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Knall in Sursee: Drei von fünf Stadträten treten nicht mehr zu Neuwahlen an

Im Frühling 2020 finden die Gesamterneuerungswahlen des Stadtrates Sursee statt. Den Surseern werden dabei etliche neue Gesichter präsentiert werden, denn: Von den bisherigen Stadträten ist nur die Kandidatur der Bildungsvorsteherin Heidi Schilliger Menz sicher. Drei stellen sich nicht mehr zur Wahl.
Martina Odermatt
(Bild: Pius Amrein, 22. Juli 2019)

(Bild: Pius Amrein, 22. Juli 2019)

Sie hat durchaus Potenzial zur Aufruhr, die Mitteilung, die am Mittwochmorgen vom Surseer Stadtrat an die Medien verschickt wurde: Drei von fünf Stadträten werden bei den Neuwahlen im März 2020 nicht mehr antreten. Allenfalls werden es gar vier sein, denn: Einzig Bildungsvorsteherin Heidi Schilliger Menz (58, FDP) stellt sich für eine weitere Legislatur zur Verfügung. Stadtpräsident Beat Leu (55, CVP), Bauvorsteher Bruno Bucher (66, FDP) sowie Finanzvorsteher Michael Widmer (41, CVP) schliessen eine weitere Legislatur aus. Sozialvorsteherin Jolanda Achermann (54, SP) hat sich noch nicht entschieden.

Geht es nach den abtretenden Politikern, ist der Umstand, dass sich über die Hälfte des Stadtrates ab 2020 neu zusammensetzen wird, nicht weiter beunruhigend. Stadtpräsident Beat Leu sagt dazu: «Die Verwaltung ist gut aufgestellt und wir haben in den vergangenen Monaten einige wichtige Projekte ins Trockene gebracht, andere sind gut aufgegleist.»

Beat Leu (CVP). Bild: PD

Beat Leu (CVP). Bild: PD

Eines dieser Projekte ist die Gesamtrevision der Ortsplanung. Zu dieser hagelte es Einsprachen. Der Stadtrat kam unter Druck. Ist dies mit ein Grund für Leus Rücktritt? Leu, der seit über sechs Jahren Stadtpräsident ist, lacht:

«Nein, ganz sicher nicht. Der Prozess hat zwar viel Energie gekostet, das stimmt. Aber er hat auch viel Freude bereitet. Schliesslich haben wir zusammen etwas ausgearbeitet, hinter dem alle stehen können.»

Er sei überzeugt, dass noch das eine oder andere Projekt in die Richtung der ursprünglichen Revision realisiert werde. «Manchmal braucht es einfach zwei oder drei Anläufe.» Doch Leu, der nebenbei als Pilot für die Swiss fliegt, gibt zu, dass die Arbeit komplexer geworden ist – jene bei der Swiss wie auch jene als Stadtpräsident. Deshalb: «Man soll aufhören, wenn es am schönsten ist.»

«Eckpfeiler sind gesetzt»

Bauvorsteher Bruno Bucher hat seinen Rücktritt bereits bei den Wahlen vor vier Jahren angekündigt. Er wird 2020 zwölf Jahre als Bauvorsteher geamtet haben. Dass mit ihm nun auch mindestens zwei andere Stadträte zurücktreten, nimmt Bucher gelassen. «Ob nun ein Stadtrat zurücktritt oder drei, vier Stadträte macht keinen grossen Unterschied.»

Bruno Bucher (FDP). Bild: PD

Bruno Bucher (FDP). Bild: PD

Nun sei es an der Zeit, neue Kräfte ans Ruder zu lassen. «Mir war wichtig, dass ich die Ortsplanungsrevision während meiner Amtszeit unter Dach und Fach bringe und ich bin zuversichtlich, dass wir bis Ende Jahr die Antwort der Regierung dazu haben werden», sagt Bucher. «Ich hätte mir gerne einen anderen Ausgang gewünscht an der Gemeindeversammlung, aber mein Rücktritt ist keine Trotzreaktion», sagt er im Hinblick auf die Einsprachen und vielen Diskussionen.

Beschäftigt haben Bucher aber auch der Standort des Kantonsspitals und sowie die Neugestaltung des Bahnhofareals. Während bei ersterem die «Möglichkeiten der Einflussnahme beschränkt» sind, wurde bereits viel geplant bezüglich Bahnhofareal. Dies nun in fremde Hände zu geben, falle ihm allerdings nicht schwer. «Die Eckpfeiler sind nun gesetzt. Dass das Projekt komplett verworfen wird, ist sehr unwahrscheinlich.» Buchers Motto für die Zukunft lautet:

«Ich möchte nur noch das tun, was mir Freude bereitet.»

