Kolumne

Aktenzeichen Velo gelöst

Was tun, wenn das eigene Velo plötzlich an ein anderes gekettet ist? Die Metallsäge holen natürlich.

Dominik Weingartner
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Dominik Weingartner

Bild: Pius Amrein

Als ich mich am Montagmorgen auf mein Velo schwingen will, staune ich nicht schlecht. Mein Fahrgerät ist an ein anderes Velo gekettet – und das beim Ständer vor dem Haus. Wird wohl ein Witzbold gewesen sein, denke ich mir. Tags darauf ist mein Velo immer noch angekettet. Also kaufe ich mir eine Metallsäge, denn ich will nicht warten, bis der Witzbold seinen schlechten Scherz selber auflöst.

Allerdings treffe ich erst nach 22 Uhr beim Tatort ein. Beim Sägen stelle ich fest: Das dauert viel länger als gedacht und macht ziemlich viel Lärm. Rasch kommt die Sorge auf, ein Nachbar könnte die Polizei rufen, weil er meint, draussen gehe ein Velodieb seiner Tätigkeit nach. Ich stelle mir vor, wie ich die Situation erklären muss. Darauf habe ich keine grosse Lust und verschiebe meine Befreiungsaktion auf den nächsten Tag. Das Velo wird kaum davonfahren, es ist ja angekettet.

Am nächsten Tag ist mein Velo weg. Daneben steht immer noch das andere Velo – mit jenem Schloss abgeschlossen, mit dem mein Velo angekettet war. Ich beginne an meiner Zurechnungsfähigkeit zu zweifeln. Was tun? Die Polizei rufen? Geistesgegenwärtig linse ich zuerst in den Velokeller des Nachbarhauses – und tatsächlich: Dort steht mein Velo! Ich klingle. Eine Frau macht die Tür auf, ich erkläre ihr mein Problem. Die Geschichte muss ziemlich wirr klingen, denn sie beendet das Gespräch schnell. Ich gehe in den Keller und befreie mein Velo – und bin froh, dass ich bald wegziehe.