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«Klassentreffen» an der Luga

Gabriela Jordan

Auf Aussenstehende wirkte die illustre Gesellschaft fast wie ein riesiges Treffen ehemaliger Klassenkameraden: Auf der Allmend traf sich am Freitagmorgen Luzerns wirtschaftliche und politische Elite zur offiziellen Eröffnung der Luga. Nach und nach trudelten Unternehmer und Gewerbler, Regierungsräte, Kantonsräte, Stadträte, Grossstadträte, Gemeinderäte und sogar National- und Ständeräte ins Messeforum ein. Dort wurde die jährlich stattfindende Luzerner Gewerbeausstellung feierlich eingeläutet.

Ein freudiges Händeschütteln da, ein vertrautes Schulterklopfen dort. «Wollen wir nicht gleich auf Bier umsteigen?», meinte jemand lachend zum Kaffee trinkenden Kollegen. Bier gab es beim späteren Apéro zwar nicht, dafür Wein und Käseschnitten vom Gastkanton Schwyz. Dazu später mehr.

Fürs Wahljahr werden Allianzen geschmiedet

Doch die rund 500 Gäste kamen sicherlich nicht nur an die Luga-Eröffnung, um sich mit Käseschnitten gratis den Bauch vollzuschlagen. Viel wichtiger ist an einem solchen Anlass bekanntlich das Knüpfen von Kontakten. Und noch wichtiger ist dies, wenn wie im Kanton Luzern demnächst Wahlen anstehen: Kantonsräte und Regierungsräte hoffen, bei den Neuwahlen im März 2019 im Amt bestätigt zu werden, Parteien wollen ihren Sitzanteil im Parlament erhöhen oder wenigstens halten.

Im Hintergrund werden die Allianzen dafür schon seit einer geraumer Weile geschmiedet - was an der Luga-Eröffnung nun gut spürbar war. Man müsse «sein Gesicht hier schon zeigen», hiess es hinter den Kulissen, «die Fäden werden genau an solchen Anlässen gesponnen», liessen beim Gespräch mehrere Politiker verlauten. Der Hotspot an der Luga sei für Politiker und Unternehmer das Eichhof-Zelt. Ein Bierchen schafft wohl die lockere Atmosphäre, um Abmachungen und Geschäfte zu vereinbaren. Aufschluss über künftige Listenverbindungen oder Parteispenden könne ausserdem die Sitzordnung beim Mittagessen geben. Wer neben wem sitzt, entscheiden die Gäste dort selbst.

Guido Graf weibelte für Spange Nord

Teils kam dies auch bei den Eröffnungsreden zum Ausdruck. Irgendwann hörte man als Zuhörer jedenfalls auf zu zählen, wie oft das Wort «Plattform» schon erwähnt wurde. Genutzt wurde die Plattform auch von Luzerner Regierungsratspräsident Guido Graf. Nachdem selbst er den Eröffnungsanlass in seiner Rede als «jährliche Klassenzusammenkunft der Politik und Wirtschaft» bezeichnete, packte er die Gelegenheit, um auf der Bühne die Vorzüge der Spange Nord anzupreisen und an die Vernunft der Stadt zu appellieren - und das nicht zu kurz. Ernsthafte Sachpolitik schien an diesem freudigen Anlass jedoch fehl am Platz. Dieser Meinung waren auch andere, wie sich bei Gesprächen beim Apéro danach zeigte.

Unter die Leute mischten sich dort zum Beispiel die Nationalrätinnen Ida Glanzmann-Hunkeler, Andrea Gmür und Yvette Estermann, die Nationalräte Franz Grüter und Alois Gmür (Schwyz) sowie die Ständeräte Damian Müller und Peter Föhn (Schwyz). Ebenfalls vor Ort war Divisionär David Keller von der Schweizer Armee, Luzerner Tourismusdirektor Marcel Perren oder Andreas Ruch, Präsident der Industrie- und Handelskammer Zentralschweiz - um nur einige zu nennen.

Schwyz ist ein zweigeteilter Kanton

Freundschaftliche Seitenhiebe gab es schliesslich an die Adresse des Gastkantons Schwyz. Wie Luzern sei auch dieser nicht vom budgetlosen Zustand gefeit, liess Guido Graf verlauten. Schwyzer Regierungsratspräsident Andreas Barraud (SVP) nahm den Ball aber locker auf. In seiner Rede konterte er, dass der budgetlose Zustand in Schwyz zum Glück schon länger zurückliege als in Luzern. Beide Regierungsräte strichen die Gemeinsamkeiten der zwei Kantone heraus. So zum Beispiel, dass beide einen urbanen und einen ländlich geprägten Teil haben. Genau diese Unterschiede sollen an der Luga überbrückt werden. In Schwyz stehen die Tiefsteuergemeinden Wollerau, Freienbach und Feusisberg am Zürichsee, die wohlhabende Bürger aus dem Ausland anziehen, den ländlichen Teilen des Kantons gegenüber.

Traditionell und gleichzeitig modern will sich der Kanton Schwyz denn auch an seinem Stand in der Messehalle 1 päsentieren. Virtuelle Brillen zeigen dort unter dem Motto «Ächt Schwyz» die schönen Orte des Kantons. «Auf diese Vielfalt sind wir stolz», sagte Andreas Barraud. Nur schade aber, dass diese Vielfalt kaum Eingang in die Bildershow während der Eröffnung fand. Gezeigt wurden zwar schöne Bilder, die allerdings fast ausschliesslich die traditionelle von Schwyz zeigten, vom Bergpanorama zu Alphorn-Musikanten.

Die Luga ist nun eröffnet, das «Klassentreffen» ist zu Ende. Jetzt heisst es zehn Tage lang Bahn frei für Tausende Besucherinnen und Besucher, die mit ihren Kindern den Streichelzoo erleben wollen oder sich über den neusten Schrei in Sachen Whirlpools unterrichten lassen wollen.

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