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Bei der Luzerner Peterskapelle läutet’s bald im Klingelton

Seit dem März sind um die Baustelle der Peterskapelle in Luzern verschiedenste Kunstprojekte ausgestellt. Der letzte Teil dieser Projektreihe dürfte ab Mitte Juli für verdutzte Gesichter sorgen.
Larissa Haas
Das Baugerüst rund um die zu renovierende St. Peterskapelle am Kapellplatz in Luzern. (Bild: Manuela Jans-Koch (19. Januar 2018))

Das Baugerüst rund um die zu renovierende St. Peterskapelle am Kapellplatz in Luzern. (Bild: Manuela Jans-Koch (19. Januar 2018))

Wie können wir die Baustelle der Peterskapelle attraktiver gestalten? So lautete die Aufgabe, vor der Marco Schmid und Andreas Rosar Anfang Jahr standen. Die Lösung fanden die verantwortlichen Theologen der Citypastoral dank der Hochschule Luzern Design & Kunst: Im Rahmen eines Ideenwettbewerbs gaben sie sechs Kunststudenten die Chance, auf der «Baustelle Peterskapelle» mit Kunstinterventionen Akzente zu setzen.

Fünf Projekte wurden bereits ausgestellt, am 16. Juli wird nun der letzte Teil der Reihe eingeläutet – und zwar im wahrsten Sinne des Wortes: Die Glocken der Kapelle werden durch Handyklingeltöne ersetzt. Die Idee dahinter ist wie folgt: Als vor Jahren die Kirchenglocke zur Messe läutete, horchte man ihrem Klang und ging zum Kirchengebet. Sie war es, die den Tagesrhythmus beeinflusste und bestimmte, wann zu Mittag gegessen und wann geschlafen wurde.

Aus dem Turm wird ein iphone-Klingelton dröhnen

Heute, im Zeitalter der Digitalisierung, ist es nicht mehr das regelmässige «Dong-Dong-Dong» der Glocken, das unseren Alltag bestimmt, sondern eher der Ton unseres Smartphones. «Klingelt irgendwo unser Handy, reagieren wir sofort. Schliesslich wollen wir wissen, wer uns erreichen will», erklärt Klarissa Flückiger. Sie wird zusammen mit ihrer Studienkollegin Mahtola Wittmer die Peterskapelle bis am 30. Juli zum «Klingeln» bringen. Hoch oben im Turm, dort, wo sonst die massiven Kirchenglocken hängen, werden die beiden ein Mischpult und zwei Boxen installieren, aus denen ein charakteristischer iPhone-Klingelton dröhnen wird.

Wann und wie oft das Handy in der Peterskapelle schellen wird, verraten die Studentinnen nicht. Schliesslich sei dies auch in unserem Alltag unberechenbar. Fest steht aber, dass in den nächsten zwei Wochen die eine oder andere Person auf dem Kapellplatz wahrscheinlich vergebens auf ihr stummes Handy blicken wird.

Ist das Handy der moderne Gott?

Es mag zunächst verwundern, dass eine solch gewagte Idee bei den Verantwortlichen Anklang fand. Doch Marco Schmid betont, dass die Botschaft hinter dem Projekt im Zentrum steht: «Ziel dieser Installation ist es, zum Nachdenken anzuregen. Die Leute sollen sich selbst hinterfragen und ihr Verhalten reflektieren.» Deshalb würde auch jeder, der den Hintergrund dieses Projektes kenne, Verständnis dafür haben – auch Kirchenvertreter.

Geht es denn auch darum, zu provozieren? «Ganz und gar nicht», so Schmid. «Wir wollen nicht im Mittelpunkt stehen, wir wollen die Leute überraschen.» Flückiger pflichtet dem bei. Die Fragen, die sie sich mit Wittmer im Rahmen dieser Installation gestellt habe, würden aber durchaus Zündstoff bieten: Wem schenken wir unsere Aufmerksamkeit? Ist das Handy der moderne Gott? Antworten darauf haben die beiden Studentinnen keine, vielmehr wollen sie mit ihrer Kunst Fragezeichen setzen: «Mit dieser Installation werden wir dem Handy genau jene Präsenz verschaffen, die es in unserem Alltag einnimmt, ohne dass wir uns dessen bewusst sind.»

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