KLEINSTADT: Blick in die Luzerner Unterwelt

Ein grosser Kanal führt von der Obergrundstrasse zur Reuss. Zurzeit ist er trockengelegt, weil die Decke dringend geflickt werden muss. Eine Gelegenheit, die Kleinstadt einmal von unten zu betrachten.

Gabriela Jordan
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Die Sanierung des Krienbachkanals in der Kleinstadt. (Bild: Dominik Wunderli (Luzern, 14. Dezember 2016))

Die Sanierung des Krienbachkanals in der Kleinstadt. (Bild: Dominik Wunderli (Luzern, 14. Dezember 2016))

Die Absperrungen um die aufgerissenen Böden in der Luzerner Kleinstadt zeugen davon, dass die Sanierungsarbeiten am Krienbachkanal in vollem Gange sind. Weil dieser Abwasserkanal instabil ist und einzubrechen drohte, wurde die Kanaldecke bereits im Herbst 2012 mit 1400 Stahlstützen provisorisch abgestützt. Im Oktober dieses Jahres haben nun die richtigen Bauarbeiten begonnen. Dafür wurde der 200 Meter lange Kanalabschnitt in der Burgerstrasse (zwischen Reusswehr und Hirschengraben) trockengelegt. Insgesamt ist der Kanal etwa 1460 Meter lang und verläuft auch unter der Obergrundstrasse hindurch (siehe Grafik). Um nach dem aktuellen Stand der Sanierung zu sehen, werfen wir einen Blick unter die Erde.

Steigt man über die Leiter ungefähr zwei Meter in den dunklen Kanal unter der Burgerstrasse ­hinab, fühlt man sich, vom tosenden Rauschen der Reuss begleitet, fast wie ein Maulwurf. Durch den Kanal führt uns Urs Widmer, Leiter Abwasserwirtschaft des Gemeindeverbandes Real (Recycling, Entsorgung, Abwasser Luzern). Widmer koordiniert die Sanierung und steigt etwa einmal pro Woche selbst in den Kanal ­hinab. «Dieser Kanal sammelt Abwasser aus den Haushalten in Kriens, Horw und den Quartieren Eichhof, Steinhof und Obergrund und leitet es in die Abwasserreinigungsanlage in Emmen ab.»

Die Kanaldecke als Knacknuss

Die grösste Herausforderung bei der Sanierung wird laut Widmer sein, die Kanaldecke auszuwechseln. «Wir prüfen momentan, ob wir die Decke auf einmal oder in mehreren Teilen ersetzen können.» Die Gefahr sei nämlich, dass die Kellerwände der angrenzenden Häuser Schaden nehmen könnten. «Die Häuser hier wurden schon sehr eng gebaut», sagt Widmer mit Blick auf die enge Gasse. Die Kanaldecke auszuwechseln, ist deshalb nötig, weil deren Tragkraft den heutigen Belastungen nicht mehr entspricht. «In diesem Abschnitt wurde die Decke bereits im Jahr 1880 gebaut – für ganz andere Lasten als heute.» Die provisorischen Stützpfeiler in der Kanalmitte werden im Verlauf der Sanierung entfernt, an deren Stelle kommt jedoch eine neue tragende Wand.

Und was passiert momentan im Kanal selbst? Das Abwasser fliesst seit der Trockenlegung im Oktober durch den tiefer gelegenen Kanalteil. Der leicht höher gelegene – in dem wir uns bewegen – diente zuvor als sogenanntes Entlastungsbecken (vor allem bei starken Sommergewittern) und führte das übergeschwappte Wasser aus dem unteren Kanalteil direkt in die Reuss. Nun wird dieser aber zum Hauptabwasserkanal umgebaut. In den nächsten Wochen werden zwei Rohrpro­file aus glasfaserverstärktem Kunststoff eingebaut und mit Kanalfüllmasse umhüllt. Seit Baubeginn im Oktober wird ausserdem ein neues Entlastungsbauwerk errichtet.

Damit der untere Kanalteil das Abwasser während der Sanierung allein aufnehmen kann, müssen die Arbeiten wegen der geringeren Wassermengen im Winter stattfinden. «Ausserdem gibt es dank der Kälte kaum Geruchsemissionen», fügt Widmer hinzu. «Für die umliegenden Geschäfte sowie Anwohner, die vielleicht gerne bei offenem Fenster schlafen, wäre das nicht so eine Freude.»

Kurzer Baustopp während der Fasnacht

Bis zur Fasnacht will man die Baustelle so weit wie möglich verkleinern und die ersten 80 Meter des Kanals fertig sanieren. Während der Fasnacht gibt es ausserdem eine kurze Pause der Bauarbeiten. Die Sanierung soll bis Ende Mai fertig sein. Insgesamt kostet sie 4,4 Millionen Franken. In der Kleinstadt besteht nebst diesem Projekt noch weiterer Handlungsbedarf: So werden erstens EWL und Cablecom ihre Versorgungsleitungen erneuern, da auch die Erdgas-, Trinkwasser- und Elektroleitungen in einem schlechten Zustand sind. Zweitens wird der Strassenraum umgestaltet (siehe Kasten). Im Sommer 2018 kann dann der Krienbrügglibrunnen wieder auf seinen Platz kommen. In den Folgejahren soll der Kanalabschnitt unter der Obergrundstrasse saniert werden.

Historischer Lauf des Krienbachs

An der Stelle des heutigen Kanals führte früher der Krienbach offen in die Reuss. Er verlief von Kriens über die Obergrundstrasse in die Kleinstadt – und er war nicht nur ein Bach, sondern diente den Anwohnern gleichzeitig als Abwasserkanal. Deshalb trägt der Kanal heute noch den Namen Krienbachkanal. Der Krienbach selber verläuft heute hingegen völlig woanders: Seit den Neunzigerjahren wird er ab Kriens in einen Stollen unter dem Sonnenberg geleitet, der in Reussbühl direkt in die Reuss führt.

Gabriela Jordan

gabriela.jordan@luzernerzeitung.ch

Bild: Dominik Wunderli (Luzern, 14. Dezember 2016)

Bild: Dominik Wunderli (Luzern, 14. Dezember 2016)

Urs Widmer, Leiter Abwasserwirtschaft bei der Real, auf dem Weg in den Krienbachkanal. (Bild: Dominik Wunderli (Luzern, 14. Dezember 2016))

Urs Widmer, Leiter Abwasserwirtschaft bei der Real, auf dem Weg in den Krienbachkanal. (Bild: Dominik Wunderli (Luzern, 14. Dezember 2016))

Der offene Krienbach beim Bürgerspital (heute Polizeigebäude), Bild undatiert. (Bild: Stadtarchiv)

Der offene Krienbach beim Bürgerspital (heute Polizeigebäude), Bild undatiert. (Bild: Stadtarchiv)

Der offene Krienbach an der Burgerstrasse (undatiert). (Bild: Stadtarchiv)

Der offene Krienbach an der Burgerstrasse (undatiert). (Bild: Stadtarchiv)

Der offene Krienbach bei der Obergrundstrasse mit Blick Richtung Franziskanerplatz. Das Bild stammt vom 31. Dezember 1888. (Bild: Stadtarchiv)

Der offene Krienbach bei der Obergrundstrasse mit Blick Richtung Franziskanerplatz. Das Bild stammt vom 31. Dezember 1888. (Bild: Stadtarchiv)

Verlauf des Krienbach (Bild: Grafik: mop, Quelle: Real)

Verlauf des Krienbach (Bild: Grafik: mop, Quelle: Real)