Koch beauftragt Berufskollegen mit einen Event – Geld für Arbeit und Auslagen steckt er selber ein

Ein 33-jähriger Schweizer soll Berufskollegen betrogen und die Unterhaltspflichten an sein Kind nicht bezahlt haben. Bei Gericht ist er teilweise geständig.

Roger Rüegger
Drucken
Teilen

Den Sicherheitsabstand halten der Beschuldigte und der Privatkläger an der Verhandlung am Bezirksgericht Willisau bei Weitem ein. «Es ist nicht gut, wenn wir beide einander zu nahe kommen», sagt der Privatkläger, ein Gastronom aus einer Luzerner Landgemeinde, bevor er das Gericht am Mittwochnachmittag betritt.

Bei der Verhandlung wird rasch ersichtlich, wo der Hase im Pfeffer liegt. Der 33-jährige Beschuldigte ist ein bekannter Koch in der Gastroszene. Er war in renommierten Häusern und nahm an der Sat1-Show «The Taste» teil. Er erschwindelte laut der Luzerner Staatsanwaltschaft Dienstleistungen vom Privatkläger, indem er diesen beauftragte, einen Event mit rund 150 Personen durchzuführen. Dies mit der Begründung, er befinde sich in einer Notsituation. Er habe eine Doppelbuchung und könne nicht stornieren, weil eine von seinem wichtigsten Kunden stamme. Er versprach dem Privatkläger laut Strafbefehl, ihm nach dem Anlass 14’000 Franken in bar und den Rest per Banküberweisung zu bezahlen.

24'000 Franken verrechnet, aber nur 6500 Franken flossen

Der Gastronom organisierte für den Beschuldigten den Event inklusive Personal, Essen und Getränken. Für den Anlass hatte er gemäss eigenen Aussagen Auslagen in Höhe von rund 24’000 Franken. Der Beschuldigte erhielt vom Kunden, einem Banker, einen Vorschuss von 4500 Franken. Insgesamt kassierte er 6500 Franken.

Der Privatkläger, der den Event durchgeführt hatte, sah bis dato aber trotz mehrmaligem Mahnen keinen Franken. Bei der Befragung durch die Richterin gab der Beschuldigte an, dass der Kunde mit dem Service und dem Barbecue nicht zufrieden gewesen sei. «Er teilte mir mit, er sei von mir bessere Qualität zu niedrigeren Preisen gewohnt», sagt der Beschuldigte und betonte, dass die Rechnung des Privatklägers völlig überzogen sei. «Er wollte mit dem Preis nicht entgegenkommen, obwohl das üblich ist in der Branche, wenn der Auftrag nicht wie abgemacht erfüllt wird.»

Dieser Streitpunkt konnte nicht geklärt werden. Was aber feststeht, ist, dass es keine Doppelbuchung gab. Der Beschuldigte hielt sich während des Events in Italien in den Ferien auf. Das gab er auch zu. «Es war ein Missverständnis. Ich hatte ein anderes Datum im Kopf für den Anlass. Als der Kunde mich anrief und fragte, ob ich bereit sei für das Wochenende, war ich noch in den Ferien und fiel aus allen Wolken.» Der Verteidiger sagte, dass es für die Vergabe des Auftrags nicht entscheidend sei, warum sein Mandant den Event nicht selber durchführen konnte. Dem Privatkläger warf er vor, er habe im Wissen, dass es sich um einen vermögenden Kunden handelte, einen sehr stolzen Preis verrechnet. Für den Vorwurf des Betrugs sei sein Mandant freizusprechen.

Unterhaltszahlungen von rund 20'000 Franken ausstehend

Der Beschuldigte bereicherte sich mutmasslich nicht nur auf Kosten von Berufskollegen. Das Bezirksgericht Affoltern verpflichtete ihn im August 2015, für einen Sohn (heute sechsjährig) einen monatlichen vorauszahlbaren Unterhaltsbeitrag von 550 Franken, zuzüglich Kinder- und Ausbildungszulagen, für den Zeitraum rückwirkend ab 26. Januar 2014 bis zum ordentlichen Abschluss einer Ausbildung zu bezahlen. Der Beschuldigte kam den Unterhaltsansprüchen von insgesamt 19’700 Franken (berechnet bis Mai 2019) nicht nach.

Den Unterhalt für das Kind will der Beschuldigte aber bezahlen und bekennt sich schuldig. Der Verteidiger beantragte eine tiefe bedingte Geldstrafe. Gründe für das Versäumnis seien bei seinem Mandanten Depressionen, Burn-out, Klinikaufenthalte und Schulden, die sich angehäuft hätten. Die Trennung von den Müttern seiner beiden ersten Kinder hätten ihn in eine tiefe Depression gerissen. «Für mich brach eine Welt zusammen», so der Koch. Die Staatsanwaltschaft beantragte für den Beschuldigten wegen Betruges und Vernachlässigung der Unterhaltspflicht eine Strafe von 140 Tagessätzen zu je 30 Franken – insgesamt 3900 Franken.

Der Privatkläger hatte gegen Ende der rund einstündigen Verhandlung Gelegenheit, sich zu äussern. Er sagte, dass er zutiefst enttäuscht und gezeichnet sei. Beruflich wie auch privat. «Ich wünsche dem Beschuldigten, dass er einen neuen Weg im Beruf einschlägt. Auch wegen seinen Kindern. Er brachte viele Leute in eine missliche Lage. Entschuldigt hat er sich nie, und Reue zeigt er auch keine. Fehler darf jeder machen, aber man sollte daraus Lehren ziehen.»

Das letzte Wort hatte der Beschuldigte: «Ich bin nicht der Einzige, der missverstanden wurde und Fehler machte. Ich bin es leid, immer der Sündenbock zu sein.»

Das Urteil wird den Parteien schriftlich zugestellt.