KMU testen ihre Familienfreundlichkeit

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Projekt Zwölf Luzerner Betriebe lassen sich derzeit punkto Familienfreundlichkeit auf Herz und Nieren testen: Im Auftrag der kantonalen Fachstelle Gesellschaftsfragen führt die Fachstelle UND mit ihnen einen Familienfreundlichkeitscheck durch. UND setzt sich für die Umsetzung der Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben ein. «Vaterschaftsurlaub ist eine Möglichkeit, um Familienfreundlichkeit im Unternehmen zu fördern», sagt Maria Pilotto von der Fachstelle Gesellschaftsfragen. «Ein familienfreundlicher Arbeitgeber zu sein, bedeutet aber mehr. Dafür braucht es ein Führungsverständnis, das die familiären Verpflichtungen von Angestellten im beruflichen Alltag berücksichtigt.» Wie verbreitet Vaterschaftsurlaub bei Luzerner KMU ist, kann Pilotto nicht sagen. Zahlen fehlen. «Die Erfahrung des ersten Checks von 2012 bis 2015 zeigte aber: Mehrere der zwölf Betriebe kannten einen Vaterschaftsurlaub bereits vor Projektbeginn oder führten diesen ein.» Man erkenne zunehmend, dass das Thema Familienfreundlichkeit auch für Männer ein Kriterium bei der Stellensuche sei. «Flexible Arbeitszeitmodelle oder die Möglichkeit, während einer bestimmten Dauer Teilzeitarbeit zu leisten, können wichtige Faktoren sein.»

Der zweite Familienfreundlichkeitscheck läuft von 2016 bis 2019. Während der Kanton Luzern vor allem die nötigen personellen Ressourcen zur Verfügung stellt, beteiligt sich der Bund mit 85 000 Franken am Projekt. Die teilnehmenden Firmen zahlen einen Beitrag von 500 Franken. Eine davon ist die Agentur Frontal aus Willisau, eine 2004 gegründete Werbe-, Grafik- und Internetagentur. «Nach unserem Gefühl sind wir bereits ein familienfreundlicher Betrieb. Wir wollen nun aber herausfinden, ob wir auch auf die richtigen Punkte setzen», sagt Agenturmitinhaber René Häfliger auf Anfrage.

«Wir müssen langfristig denken»

Frontal bietet den rund 30 Angestellten fünf Wochen Ferien, eine 40-Stunden-Woche, flexible Arbeitszeiten, teils Homeoffice und die Möglichkeit von unbezahltem Urlaub. «Potenzial besteht vermutlich beim Vaterschaftsurlaub, bislang beschränkt sich dieser auf einen Tag», sagt Häfliger. «Eine Woche wäre wohl angebracht, aber das beurteilen wir nach dem Check.» Bisher sei eine Anpassung kein Thema gewesen. «Frischgebackene Väter bezogen Ferien oder kompensierten Überzeit.» Wie viele der angefragten Betriebe ist auch die Agentur Frontal der Meinung: Vaterschaftsurlaub ist nur ein Faktor. «Matchentscheidend sind nicht zwei Wochen oder 20 Tage. Wir müssen vielmehr langfristig denken und eine Arbeitsumgebung schaffen, die es erlaubt, die Anforderungen als Mutter oder Vater wahrzunehmen.» (fi)

Mehr Infos unter www.disg.lu.ch/familienfreundlichkeit.