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Platznot in den Luzerner Häfen – weil die Boote immer breiter werden

Boote und Schiffe werden ständig grösser. Das stellt Luzerner Hafenbetreiber vor Herausforderungen. Darauf können viele allerdings kaum reagieren – oder sie wollen es nicht.
Raphael Zemp
Erwin Willen im Segelhafen Tribschenhorn, der vor knapp drei Jahren für fünf Millionen Franken erneuert wurde. | Bild: Manuela Jans-Koch (Luzern, 17. Mai 2018)

Erwin Willen im Segelhafen Tribschenhorn, der vor knapp drei Jahren für fünf Millionen Franken erneuert wurde. | Bild: Manuela Jans-Koch (Luzern, 17. Mai 2018)

Den Trend beobachtet man auf dem Vierwaldstättersee, ebenso auf dem Sempacher- und Hallwilersee: Segelschiffe und Motorboote werden immer grösser. Und vor allem breiter. «Es ist wie bei den Autos», sagt Erwin Willen, Geschäftsführer der Bootshafen AG Luzern. Ähnlich sind denn auch die Probleme: Was für klobige Geländewagen zu klein dimensionierte Parkfelder und -häuser sind, das sind für die heute besonders beliebten Sport- und Segelboote zu enge Ankerplätze. Entsprechend gefragt sind breitere Bootsplätze. In Küssnacht etwa will man dieser Entwicklung Rechnung tragen und hat deshalb jüngst den Plan verkündet, aus 54 Bootsplätzen künftig deren 44, dafür breiter zu machen (Ausgabe vom 5. Mai).

Diese Tendenz spürt auch die grösste Zentralschweizer Hafenbetreiberin, die Bootshafen AG Luzern. Mit ihren über 1100 Bootsplätzen (660 für Segel-, gut 300 für Motorboote sowie über 100 weitere Plätze zu Land) ist sie laut Geschäftsführer Willen «mehr als nur eine Schuhnummer grösser als der Küssnachter Hafen». Entsprechend grösser falle auch die Nachfrage aus – auch nach breiteren Bootsplätzen. Angepasst wird das Platzangebot trotzdem nicht. Denn die Situation ist verzwickt.

Breitere Plätze durch Ausbau? «Nicht bewilligungsfähig»

Die vermeintlich einfachste Lösung, um breitere Boote im Hafen zu beherbergen, wäre ein Ausbau. Dies aber ist laut Willen ein Ding der Unmöglichkeit, «schlicht nicht bewilligungsfähig». Denn die Interessen von Seglern und Motorbootfahrern stehen jenen der Naturschutzorganisationen diametral entgegen. Letztere würden sich konsequent gegen einen Ausbau aussprechen, sagt Willen und verweist auf das ursprüngliche Sanierungsprojekt des Segelhafens, das unter anderem auch eine Erweiterung des Hafens um rund 20 Prozent vorsah. Nach Einsprachen landete der Fall letztlich vor dem Bundesgericht, das in seinem Entscheid den Naturschützern recht gab und festhielt: Eine Erweiterung in einer «ökologisch wertvollen Flachwasserzone» hätte die Beseitigung von Ufervegetation zur Folge.

Immerhin hat die Sanierung des Segelhafens im zweiten Anlauf funktioniert, auch weil die Bootshafen AG beim revidierten, fünf Millionen teuren Projekt auf Verdichtung statt Erweiterung setzte: Ein zusätzlicher Steg schuf so vor knapp drei Jahren 80 Bootsplätze, die «der heutigen Marktsituation entsprechen» – will heissen, teils auch breiter sind. «Das hat die angespannte Platzsituation zumindest im Segelhafen ein wenig entschärft, nicht aber für den Motorboothafen», sagt Willen.

