Kolumne
Endlich wieder übers Kino streiten!

Unser Redaktor Simon Mathis gehörte zu den ersten Kinobesuchern nach der Öffnung. Prompt geriet er in eine hitzige Debatte mit seiner Freundin – und erkannte, wie sehr er Wortgefechte über Filme vermisst hat.

Simon Mathis
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Im Kinosessel ist die Gefahr der Enttäuschung weitaus höher als im Bett vor dem Fernseher.

Im Kinosessel ist die Gefahr der Enttäuschung weitaus höher als im Bett vor dem Fernseher.

Symbolbild: Adrian Reusser (Biel, 22. April 2021)

Mit der Streamingplattform Netflix verbindet mich eine Hassliebe. Zwar ist es praktisch, auf Knopfdruck zahllose Serien abrufen zu können. Die grosse Auswahl führt aber auch zu einer gewissen Gleichgültigkeit. Ist die neue Staffel öde? Kein Grund sich aufzuregen. Einfach weiter zappen.

Beim Kino ist das anders. Wer für einen Film über 10 Franken hinblättert, will was sehen fürs Geld – und investiert darüber hinaus seine wertvolle Zeit. Im Kinosessel ist die Gefahr der Enttäuschung wesentlich höher als vor der Glotze im heimischen Bett. Das habe ich unlängst am eigenen Leib erfahren.

Die Szene: Freitagabend, das erste Luzerner Kino-Wochenende nach langer coronabedingter Abstinenz. Der Film: «Mank» von David Fincher. Während ich die Anspielungen auf die Filmgeschichte und die messerscharfen Dialoge aus vollen Zügen genoss, fand meine Freundin den Film todlangweilig. Das gab sie mir bereits nach 20 von 130 Minuten mit einem vorwurfsvollen Blick zu verstehen. Denn ich war es, der diese Filmbiografie über den Drehbuchautor von «Citizen Kane» vorgeschlagen hatte.

Auf dem Nachhauseweg versuchte ich ihr darzulegen, weshalb ich den Film so toll finde. Meine Freundin brachte die Ironie des Ganzen auf den Punkt, als sie sagte: «Kaum zu glauben, dass Netflix so was Lahmes produziert hat!» Ich dachte mir meinen Teil – und erkannte, wie sehr ich das hitzige Streiten übers Kino vermisst hatte.