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Kleine Anarchie in geordnetem Rahmen

Im Gartenareal Steinhof bewirtschaften sieben Freunde gemeinsam einen Schrebergarten. Dabei pflanzen sie auch an, was man im Laden nur teuer bekommt.
Beatrice Vogel
Andreas Kiener, Deborah Zurkinden (Mitte) und Elisabeth Kiener gärtnern nach Lust und Laune. (Bild: Pius Amrein (Luzern, 6. Juli 2018))

Andreas Kiener, Deborah Zurkinden (Mitte) und Elisabeth Kiener gärtnern nach Lust und Laune. (Bild: Pius Amrein (Luzern, 6. Juli 2018))

Es ist nass an jenem Abend im Schrebergarten, den ganzen Tag hat es geregnet. Andreas Kiener klaubt mit blossen Fingern Schnecken zwischen den Stauden hervor. «Die Schnecken fressen unsere Erdbeeren», ruft er auf die andere Seite der Gartenparzelle. Dort ist seine Schwester Elisabeth Kiener daran, den Hopfen hochzubinden.

Die Geschwister bewirtschaften gemeinsam mit Freunden einen Schrebergarten im Gartenareal Steinhof in der Stadt Luzern. Die sieben jungen Leute – alle sind um die 30 – machen es aus Freude am Gärtnern und weil sie sich grundsätzlich gern mit Pflanzen und Esswaren beschäftigen. «Auf möglichst hohen Ertrag sind wir nicht aus», sagt Andreas.

Edamame, Hopfen und Senfsamen

Während er und seine Freundin Deborah Zurkinden Unkraut aus dem Radieschenbeet zupfen, erklärt Andreas sein Anpflanz-Prinzip: «Gewöhnliche Kartoffeln würde ich nicht anbauen.» Für ihn liege der Reiz des Gartens unter anderem darin, dass man anbauen kann, was man im Laden kaum oder nur teuer bekommt. So finden sich auf der Parzelle denn auch Exoten wie Edamame, Hopfen, Senfsamen, Chilli oder Stachis (eine Art Wurzelgemüse, das man wenn überhaupt dann vor allem in alten Rezepten findet) sowie diverses Pro-Specie-Rara-Gemüse.

Allerdings: Ganz so eng wird das nicht gesehen. Es spriessen im Garten nämlich auch Salat, Radieschen, Karotten, Fenchel, Tomaten oder Kürbisse. «Jeder pflanzt an, wozu er Lust hat», sagt Andreas. Hinzu kommt die Freude am Experimentieren. So hat einer der Freunde auf einem ziemlich grossen Teil des Gartens Senfsamen ausgesät – mit Erfolg: Der gelbe Blütenteppich ist schon von Weitem zu sehen. Auch der Hopfen, der inmitten der Parzelle in die Höhe schiesst, war so ein Experiment. Anderes hingegen wächst gar nicht – zum Beispiel die im vergangenen Jahr grossflächig gesäten Peperoni.

Wo genau was im Garten angepflanzt wird, folgt keiner klaren Regel. «Wir wollten bei der letzten grösseren Pflanzaktion einen Plan machen, was wohin kommt. Doch dann war schon alles eingepflanzt, bevor wir den Plan machen konnten», schildert Deborah die kleine Anarchie innerhalb des geregelten Schrebergartenlebens.

Ansonsten haben sich die sieben Leute nach einem so klaren wie unkomplizierten Einsatzplan arrangiert: Jeder ist an einem Wochentag zuständig fürs Tränken, in Ferienabwesenheiten gibt es Stellvertretungen, wenn etwas erntereif ist, nimmt es derjenige nach Hause, der gerade im Garten ist. «Wir versuchen allerdings schon, nicht nur die Arbeit, sondern auch die Ernte möglichst fair zu verteilen», sagt Elisabeth. Wenn es zeitlich drin liegt, versuchen sie, ab und zu am Wochenende zu dritt oder zu viert den Garten zu bestellen. Vor allem dann, wenn die Aussaat oder die Ernte ansteht.

So unkompliziert lief es allerdings nicht von Anfang an. Gemietet hat Elisabeth die rund 100 Quadratmeter grosse Parzelle im Winter 2017 zunächst mit zwei Freunden. Damals war es eine Brache, die als Erstes umgegraben werden musste. Die anfängliche Euphorie wandelte sich übers Sommerhalbjahr allerdings in Frust. «Im Sommer war es sehr aufwendig, und wenn jemand in den Ferien war, kamen wir kaum nach.» Da gab es auch das eine oder andere Telefonat von der Gartenareal-Verwaltung, weil die Parzelle nicht ganz vorschriftskonform in Schuss war. «Im Herbst hatten wir schon ein wenig den Koller», erinnert sich Elisabeth. Das war der Anstoss, noch weitere Leute zum Mitmachen zu animieren. Jetzt, zu siebt, sei es vom Aufwand her viel angenehmer, und auch mahnende Telefonate gibt es keine mehr.

«Alles ganz nette Leute»

Ist es nicht ziemlich aussergewöhnlich, dass Leute nicht mit ihrer Familie, sondern mit dem Freundeskreis einen Schrebergarten bewirtschaften? Nicht wirklich, finden die Drei, wie man sich organisiere, spiele doch eigentlich keine Rolle. «Gleich neben uns und etwas weiter oben hat es auch noch ein paar junge Leute mit einer Parzelle», sagt Elisabeth. Die anderen Schrebergärtner seien zwar, zugegeben, «so 55 plus» und eher Paare oder Einzelpersonen. Mit den Nachbarn verstehe man sich aber blendend, «alles ganz nette Leute», findet Andreas.

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