KLEINWANGEN: Polizeieinsatz wegen Feuerbrand-Baumfällaktion

Ein Bauer wehrt sich für seine Obstbäume – bis vor Bundesgericht. Trotzdem verfügt der Kanton die Zwangsrodung.

Luzia Mattmann
Drucken
Teilen
Landwirt Josef Lang (70) vor seinen zwangsgerodeten Obstbäumen auf dem Hof in Kleinwangen. (Bild: Dominik Wunderli)

Landwirt Josef Lang (70) vor seinen zwangsgerodeten Obstbäumen auf dem Hof in Kleinwangen. (Bild: Dominik Wunderli)

Es war ein Grossaufgebot, das am letzten Montag bei Bauer Rolf Lang in Kleinwangen vor der Türe stand: Zwei Mitarbeiter der kantonalen Dienststelle Landwirtschaft und Wald waren mit schweren Maschinen angerückt, dazu zwei Polizisten als Begleitschutz. Ihre Mission: sieben Hochstammbäume roden, die von der für Bäume hochansteckenden Bakterienkrankheit Feuerbrand betroffen sind. «Es war das erste Mal, dass Mitarbeiter in Begleitung der Polizei eine solche Zwangsrodung durchgeführt haben», sagt Thomas Meyer, Leiter der Abteilung Landwirtschaft bei der Dienststelle Landwirtschaft und Wald. Grund für den Polizeischutz seien nicht etwa Drohungen gewesen, sondern die «sehr emotionale Situation».

Über 200 Bäume auf dem Hof

Der Kanton drohte dem Bauern schon zuvor zweimal mit einer Zwangsrodung, wie Rolf Langs Vater Josef Lang (70) sagt, der den Betrieb bis 2007 bewirtschaftet hat. «Jedes Mal haben wir die Bäume dann aber selbst gefällt», sagt er. «Es ärgert mich, dass man nun Knall auf Fall mit schwerem Rodungsgerät und Polizisten aufgetaucht ist.» Wenn der Kanton nochmals das Gespräch gesucht hätte, hätten er und sein Sohn, der momentan nebenberuflich auswärts weilt, die Bäume wohl selbst gefällt. Langs besitzen um die 220 Obstbäume mit rund 50 teils seltenen Sorten. Landwirt Rolf Lang ist wegen der letzten Rodungsverfügung bis vor Bundesgericht gegangen. Ausserdem hat er verlangt, dass eine Rodung bis zum Vorliegen des Urteils aufgeschoben werde. Das Bundesverwaltungsgericht lehnte die aufschiebende Wirkung ab, das Bundesgerichtsurteil steht noch aus.

Die Haltung von Josef Lang ist klar: Durch Rodung lasse sich der Feuerbrand nicht mehr aufhalten, der sich auch in den benachbarten Obstanlagen festgesetzt hat. «Aber mit Rückschnitten können Hochstammbäume gut überleben, man muss sie nicht gleich fällen.» Die Praxis habe gezeigt, dass sich die Bäume danach wieder gut erholen würden.

Anders sieht die Sache Thomas Meyer. «Bei sechs der sieben Bäume handelte es sich um hochanfällige Sorten. Der siebte Baum war zwar nicht von einer hochanfälligen Sorte, aber stark befallen.» Wenn man solche Bäume nur zurückschneide, also die befallenen Äste entferne, würden sie eine Gefahr für die umliegenden Bäume. «Wir hatten in Kleinwangen und in Meierskappel solche sogenannten Streuerbäume, die letztes Jahr in den Kontrollen nicht festgestellt wurden. In beiden Orten war der Befall im Folgejahr sehr gross.» Ausserdem sei Bauer Lang ja nicht der einzige, der Bäume roden müsse. In den angrenzenden Obstkulturen habe man über hundert Bäume ausgerissen.

Bäume über 50 Jahre gepflegt

Diesen Vergleich lässt Josef Lang nicht gelten: «Einen Niederstammbaum aus einer Anlage kann man leicht ersetzen, er trägt in ein paar Jahren wieder Früchte. Bei einem Hochstammbaum dauert es bis zu 15 Jahre, bis er wieder einen Ertrag liefert.» Nebst dem wirtschaftlichen Aspekt spiele auch die Bedeutung der Bäume für die Biodiversität eine Rolle. Und nicht zuletzt hängt Josef Lang an den Bäumen, die er schon seit über 50 Jahren hegt und pflegt. «1947 haben wir den Hof übernommen, mit rund 250 Bäumen. Jetzt müssen Jahr für Jahr teils über 100-jährige Bäume gefällt werden.»

Thomas Meyer signalisiert zwar Verständnis für diese Haltung, meint aber: «Klar gibt es einige wenige Personen, die glauben, dass sich ein Hochstammbaum wieder vom Feuerbrand erholt. Die wissenschaftlichen Erkenntnisse sprechen aber eine andere Sprache. Nämlich, dass man solche Bäume schnellstmöglich roden muss, damit das Feuerbrandbakterium nicht weitergetragen werden kann.»

Im letzten Jahr wurden im Kanton Luzern 625 der rund 200'000 Hochstamm-Obstbäume und 68 Aren Obstanlagen wegen Feuerbrandes gerodet.