird oft als vereinfachte Formel für Politiker, Stadtplaner und Wirtschaftsförderer herangezogen. Doch die Realität ist wesentlich komplexer», sagt Alain Thierstein, Professor für Raumentwicklung an der Technischen Universität München. So habe auch in Bilbao nicht das neue Museum allein für den Quantensprung der Stadt gesorgt. «Der Museumsbau wurde begleitet von zahlreichen weiteren Massnahmen. Dazu gehörten die umfassende Aufwertung der Innenstadt sowie die Förderung von Startups», sagt Thierstein.

Übertragen auf Luzern bedeutet dies: Das KKL diente als Initialzündung für eine spektakuläre Entwicklung, deren Potenzial aber nicht ausgeschöpft wurde. Dabei wäre Luzern ganz nahe dran gewesen, den «KKL-Effekt» mit einem neuen, aufsehenerregenden Opernhaus zu multiplizieren und das Renommee als internationale Musikstadt weiter zu erhöhen. Doch die «Salle Modulable» scheiterte bekanntlich 2016 am Veto des Kantonsrats. Die deutschen Forscher analysierten auch das «Salle»-Drama und kamen zum Schluss, dass das Scheitern des Musiktheaters keine Überraschung war. «Man wollte mit der Salle Modulable die KKL-Erfolgsgeschichte fortführen. Doch vieles, was man beim KKL richtig gemacht hat, ist beim zweiten Mal falsch gelaufen», sagt Alain Thierstein.

Das Erfolgsrezept des KKL war zunächst die frühe Einbindung von lokalen Vereinen und der Alternativkultur. Doch Thierstein erinnert daran, dass auch das KKL-Projekt zeitweise auf der Kippe stand. Nach heftigen Turbulenzen rund um das Konzerthaus-Projekt von Rodolphe Luscher war klar, was es nun brauchte: Einen internationalen Star-Architekten (Jean Nouvel), einen Star-Akustiker (Russell Johnson), der einen der weltbesten Konzertsäle bauen sollte, und schliesslich mit Claudio Abbado einen Star-Dirigenten, der dem Haus auch inhaltlich Exzellenz-Status verlieh. Diese hochkarätige Kombination brachte das KKL letztlich zum Fliegen. «Und dies fehlte bei der Salle Modulable», sagt Alain Thierstein und fügt hinzu: «Vielleicht verliess man sich zu lange auf das Geldgeschenk von aussen.»

Car-Touristen bevorzugen die Kapellbrücke

Für ihre Studien haben die Forscher Medienberichte analysiert und zahlreiche Interviews mit damaligen Schlüsselpersonen geführt. Und sie haben auch soziale Medien unter die Lupe genommen. So haben sie festgestellt, dass auf Flickr das KKL nach der Kapellbrücke das zweithäufigste fotografierte Sujet in Luzern ist. Der Abstand ist allerdings immens: Es finden sich doppelt so viele Bilder der Kapellbrücke wie vom KKL.

Der Nouvel-Bau schaffte es bisher also nicht, das traditionelle «Postkarten-Bild» Luzerns zu ändern. Der Hauptgrund sei, dass Luzern immer noch weitgehend auf Kurzzeit-Cartouristen ausgerichtet sei, findet Thierstein. Diese haben kaum Berührungspunkte mit dem KKL. Natürlich sorgt das Kulturzentrum für zusätzliche Hotelübernachtungen und lockt den einen oder anderen Architekturfan nach Luzern. Gemäss der Uni St. Gallen generiert das KKL eine Wertschöpfung von 75 Millionen Franken pro Jahr. «Doch angesichts der Masse an Tagestouristen fällt dies einfach nicht genügend ins Gewicht», bilanziert Thierstein.

Die Forschungsarbeit (auf Englisch) finden Sie auf: <b>www.luzernerzeitung.ch/bonus</b>

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.