Kleine Helden im Kampf gegen das Coronavirus in der Stadt Luzern

Zwei Primarschüler besorgen in der Luzerner Tribschenstadt Einkäufe für ältere Menschen. Sie sorgen damit für einen Lichtblick in der Corona-Krise.

Hugo Bischof
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Enio (links) und Loan Lichtsteiner machen in der Tribschenstadt Einkäufe für ältere Menschen, die ihr Zuhause nicht mehr verlassen sollten.

Enio (links) und Loan Lichtsteiner machen in der Tribschenstadt Einkäufe für ältere Menschen, die ihr Zuhause nicht mehr verlassen sollten. 

Bild: Manuela Jans (Luzern, 21. März 2020)

Loan Lichtsteiner ist 8-jährig und geht in die 2. Primarschulklasse. Enio, sein Bruder, ist vier Jahre älter und besucht die 6. Klasse. Die beiden leben mit ihren Eltern im Tribschenstadt-Quartier in Luzern. Sie sind kleine Helden im Kampf gegen das Coronavirus. Loan erzählt:

«Ich schaute Fernsehen und langweilte mich ein bisschen. Da kam mir eine Idee: Wie wäre es, wenn wir älteren Menschen in unserem Quartier beim Einkaufen helfen? Sie dürfen ja wegen des Coronavirus nicht mehr nach draussen gehen.»

Sein Bruder Enio war sofort Feuer und Flamme für das Projekt. Die beiden machten ein Plakat, auf dem sie mit schwarzem Filzstift die wichtigsten Infos schrieben, um auf ihr Angebot aufmerksam zu machen. Dazu die Handynummer ihrer Eltern, wo sich potenzielle Kundinnen und Kunden melden können.

Sie nennen sich die «Einkauf Gang»

Dann brauchten sie natürlich einen pfiffigen Namen. Den hatten sie schnell gefunden: Sie nennen sich jetzt die «Einkauf Gang». Das Plakat erstellten sie in zehnfacher Ausführung und hängten es an den Hauseingängen in der nächsten Umgebung ihres Quartiers auf.

«Wir mussten ein paar Tage warten, bis wir den ersten Anruf erhielten», erzählt Loan. Am Freitagvormittag war es so weit. Eine ältere Dame rief an. Sie brauche dringend ein paar Lebensmittel. Die Frau stellte eine Einkaufstasche vor ihre Wohnungstür, mit einer Einkaufsliste und dem nötigen Geld drin. Enio und Loan holten die Tasche und machten sich auf den Weg.

Bananen, Äpfel, Chi­co­rée und Butterzopf

«Die Leute können wählen, ob Migros oder Manor», sagt Enio. Das sind die nächsten Läden in ihrer Nähe. Ihre erste Kundin wählte Manor. Bananen, Äpfel, Chi­co­rée und ein Butterzopf standen auf der Einkaufsliste. Das Gewünschte war schnell eingekauft. Kurz darauf kehrten die beiden Jungen zurück, läuteten an der Haustür, stellten die gefüllte Einkaufstasche mit dem Rückgeld hin. Die Kundin öffnete die Tür und nahm die Ware in Empfang.

Der nötige Abstand bleibt gewahrt

Der nötige Abstand blieb gewahrt – ganz wichtig in Corona-Zeiten. «Wir wollen auch kein Trinkgeld», sagt Loan stolz. «Wir wollen einfach den Leuten helfen.» Nun ja, ein kleines Trinkgeld gab es beim ersten Mal schon – in gebührender Distanz ohne Körperkontakt auf die Einkaufstasche gelegt.

Weitere Kundinnen und Kunden sind erwünscht. Wer Interesse hat und im Quartier wohnt, findet die Kontaktdaten auf den an den Hauseingängen hängenden Plakaten.

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