Er liebäugelt etwa mit einem kleinen Engagement zu Gunsten einer öffentlichen Institution, oder gar in der Reisebranche. «Ich geniesse es, mich nun einfach mal etwas nach hinten lehnen zu können.»

War die Ankündigung von Bucher vorhersehbar, so war der Rücktritt des Finanzvorstehers Michael Widmer überraschend. Der Finanzvorsteher wird nach bloss einer Legislatur zurücktreten. Als Grund gibt er den plötzlichen Tod seines Geschäftspartners an. Er könne
die zeitlichen Ressourcen nicht mehr aufbringen.

Michael Widmer (CVP). Bild: PD

Michael Widmer (CVP). Bild: PD

«Wir haben Alternativen geprüft, fanden aber keine zufriedenstellende Lösung», sagt Widmer. «Zum einen ist es schlicht nicht möglich, in Sursee ein Stadtratsamt mit einem 20-Prozent-Pensum zu stemmen.» Seit Beginn der Legislatur seien bei Widmer jährlich über 100 Überstunden angefallen, in einem Jahr gar 300. «Zum anderen bin ich in Zürich für 8 Angestellte und 14 Wirtschaftsverbände mit mehreren hundert Mitgliedern verantwortlich. Auch hier wollen wir Bestleistungen bringen.» All dies bringe eine hohe zeitliche Belastung mit sich.

«Schlussendlich ist die Familie leidtragend und dies ist weder das Ziel, noch auf lange Sicht machbar.»

In seiner Legislatur beschäftigte Widmer vor allem die Aufgaben- und Finanzreform 18 (AFR 18). «Die AFR 18 des Kantons macht uns weh. Ich wünsche mir dringend ruhigere Zeiten und planbare Budgets und Finanzpläne.»

«Will mir Zeit nehmen für die Überlegung»

Noch unschlüssig ist sich Sozialvorsteherin Jolanda Achermann Sen. «Die Eröffnung der Rücktritte erfolgte letzte Woche. Nun möchte ich mir Zeit nehmen, um zu entscheiden, in welche Richtung meine Laufbahn gehen soll», sagt Achermann.

Jolanda Achermann (SP). Bild: Nadia Schärli

Jolanda Achermann (SP). Bild: Nadia Schärli

Dass drei Ihrer Kollegen nicht mehr antreten, spiele bei Ihren Überlegungen durchaus eine Rolle. Aber Achermann sagt auch: «Ich bin jetzt 54, habe noch ungefähr zehn Jahre Berufsleben vor mir. Ich will mir Zeit nehmen für die Überlegung, wie ich diese Jahre gestalten möchte.» Es sei Ihr auch wichtig, Gespräche mit ihrer Familie und der Partei zu führen. Sie wird Mitte Oktober Ihren Entscheid mitteilen.

Rennen um Sitze ist eröffnet

Die beiden Rücktritte der CVP-Stadträte stellen die Ortspartei vor eine Herausforderung. Vor allem der Rücktritt von Michael Widmer sei unerwartet gewesen, sagt Präsidentin Susanne Stöckli. «Wir nehmen diesen mit grossem Bedauern zur Kenntnis. Wir können die Gründe für diesen Entscheid nachvollziehen, auch wenn er einen herben Verlust für den Stadtrat bedeutet. Beide Stadträte haben gute Arbeit geleistet.» Sowohl Stadtpräsident Leu wie auch Finanzvorsteher Widmer seien schon länger im Gespräch mit der Partei. Stöckli ist deshalb auch zuversichtlich, was das Rennen um diese zwei Sitze anbelangt. Sie sagt:

«Wir werden alles daran setzen, die beiden Sitze zu verteidigen.»

Gespräche mit möglichen Nachfolgern würden bereits geführt.

Ein Interesse an den frei werdenden Sitzen haben aber auch andere Parteien, so etwa die Grünen. Bei den Kantonsratswahlen konnte die Partei im Wahlkreis Sursee am meisten zulegen. Für Ortspartei-Präsident Samuel Zbinden ein Signal, dass die Zeit Reif ist für einen Sitz in der Surseer Exekutive. Er sagt:

«Wir sind die zweitstärkste Kraft in Sursee. Nun, da bekannt ist, welche Sitze und somit auch welche Ressorts frei werden, können wir die Suche nach geeigneten Kandidierenden starten.»

Die Grünen würden sich mit ihrem Partner, der SP, absprechen und dann gemeinsam vorgehen.

Zbinden wurde im März als jüngstes Mitglied in den Kantonsrat gewählt. Wird er nun der jüngste Stadtpräsident des Kantons? «Das wäre definitiv zu früh», sagt er und lacht. «Ich muss mich zuerst im Kantonsrat eingewöhnen.»

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