KNATSCH: Kuhn: Keine Entschuldigung, kein Rücktritt

Nach seinen verbalen Entgleisungen hat der Luzerner SVP-Präsident René Kuhn eine «persönliche Mitteilung» angekündigt. Diese dürfte nicht alle zufriedenstellen.

Drucken
Teilen
Unter Beschuss: René Kuhn. (Bild Fabienne Arnet/Neue LZ)

Unter Beschuss: René Kuhn. (Bild Fabienne Arnet/Neue LZ)

«Nachdem sich die gesamte Medienlandschaft in der gesamten Schweiz auf mich eingeschworen hat und ich mit meinen privaten und persönlichen Äusserungen einen 'Sommer-Skandal' herbeigeführt habe», werde Kuhn am Abend eine «persönliche Mitteilung» auf seiner Homepage veröffentlichen. Diese Nachricht liess den Schluss zu, dass sich Kuhn entweder reumütig entschuldigt oder aber möglicherweise seiner Partei zuvorzukommen gedenkt. Diese hatte nämlich im «SR DRS Regionaljournal Zentralschweiz» angekündigt, den Ausschluss Kuhns aus der SVP zu beantragen. Darüber würde die Parteileitung entscheiden. Das letzte Wort in dieser Sache hat aber die städtische SVP, wo man sich hinter Kuhn stelle, wie es im Beitrag weiter heisst.

Doch ganz anders lautet die Meldung, die zurzeit auf kuhn-rene.ch zu lesen ist: «Ich nehme das Recht jedes schweizerischen Staatsbürgers zur freien Meinungsäusserung wahr.» Im weiteren stellt sich Kuhn die Frage, weshalb sich so viele Menschen von seiner persönlichen Meinung betroffen fühlten. Darauf gibt sich der Luzerner SVP-Präsident folgende Antwort: «Vielleicht weil ich etwas geschrieben habe, was viele denken, jedoch nicht zu sagen wagen?»

Support von Oxana
Schützenhilfe erhält der SVP-Politiker – nebst der städtischen SVP – auch von seiner Frau Oxana, die gebürtige Russin ist. Sie unterschreibe die Meinung ihres Mannes vollkommen: «Schweizer Frauen sind überhaupt nicht feminin. Sie vernachlässigen ihr Äusseres und ihre Weiblichkeit», sagte sie gegenüber Tagesanzeiger.ch . Über 200 Leserkommentare sind bislang als Reaktion auf den Artikel eingegangen.

Anders sieht das eine andere Frau: «Nach den Vorwürfen in den letzten Monaten sollte er einsehen: Es reicht. Er sollte zurücktreten», sagte die Zürcher SVP-Nationalrätin Natalie Rickli, die früher auch schon einmal in einer Kolumne satirisch Bezug auf das Äussere von Feministen genommen habe, gegenüber Blick.ch . Das Boulevardblatt hat mit «Der 'Weiberlästerer' betrieb Frauenhandel» zudem einen weiteren Artikel aufgeschaltet, in dem Kuhns Vergangenheit beleuchtet wird. «Der Bund» hat die Story inzwischen aufgenommen. Auch «NZZ Online» berichtet in einer Agenturmeldung unter dem Titel «Luzerner SVP-Mann wegen dummer Sprüche 'untragbar'» . Die «Basler Zeitung» derweil frotzelt: «Allzu gerne hätten wir gewusst, wo genau er in den Ferien war, und ob er bei all den schönen und intelligenten Frauen dort nie ans Auswandern gedacht hat.» Via Agentur hat die Kunde ihren Weg inzwischen auch in die Welschschweiz und ins Tessin gemacht.

Junge verteilen Rosen
Mittlerweile hat sich auch die Junge SVP in die nun national geführte Diskussion eingeschaltet. «Wir Jungen weisen den Verdacht, die SVP vertrete frauenfeindliches Gedankengut, in aller Schärfe zurück», schreibt die Partei in einer Medienmitteilung. Man habe sich deshalb dazu entschlossen, die Dankbarkeit gegenüber den Frauen mit einer symbolischen Aktion zu zeigen. So wolle man am Samstag, 29. August in der Stadt Luzern allen Luzerner Frauen «als Zeichen unserer Wertschätzung» Rosen überreichen.

scd/sab