Knappes Nein zur Südzubringer-Initiative

Nach dem Stadtrat und Parlament lehnen auch die Stadtluzernerinnen und Stadtluzerner die Juso-Initiative «Kein Südzubringer in die Stadt Luzern» ab – allerdings äusserst knapp.

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Der Südzubringer soll die Pilatusstrasse (Bild) samt Pilatusplatz entlasten. (Bild: Remo Nägeli / Neue LZ)

Der Südzubringer soll die Pilatusstrasse (Bild) samt Pilatusplatz entlasten. (Bild: Remo Nägeli / Neue LZ)

52,1 Prozent der Stadtluzerner Stimmberechtigten lehnten am Sonntag an der Urne die Juso-Initiative ab. Schlussendlich fehlten für ein Ja exakt 721 Stimmen. Die Stimmbeteiligung lag bei 33,1 Prozent.

Die Zustimmung für die Juso-Initiative war im Luzerner Quartier Tribschen mit einem Ja-Stimmenanteil von 64,7 Prozent am grössten. Am geringsten war die Zustimmung in den Littauer Quartieren. Von den 24 Luzerner Stadtteilen sagten Maihof, Friedberg, Untergrund, Hirschmatt, Neustadt, Obergrund, Moosmatt und Tribschen Ja.

Südzubringer: Im Zentrum des Projekts steht ein langer Tunnel von der Autobahn ins Luzerner Neustadt-Quartier. (Bild: Neue LZ)

Südzubringer: Im Zentrum des Projekts steht ein langer Tunnel von der Autobahn ins Luzerner Neustadt-Quartier. (Bild: Neue LZ)

Die von den Juso lancierte Volksinitiative gegen den Südzubringer wollte es der Stadt verbieten, sich an der Planung und Realisierung des Strassenprojektes zu beteiligen. Nach ihrer Ansicht werde mit einer neuen Autostrasse nur etwas ermöglicht: mehr Kapazität für den motorisierten Individualverkehr. Das sei verkehrspolitischer Unsinn.

Der Südzubringer ist Teil der künftigen Stadtumfahrung. Diese besteht aus der Stadtautobahn, der heutigen A2, sowie den so genannten Spangen Nord und Süd zur Erschliessung der Innenstadt. Der Durchgangsverkehr würde über einen neu zu erstellenden Bypass geleitet (siehe Grafik).

Der Südzubringer respektive die Spange Süd ist Bestandteil des Agglomerationsprogrammes Luzern. Sie ist im Strassenbauprogramm des Kantons Luzern dem Topf C zugeteilt - das heisst: Mit der Projektierung kann nicht vor zirka 2020 begonnen werden. Laut Befürwortern des Südzubringers könnten im Zentrum durchgehende Busspuren erstellt werden. So könnten Verkehrsmengen im Stadtzentrum reduziert werden und die Lebensqualität gesteigert werden.

Die Stadt wird laut Medienmitteilung vom Sonntag zusammen mit dem Kanton, dem Verkehrsverbund und LuzernPlus in den nächsten zwei Jahren ein Gesamtverkehrskonzept erarbeiten, das aufzeigen soll, welche Massnahmen nötig sind, um die aktuellen Verkehrsprobleme in der Agglomeration zu lösen.

rem/sda

Stadtrat: «Froh über Nein»

Der Stadtrat ist laut Medienmitteilung froh, dass die Initiative von den Luzernern abgelehnt wurde. Dies gebe der Stadt, dem Kanton und den Gemeinden die Chance weiter zu planen und alle Optionen zu prüfen. Er ist der Meinung, dass es zum jetzigen Zeitpunkt falsch gewesen wäre, wenn die Spange Süd als Option zur Verkehrsreduktion gestrichen worden wäre.

Juso: «Spange Süd gestorben»

Die Juso glaubt trotz Nein nicht mehr an das Projekt einer Spange Süd. Die Kernstadt rund um die betroffenen Gebiete hätte die Initiative sogar mit 51,7 Prozent angenommen. Die Partei wirft den Luzerner Aussenquartieren vor, sich gegen eine zukunftsgerichtete, nachhaltige Verkehrspolitik zu wehren. Die Juso wird sich weiterhin für eine radikale Priorisierung des ÖV einsetzen und neue Strassen bekämpfen.

Nein-Komitee: «Kluger Entscheid mit Weitsicht»

Das Komitee «Südzubringer-Initiative Nein» begrüsst den Entscheid der Stadtluzerner Bevölkerung. Damit könne sich die Stadt weiterhin aktiv an einer Planung der Spange Süd beteiligen. Das Nein ist laut Mitteilung ein «Bekenntnis zu einem integralen System von Strasse und Schiene sowie zum Agglomerationsprogramm».