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Klassenchats: Kanton Luzern empfiehlt Lehrern Verzicht auf Whatsapp

Der Kanton empfiehlt seinen Lehrkräften, bei der Errichtung von Klassenchats künftig auf Whatsapp zu verzichten. Gleichzeitig sollen die Schüler über die datenschutzrechtlichen Probleme der App aufgeklärt werden.
Lucien Rahm
Neue Klassenchats sollen nicht mehr über Whatsapp geführt werden, empfiehlt der Kanton. Bild: Pius Amrein (2. September 2014)

Neue Klassenchats sollen nicht mehr über Whatsapp geführt werden, empfiehlt der Kanton. Bild: Pius Amrein (2. September 2014)

Luzerner Lehrer sollen künftig ihre Klassenchats nicht mehr mithilfe von Whatsapp betreiben. Dies empfiehlt ein aktuelles Merkblatt der Dienststelle Volksschulbildung. Mit ein Grund: Whatsapp hat Ende Mai in seinen Nutzungsbestimmungen das Mindestalter für seine Nutzer auf 16 Jahre angehoben. Ein Oberstufenschüler ist in der Regel jünger als 16 Jahre.

Allerdings macht sich niemand strafbar, wenn er die Chat-App weiterhin nutzt, obwohl er noch nicht dieses Alter hat. Lediglich die Nutzungsbedingungen würden verletzt.

Das Merkblatt sei denn auch einfach eine Empfehlung an die Lehrkräfte, sagt Katrin Birchler, Leiterin Rechtsdienst der kantonalen Dienststelle Volksschulbildung. «Wenn diese aber eine bestehende Whatsapp-Gruppe weiterhin nutzen möchten, ist das nicht schlimm, weil es nicht illegal ist.» Bisherige User würden wohl sowieso weiterhin Whatsapp nutzen und hätten den neuen Bedingungen mittlerweile zugestimmt, ohne 16 Jahre alt zu sein, vermutet Birchler. Kontrolliert wird ihr Alter vom App-Betreiber nicht.

«An den Schulen herrschte Verwirrung, wie nun mit Whatsapp umzugehen ist.»

«Datenschutzrechtlich problematisch»

Zur Herausgabe des Merkblattes habe man sich veranlasst gesehen, weil im Zuge der Altersanhebung und der zugehörigen Medienberichterstattung viele Schulleitungen mit Fragen an die Dienststelle herangetreten seien. «An den Schulen herrschte Verwirrung, wie nun mit Whatsapp umzugehen ist», sagt Birchler. Daher habe man ihnen eine Übersicht über die rechtlichen sowie pädagogischen Aspekte des Themas bieten wollen. Die Diskussion biete den Lehrern eine gute Gelegenheit, nebst den Nutzungsbestimmungen die Bereiche Persönlichkeits- und Datenschutz mit ihren Schülern zu besprechen. Zwar wäre dies auch zuvor schon eine gute Idee gewesen, gibt Birchler zu. Doch die Thematik sei nun durch die Unsicherheiten rund um die Klassenchats erst richtig aufgekommen.

Die Thematisierung des Datenschutzaspektes mit den Schülern scheint sinnvoll. Denn Whatsapp greift beispielsweise auf die Kontaktdaten auf dem Natel des Benutzers zu – auch auf jene von Leuten, welche den Dienst selber nicht nutzen und der Weitergabe ihrer Daten somit nicht zugestimmt haben. Dies sei «aus datenschutzrechtlicher Sicht problematisch», heisst es im Merkblatt. Auch die Weiterleitung von Fotos solle mit den Schülern angeschaut werden.

Für die Errichtung neuer Klassenchats empfiehlt das Merkblatt den Lehrkräften, auf Whatsapp zu verzichten und stattdessen die App Wire zu nutzen. Diese sei kostenlos, ohne Altersbeschränkung und seine Server stünden in Europa. Zudem sei die App auch «datenschutzrechtlich unproblematisch». Bei der Wahl habe man sich an einer App-Analyse des Zürcher Datenschutzbeauftragten orientiert, sagt Birchler.

Schwyzer App sicher aber nicht kostenlos

Auch Social-Media-Experte Philippe Wampfler gibt der vorgeschlagenen App gute Noten: «Wire ist durchaus zu empfehlen». Punkto Sicherheit und Datenschutz schneidet der Chat- und Telefondienst im Vergleich mit anderen Apps gut ab. Auch das Schweizer Produkt Threema weist hierbei vergleichbar gute Eigenschaften auf. Die App des Entwicklers mit Sitz im schwyzerischen Pfäffikon kostet den Nutzer allerdings drei Franken.

Wie sich eine App finanziert, könne jedoch ebenfalls ein relevanter Aspekt sein, sagt Wampfler. Eine kostenlose App könne das Geschäftsmodell haben, Daten zu sammeln, um sich für einen späteren Kauf durch ein anderes Unternehmen attraktiv zu machen. Dann wäre die neue Lösung auch keine nachhaltige. Wampfler gibt auch zu bedenken, dass eine datenschutzrechtlich einwandfreie App wenig bringe, wenn ihre Nutzer problematischere Installationen wie Whatsapp, Facebook oder Instagram nicht von ihren Handys löschen würden. Dann würden die Kontaktdaten auf einem Natel eventuell weiterhin an diese Apps übertragen.

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