KLEINWANGEN: Bäcker-Dynastie geht zu Ende

103 Jahre lang hat die Familie Buck in Kleinwangen Brote gebacken. Nun gibt Hugo Buck das ­Geschäft auf, weil er keinen Nachfolger findet.

Roseline Troxler
Drucken
Teilen
Hugo Buck in der Backstube seiner Bäckerei in Kleinwangen. (Bild Pius Amrein)

Hugo Buck in der Backstube seiner Bäckerei in Kleinwangen. (Bild Pius Amrein)

Ende Oktober wird Hugo Buck (69) in der Backstube seiner Bäckerei in Kleinwangen das letzte Mal Brote backen. Die Bäckerei an der Helgenbühlstrasse wurde im Jahr 1839 erstmals schriftlich erwähnt. Hugo Buck hat die Bäckerei 50 Jahre lang geführt. 1909 hatte sie sein Grossvater gekauft. Die Waage von damals wird immer noch benützt. Die erste Teigmaschine kaufte sein Grossvater 1912. Im Jahr 1951 wurde der Laden mit einem Anbau erweitert. Im 1953 wurde der Holzofen durch einen elektrischen Backofen ersetzt.

Vergangene Woche haben Hugo und Helen Buck ihre Kundschaft über die Schliessung ihrer Bäckerei informiert. «Es hat darauf viele Reaktionen gegeben», sagt Hugo Buck. Die Leute drücken ihr Bedauern aus, können den Schritt aber grösstenteils verstehen. Künftig werden die Kleinwanger also nicht mehr direkt im Dorf Brot kaufen können. In der nächstgelegenen Bäckerei Ferrenmühle wird noch an drei Wochentagen Brot verkauft.

Gleich nach der Lehre übernahm er

1963 stieg Hugo Buck – gleich nach Abschluss seiner Bäckerlehre – in den elterlichen Betrieb ein und führte diesen im Alter von 19 Jahren zusammen mit seiner Mutter und seiner Schwester Lisbeth. «Ein Jahr zuvor ist mein Vater tödlich verunfallt. Daher war es für mich klar, dass ich den Betrieb sogleich weiterführe», erzählt Hugo Buck. Während fünfzig Jahren hat er jeweils von Dienstag bis Samstag Brote gebacken. Bis auf drei Monate in einer Konditorei in Glattbrugg hat er die ganze Zeit in Kleinwangen gearbeitet. 1970 erwarb er das Geschäft. Nun denkt er mit etwas Wehmut an die vergangenen Jahre und die vielen Erlebnisse zurück. «Ich möchte nun einen Schlussstrich darunter­ziehen.» Obwohl zwei seiner vier Kinder gelernte Bäcker sind, wollten sie den Betrieb nicht übernehmen. «In der heutigen Zeit ist es zunehmend schwieriger, Kleinbetriebe zu führen», so Buck.

Brot ins Haus geliefert

Zwischen 50 und 100 Kunden kommen pro Tag in der Bäckerei und im rund 60 Quadratmeter grossen Lebensmittelgeschäft vorbei. Für den Laden ist seine Frau Helen zuständig.

Bis 2003 machte Hugo Buck Hauslieferungen. Oftmals wurde er von seiner Frau und den Kindern begleitet, Während 94 Jahren hat die Bäckerei Familien in den Dörfern Kleinwangen, Lieli, Sulz, Hohenrain, Ebersol, Ottenhusen, Baldegg, Urswil und gar Römerswilerberg und Abtwil das Brot direkt nach Hause gebracht. «Zu den besten Zeiten habe ich täglich 150 Kilogramm Brot gebacken. Heute ist es noch ein Sechstel.» Während der Zeit, in der er Hauslieferungen machte, hat Hugo Buck vieles erlebt. Besonders geschätzt habe er den Kontakt zu den Menschen. Mancherorts wurde er auf einen Kaffee eingeladen. Dankbar um den Hauslieferdienst seien aber vor allem die älteren Menschen gewesen.

Bekannt für seine Cremeschnitten

Bei den Kunden der Bäckerei Buck besonders begehrt sind das Hausbrot und die Buremutschli. Diese werden aus sieben verschiedenen Getreidesorten gemacht. Hugo Buck hat es auf den Wunsch einer Schwester des Institutes Baldegg hergestellt.

Schnell war das Brot aber auch bei vielen Kunden beliebt. Nebst dem Hausbrot sind auch Spezialbrote gefragt. Diese haben das Ruchbrot, welches früher sehr beliebt war, teilweise verdrängt. Rund zehn verschiedene Brotsorten inklusive Sauerteigbrot bäckt Hugo Buck. «Aufgrund der geringen Menge biete ich sie abwechslungsweise an.» Bekannt ist Buck auch für seine Birnweggen, Rosenkuchen, Cremeschnitten und die Schwarzwäldertorten, seine Frau Helene für ihren Käsekuchenguss. «Helen macht den besten Käsekuchen zwischen Genf und dem Horben. Dies hat mal ein Kunde gesagt.» Solche Komplimente seien Aufsteller.

Zeit für Grosskind und Jagd

Ab November will Hugo Buck keine Brote mehr backen – zumindest nicht für den Verkauf. Seine Frau Helen aber hofft, dass es am Sonntag auch künftig frischen Zopf gibt. Seine Zeit will Hugo Buck in Zukunft vor allem seinem bald vierjährigen Grosskind Matteo widmen. Zudem ist Hugo Buck mit Leidenschaft Jäger. Auch in seinem Waldstück möchte er fortan mehr Zeit verbringen.