Klassenlager
«Solche Projekte geben den jungen Menschen Träume und Ziele» – Eschenbacher Schüler radelten nun doch durch die Schweiz

Der Eschenbacher Oberstufenlehrer Daniel Blättler hatte sich dafür eingesetzt, dass der Kanton Luzern sein Verbot für Klassenlager kippte. Am Sonntag kamen er und seine Schülerinnen und Schüler der 3. Sek von ihrer siebentägigen Velotour von Mustair in Graubünden zum äussersten Zipfel des Kantons Genf zurück.

Salome Erni
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Daniel Blättler setzte sich für die Velotour ein.

Daniel Blättler setzte sich für die Velotour ein.

Bild: Pius Amrein (13. März 2019, Luzern)

Nach über 500 gefahrenen Kilometern stehen die Velos nun wieder zu Hause. Sie sind gerade damit beschäftigt, an die hundert Belege für die abschliessende Buchhaltung zu sortieren. Da war wohl auch die Planung aufwendig?

Das Veloprojekt entstand zum zweiten Mal im Rahmen eines Freifachs der 3. Sek. Vor über einem Jahr fand die Anmeldung statt, ab August trainierten wir unsere Ausdauer. Daneben planten die Schüler und Schülerinnen in kleinen Gruppen ausserhalb des Unterrichts unsere Tour: Sponsoring, Öffentlichkeitsarbeit, Unterkünfte, Verpflegung, Strecke, eigene Website und Design unserer einheitlichen Trikots. Mitte März stand das Projekt.

Und dann kam die Bremse des Kantons.

Genau. Die Ankündigung, dass keine Schullager stattfinden dürfen, war zunächst ein Schock. Ich erhielt viele enttäuschte Telefonanrufe und konnte inhaltlich nicht hinter der Argumentation des Kantons stehen, welcher sich trotz Impffortschritt auf die Planungssicherheit berief. Also lancierte ich innert drei Tagen zusammen mit vier Lernenden, einer Kinderärztin sowie weiteren Personen ein Video und forderte den Kanton auf, den Entscheid zu überdenken.

Die 3.-Sek-Schülerinnen und Schüler des Freifachs während ihrer Velotour quer durch die Schweiz.

Die 3.-Sek-Schülerinnen und Schüler des Freifachs während ihrer Velotour quer durch die Schweiz.

Bild: Daniel Blättler

Schlussendlich hatte das Anliegen Erfolg. Was waren die Schutzbestimmungen?

Wir machten einen Schnelltest vor der Abfahrt und testeten uns zwischendurch zweimal mit einem Selbsttest. Ausserdem blieben die Zimmer- und Essgruppen immer konstant und wir hatten keinen engen Kontakt mit Aussenstehenden. Ich habe mich im Vorfeld intensiv damit auseinandergesetzt, um die Tour so sicher wie möglich zu gestalten.

Sie investierten viel Zeit ausserhalb Ihres Pensums. Wieso?

Ich bin Lehrer geworden für genau solche Sachen, das ist das Coolste am Job. Solche Projekte geben den jungen Menschen Träume und Ziele. Wir haben die Velotour gemeinsam auf Augenhöhe organisiert, das war nicht mehr ein klassisches Lehrer-Schüler-Verhältnis. Ich bin überzeugt, dass die Schülerinnen und Schüler von diesem Erlebnis geprägt werden und dies ihren Glauben an sich selbst stärkt.