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KLIMA: Mehr Sonne – «La Dolce Vita» hält Einzug in Luzern

Ein Lebensgefühl, das früher Luzerner nur aus den Ferien kannten, breitet sich auch hier aus: Die Strassen werden immer mehr zum sozialen Treffpunkt.
Lena Berger
Ferienfeeling am Mühlenplatz: In Luzern hat die Zahl der Schönwettertage massiv zugenommen. (Bild Nadia Schärli)

Ferienfeeling am Mühlenplatz: In Luzern hat die Zahl der Schönwettertage massiv zugenommen. (Bild Nadia Schärli)

Landauf, landab wird der öffentliche Raum erobert. Freiraum. Das ist ein Schlagwort, ein Modewort – aber auch Ausdruck eines gesellschaftlichen Bedürfnisses. Während sich das soziale Leben noch vor 30 Jahren primär in den eigenen vier Wänden und allenfalls Vereinslokalen abspielte, hat seither eine regelrechte Mediterranisierung der Städte eingesetzt.

Der Siegeszug des Dolce Vita begann in den 1990er-Jahren, als die ersten Open-Air-Kinos Filme unter freiem Himmel zeigten. Inzwischen prägen im Sommer Strassencafés und Beach-Landschaften das urbane Selbstverständnis. Public-Viewings, Konzerte, Stadt- und Quartierfeste sind aus Luzern kaum mehr wegzudenken. Sie sind Ausdruck einer neuen Lebenslust, die zweifellos zur Attraktivität der Stadt beiträgt.

Dreimal mehr Gesuche

Der Trend ist mehr als nur eine gefühlsmässige Veränderung. Er schlägt sich in der Zahl der Gesuche nieder, den öffentlichen Raum nutzen zu dürfen. Gingen 1997 noch knapp 400 Anfragen ein, sind es heute mehr als dreimal so viele (siehe Grafik).

Wo neue Bedürfnisse entstehen, lassen neue Angebote nicht auf sich warten. Manch eine Beiz könnte heute gar nicht mehr überleben, wenn sie in den Sommermonaten nicht Tische rausstellen könnte – die Nutzung des öffentlichen Grundes ist für sie existenziell. Das Plus an Freiheit steht auf der Pro-Kontra-Liste einer zunehmenden Kommerzialisierung der Strassenräume und neuen Nutzungskonflikten gegenüber. «Hier die Balance zu finden, das ist unsere Aufgabe», sagt Mario Lütolf, Leiter der Dienstabteilung Stadtraum und Veranstaltungen.

Doch wie kommt es, dass sich heute schon fast an der italienischen Riviera wähnt, wer dem Schweizerhofquai entlangspaziert? Ein gewichtiger Faktor ist – so simpel es klingt – der Klimawandel. «Man kann die Zunahme der Gesuche zur Nutzung öffentlicher Plätze ab 1997 mit der eindrücklichen Zunahme der Schönwettertage gut erklären», sagt Stephan Bader vom Bundesamt für Meteorologie und Klimatologie. «In der Periode 1997 bis 2015 lag die Anzahl Schönwettertage in Luzern rund 30 Prozent höher als davor.» Heute können die Luzerner deshalb im Sommerhalbjahr im Durchschnitt zehn Sonnentage mehr geniessen als früher. Die Zahl der Sonnenstunden in Luzern liegt heute im Sommerhalbjahr bei rund 1100, während sie vor der Zunahme zwischen rund 850 und 950 schwankte. Entsprechend ist es auch wärmer geworden. Nach der kräftigen Temperaturzunahme ab den 1980er-Jahren sind die Sommermonate gemäss Bader heute 2 Grad wärmer als davor.

Chance für den Tourismus

Ein Indiz dafür, wie entscheidend das Klima die Nutzung des öffentlichen Raums beeinflusst, ist die Zahl der Gesuche im Jahr 2013 – da sank sie nämlich das erste Mal wieder. Und wie war das Wetter? Bis Ende April herrschten winterliche Verhältnisse. Von Januar bis Mai wurde gar eine Rekord-Sonnenarmut festgestellt.

Natürlich ist nicht nur der eitle Sonnenschein der Grund, dass es die Luzerner vermehrt rauszieht. Der Städteverband hat in seinem Newsletter Focus schon 2013 festgestellt, dass es «unzählige junge und weniger junge Menschen gibt, die aufgrund der steigenden Kommerzialisierung des Nachtlebens nach alternativen Vergnügungsmöglichkeiten im öffentlichen Raum suchen». Mario Lütolf, der Leiter der Luzerner Bewilligungsbehörde, glaubt in der zunehmenden Lust auf Sommerfrische und Gemeinschaftserlebnisse zudem einen Gegentrend zu virtuellen Realitäten und dem Single-Leben zu erkennen. «Wir kommunizieren heute zu einem grossen Teil über Smartphones. Gleichzeitig weckt das in vielen Menschen den Wunsch, sich auch im ‹echten Leben› zu begegnen und auszutauschen.»

Allgemein milderes Wetter und mehr Sonnentage im Sommer: Diese klimabedingten Änderungen eröffnen übrigens auch dem Schweizer Tourismus neue Chancen – besonders in Seenregionen wie Luzern. Zu diesem Schluss kam 2008 eine Klimastudie der Uni Bern im Auftrag von Schweiz Tourismus. Die Mediterranisierung verschaffe den Schweizer Städten mehr Urlaubsflair. Das stellt auch der Luzerner Tourismusdirektor Marcel Perren fest: «Besucher freuen sich über qualitativ gute Anlässe im öffentlichen Raum.» Ein sehr gutes Beispiel sei der Wochenmarkt.

Lena Berger

Weitere Daten zum Sommerklima in Luzern finden Sie unter www.luzernerzeitung.ch/bonus

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