Dann gäbe es noch die Möglichkeit, Bootsplätze zusammenzustreichen, nach dem Motto: weniger, dafür breiter. Aus ökonomischer Sicht ein durchaus sinnvoller Schritt, glaubt Wille. Für breite Plätze gäbe es eine gutbetuchte Kundschaft. «Das aber würde bedeuten, dass wir einen Teil unserer Kernkundschaft rausschmeissen müssten», spinnt Willen den Gedanken weiter. «Ein Schritt, der niemals in Frage kommen wird – zumal wir ein Volkshafen sind und uns nicht alleine nach der Rendite richten.»

In diesem Dilemma sind auch andere Hafenbetreiber gefangen. Etwa in Weggis, wo Patrick Waltert, Präsident der Bootshafen-Genossenschaft, ebenfalls eine steigende Nachfrage nach breiteren Bootsplätzen beobachtet – bei gleichzeitig abnehmendem Interesse an schmalen Plätzen, die Fischerbooten genügen. Noch aber machen letztere 15 der 100 Bootsplätze aus und sind trotz allem zu stark gefragt, als dass man sie kurzerhand zusammenstreichen könnte, um neue breitere Bootsplätze zu schaffen, sagt Waltert. Ebenso wenig ist ein Ausbau der Hafenanlage ein Thema, um breiteren Schiffen mehr Platz zu bieten. Die Bewilligungen dafür einzuholen, sei «zu aufwendig, zu teuer» – und nicht zuletzt «unrealistisch».

Gemeinderat von Aesch: «Am Hallwilersee ist alles vorgegeben»

Ähnlich tönt es am Sempachersee, wo man ebenfalls merkt, dass Boote tendenziell breiter werden. «Wir werden deswegen weder Plätze aufheben, noch die Hafenanlage ausbauen», sagt Pirmin Fuchs, Präsident der Bootssteg Genossenschaft Sempach. Aus Kosten-, aber auch aus Bewilligungsgründen. Und auch am Hallwilersee: «Es ist alles vorgegeben», sagt René Mettler, Gemeinderat von Aesch und meint damit einerseits die fixe Hafengrösse, wie auch die Maximaldimensionen von 2.5 Meter Breite und 7 Meter Länge, die für den Hallwilersee gelten – im Gegensatz zum Sempacher- und Vierwaldstättersee. Auch deswegen akzentuiere sich hier das Problem von zu breiten Booten und zu schmalen Plätzen nicht so sehr. Eine Tendenz hin zu grösseren Booten im Rahmen dieser Richtlinien gäbe es gleichwohl. Ebenso wie eine ungebremste Nachfrage nach einem der 64 Bootsplätze in Aesch – trotz der geltenden Einschränkungen. Mindestens zehn Jahre müsse man für einen solchen warten, sagt Mettler. Für einen Platz, der ab 750 Franken im Jahr zu haben ist.

«Wir könnten unsere Kapazität von 52 Plätzen verdreifachen.»

Überhaupt führen sämtliche kontaktierten Luzerner Häfen lange Wartelisten. Was zeigt: Es besteht eine grosse Nachfrage. Nicht nur nach breiteren, sondern nach Bootsplätzen allgemein. «Wir könnten unsere momentane Kapazität von 52 Plätzen wohl verdreifachen», schätzt Fuchs vom Sempacher Bootshafen. Wer sich hier einen Platz sichern will, muss sich rund 15 Jahre gedulden.

Geduld braucht man aber in Weggis ebenfalls, wenn auch nicht ganz so viel. Drei bis fünf Jahre muss warten, wer hier sein Boot parkieren will für jährlich knapp 800 Franken aufwärts. Jahre, wenn nicht Jahrzehnte, wartet man in Luzern auf einen Bootsplatz, der je nach Grösse zwischen knapp 600 und 4100 Franken kostet. Laut Willen besonders «aussichtslos» ist die Situation bei grösseren Motorbooten. Für diese hat es im Luzerner Bootshafen 34 Plätze, eine Warteliste von über 120 Personen und im Schnitt einen Besitzerwechsel alle anderthalb Jahre. «Jetzt können Sie selber ausrechnen, wie lange es dauern kann.»

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